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Shirley MacLaine im Gespräch : Hatten Sie Angst vor Hitchcock, Mrs MacLaine?

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Shirley MacLaine Bild: Illustration

Wiederkehr in Deauville: Die Leinwandlegende Shirley MacLaine über das alte und neue Hollywood, Schlemmen mit Hitchcock, eine seltsame Begegnung mit Marilyn und das nächste Leben.

          6 Min.

          Burschikos, quirlig, mit dem verschmitzten Lachen eines Kobolds – so präsentiert sich die Leinwandlegende Shirley MacLaine in unserem Interview beim Filmfestival von Deauville. Sie schlägt ihre schlanken, tanzerprobten Beine übereinander und sprudelt los.

          Ihr erster Kinofilm war die schwarze Krimikomödie „Immer Ärger mit Harry“. Regisseur Alfred Hitchcock bevorzugte bekanntlich Blondinen bei der Besetzung seiner Filme. Wie kam er ausgerechnet auf Sie?

          Er sah mich am Broadway in dem Musical „The Pajama Game“: Ich war für die Hauptdarstellerin eingesprungen, die sich den Knöchel gebrochen hatte. Er mochte offenbar meine komödiantische Art und lud mich zu einem Gespräch in sein Appartement, wo ich ihn als extrem witzigen Typen kennenlernte. Ich glaube, die meisten Blondchen, die er gewöhnlich engagierte, fürchteten sich vor ihm, weil sie mit seinem sarkastischen Humor nicht umgehen konnten. Bei der ersten Leseprobe bot ich als neunzehnjähriges Küken todesmutig meinen berühmten Kollegen die Stirn, woraufhin Hitch zu mir sagte: „Meine Liebe, du hast die Eier eines Bankräubers!“ Problematisch wurde es erst, als er von mir verlangte, sämtliche Mahlzeiten – vom Frühstück bis zum Abendessen – mit ihm einzunehmen.

          Wurde er zudringlich?

          Nein, nein! Aber er verführte mich zu wahren Schlemmerorgien: Als leidenschaftlicher Gourmet sorgte er dafür, dass das Essen bei ihm am Filmset stets vom Feinsten war. Nie zuvor hatte man mir solche Köstlichkeiten serviert. So nahm ich in kürzester Zeit zehn Kilo zu, woraufhin mich der Studioboss ermahnte: „Mädel, du fängst ja verdammt früh damit an, deine Karriere zu sabotieren!“

          Für Hitchcocks Film bekamen Sie prompt Ihren ersten Golden Globe. War Ihnen schon früher bewusst, dass Sie ein ausdrucksstarkes Schauspielergesicht haben?

          Nein, ich selbst habe das überhaupt nicht bemerkt – vielleicht deshalb, weil ich als junger Mensch schlichtweg nie in den Spiegel geschaut habe. Mein Aussehen und mein Gewicht waren mir schon immer völlig egal. Darum stößt mich auch der heutzutage grassierende Schönheits- und Schlankheitswahn ab: Viele junge Schauspielerinnen scheinen geradezu besessen davon, auf dem roten Teppich eine gute Figur zu machen. Im Gegensatz zu manchen Kolleginnen war ich allerdings auch nie darauf aus, ein Star zu werden.

          Billy Wilder hat Sie jedoch mit Filmen wie „Das Appartement“ oder „Das Mädchen Irma la Douce“ zum Star gemacht.

          Aber „Das Appartement“ war seinerzeit sehr umstritten: Kritiker monierten, der Film könne sich nicht zwischen Komödie und Tragödie entscheiden. Dabei fand ich gerade diese Kombination aus Lachen und Weinen faszinierend. Das Publikum hat Wilders Absichten anscheinend besser verstanden als die Kritiker. Ich werde nie die allererste Vorführung des Films vergessen: Dazu waren ausschließlich wichtige Leute aus dem Filmbusiness geladen. Noch bevor am Ende die Lichter im Saal wieder angingen, trat ich hinaus ins Foyer, wo Marilyn Monroe an der Wand lehnte, gehüllt in einen Pelzmantel. Sie winkte mich zu sich und hauchte: „Was für ein wundervoller Film!“ Dabei öffnete sie ihren Mantel, und ich sah zu meiner Verblüffung, dass sie nichts darunter trug. Das nennt man wohl „die nackte Wahrheit“!

          Das ist jetzt mehr als fünfzig Jahre her. Wie hat sich Hollywood seitdem verändert?

          Mutiges, visionäres Geschichtenerzählen ist fast vollständig ausgestorben. Mittlerweile geht es in der Filmindustrie nur noch um Marketing und Spezialeffekte. Ich habe es satt, im Kino eine 3D-Brille aufzusetzen und darauf zu warten, dass mir irgendein dämliches Ding aus der Leinwand heraus ins Gesicht springt!

          Welche Ihrer Filmfiguren kommt Ihrer eigenen Persönlichkeit am nächsten?

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