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„Sex and the City“ : Es kann nur einen geben

Konkurrenz für Mr Big? Carrie und „ihr Russe” Bild: AP

Lebenfüllende Partnersuche: An diesem Dienstag startet sie auch im deutschen Fernsehen, die verfilxte sechste Staffel von „Sex and the City“. Wird Carrie Bradshaw zum guten Schluß vor den Traualtar geführt?

          Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß eine alleinstehende Frau im Genuß eines ordentlichen Einkommens auf der Suche nach einem Mann sein muß. Auf dieser Prämisse basieren sämtliche Folgen der amerikanischen Fernsehserie "Sex and the City", deren sechster Episodenreigen heute abend beginnt.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Nie ist die Wahrheit der Urwahrheit in Zweifel gezogen worden. Zwar hat es Charlotte (Kristin Davis), die unverbesserliche Romantikerin, seit je zu Höherem hingezogen. Aber als sich die Ehe, in die sie ihren schottischen Traumprinzen Tray gelockt hatte, als Hölle entpuppte, da fiel ihr auch im Albtraum nicht ein, zur katholischen Kirche über- und ins Kloster einzutreten. Obwohl Audrey Hepburn bewiesen hat, daß man auch als Nonne eine perfekte Figur machen kann.

          Abstinenz?

          Neben Samantha (Kim Cattrall), der Anti-Romantikerin, nähme sich sogar ein Mann mit dem sexuellen Appetit eines John F. Kennedy wie ein Klosterbruder aus. Man wundert sich, daß die Unersättliche bei ihren guten Kontakten als PR-Agentin noch keinen "Zagat"-Führer über die New Yorker Männerwelt publiziert hat; da sie nie zu einem zweiten Besuch einzukehren pflegt, kann das Fernhalten von Konkurrentinnen nicht der Grund für diese Zurückhaltung sein.

          Schockierendes hat sie - jenem Grundgesetz der Serie gemäß, wonach die überraschende Variation die eherne Geltung des Musters bestätigt - beim Lunch schon aufgetischt, so daß den Freundinnen das Salatblatt im Halse steckenblieb. Da war das lesbische Abenteuer mit einer Künstlerin, einer schwarzhaarigen Atombombe aus dem Süden. Und sogar das andere L-Wort hat sie in den Mund genommen, als sie sich dauerhaft bei Richard, dem Hotel-Tycoon, einquartieren wollte. Aber Abstinenz? Man mag es Samantha ja nicht ansehen, aber auch für sie gibt es Grenzen des guten Geschmacks.

          Altjungferndasein als Schicksal der Erfolgreichen

          Miranda (Cynthia Nixon), die rothaarige Rechtsanwältin, durfte bestimmt schon im Schultheater weder Schneewittchen noch einen der sieben Zwerge spielen. Die Männer, die sich mit ihr messen, sehen nur, daß sie ja von oben auf sie herabsehen muß. So fürchtete sie schon, bevor sie aus heiterem Himmel ein Kind empfing, das Altjungferndasein als Schicksal der Erfolgreichen - ohne es in feministischem amor fati zu bejahen. Auch Umfragen unter deutschen Zuschauern ergeben übrigens, daß mit Miranda die wenigsten Männer würden ausgehen wollen - Intelligenz schreckt ab, eine naturgegebene Ungerechtigkeit im Geschlechterverhältnis, die der Bundesgerichtshof in seinem Ehevertragsurteil - ist die Senatsvorsitzende eigentlich verheiratet? - leider nicht berücksichtigt hat.

          Ob Anwältin Hobbes beim Aufsetzen eines Vertrags in eigener Sache von ihrem Verstand abgefeimten Gebrauch machen würde, ist schwer zu entscheiden. Anders als bei "Ally McBeal" werden in den Drehbüchern von "Sex and the City" Beruf und Privatleben strikt getrennt. Daß es im Namen der alleinlebenden Frau liegt, daß sie nicht allein bleiben kann - die Verwicklungen, die sich aus diesem Paradox ergeben, bieten so viel Stoff, daß die halben Stunden im Nu dahingehen und man doch immer wieder verblüfft ist, wie subtil die Motive kombiniert und die Stimmungen gemischt sind. Die Partnersuche, im Epos des klassischen Helden nur ein Kapitel, ist für die Heldinnen der modernen Gesellschaft, die schlechthin, scheinbar auch von Anwesenheitspflichten in Büro oder Galerie, freien Individuen, abendfüllend, ja lebenfüllend geworden.

          Carries Kolumne

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