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Ausstellung zu Science-Fiction : Im Reich der Wünsche

Eine Ausstellung in der Berliner Kinemathek erzählt die Geschichte der Science-Fiction im Kino. Wer glaubt, er sei gegen den Zauber der Zukunft immun, hat sie noch nicht gesehen.

          2 Min.

          Vor fünfzig Jahren hatten der Filmproduzent Gene Roddenberry und die Regisseure der Fernsehserie „Star Trek“ eine großartige Idee. Weil ihr Budget zu klein war, um die Mannschaft des Raumschiffs „Enterprise“, um das die Serie kreiste, beim Landen auf fremden Planeten oder beim Umsteigen auf andere Sternenkreuzer zu zeigen, griffen sie auf einen Trick, der schon in früheren Science-Fiction-Filmen funktioniert hatte: die Teleportation. Die Männer und Frauen der „Enterprise“ stellten sich unter eine Art Lichtdusche, dann füllte ein silbernes Glitzern – das, wie die Studiotechniker später verrieten, durch Aluminiumstreifen und Leuchtpulver erzeugt wurde – ihre Körperumrisse, und gleich darauf waren sie weg. Es wirkte so einfach, so kinderleicht.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          So würde die Zukunft aussehen. Wir würden uns auf den Mond beamen lassen, in ferne Länder, auf die Dächer von Wolkenkratzern, von daheim in die Schule. Das glaubten damals Millionen Fernsehzuschauer, junge wie alte, und viele der jüngeren wuchsen mit der Gewissheit auf, noch zu ihren Lebzeiten das Beamen als fortgeschrittene Form der Bewegung nutzen zu können. Daraus ist nichts geworden. Kein einziger Mensch ist bislang teleportiert worden, und es sieht auch nicht so aus, als werde die Sache demnächst gelingen. Aber weil die Beredsamkeit der Bilder, die nackte Evidenz der Fiktion so überwältigend war, werden wir wohl nie aufhören, vom Sprung durch die Lichtdusche zu träumen. Früher griffen wir dafür zur Fernbedienung. Heute gehen wir ins Museum.

          In der Ausstellung „Things to Come“, welche die Deutsche Kinemathek in Berlin bis zum kommenden Frühjahr zeigt, ist die Teleportation kein großes Thema. Sie muss es auch nicht sein, denn die Ausstellung selbst wirkt wie ein Transporter, der uns in ferne Welten trägt, Kino- und Fernsehwelten der Kindheit, der Jugend und der Erwachsenenjahre. Alles ist da, von den unbeholfenen Außerirdischen und Monsterrobotern der Frühzeit bis zu den Wurmlöchern und ausgefeilten Dystopien der Gegenwart, und die Architektur der auf drei Stockwerke verteilten Ausstellungssektionen trägt noch dazu bei, den Eindruck des Unwirklichen oder besser Überwirklichen zu verstärken. Es ist, als hätten sich die Räume des Filmhauses am Potsdamer Platz selbst in Segmente eines Raumschiffs verwandelt, das uns in seine labyrinthische Tiefe zieht. Überall öffnen sich Bullaugen oder geschlitzte Leinwände, hinter denen Filmausschnitte laufen oder Vitrinen mit Requisiten stehen, auf Monitoren rasen Objekte vorbei, die man ein paar Meter weiter als Modelle oder gezeichnete Entwürfe bestaunen kann, und einmal muss man sich sogar auf den Rücken legen, um die „Invasion der Körperfresser“ und andere schreckliche Science-Fiction-Epidemien aus der Froschperspektive auf sich wirken zu lassen.

          Wer jetzt meint, eine Schau wie diese würde das Genre entzaubern, indem sie uns hinter die Kulissen seiner Entstehung schauen lässt, irrt sich. Man kann dem Alien von HR Giger noch so lange in die toten Augen starren – im Film graust man sich doch wieder vor ihm. Und das Kostüm von Tamara Jagellovsk aus „Raumpatrouille“ mag in seiner Vitrine leblos wirken. Aber wenn Eva Pflug darinsteckt, erzählt es eine Geschichte. Nicht von der Zukunft, die kommt, sondern davon, wie sie einmal aussah, als das Wünschen noch geholfen hat.

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