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Schönheits-OPs im Fernsehen : Was also gefällt Ihnen nicht an sich?

  • Aktualisiert am

Julian McMahon (l.) mit Dylan Walsh in Nip/Tuck Bild: AP

Auch Amerikas Fernsehen liebt die plastische Chirurgie. Dem Trend die Spitze auf setzt die bahnbrechende Serie „Nip/Tuck“. Ein Interview mit Julian McMahon, einem der beiden Hauptdarsteller.

          5 Min.

          Das Streben nach Schönheit, das vor körperlichen Einschnitten nicht haltmacht, ist das Thema des Fernseh-Herbstes. Die Vorbilder stammen aus Amerika, wie man an der neuen RTL-Serie "Beauty Klinik" sieht, die nächste Woche startet und der hier vorgestellten Serie gleicht wie ein Facelifting dem anderen.

          Doch hat RTL auch die Langzeitdoku "Alles ist möglich" im Programm. Bei dieser gehe es nicht darum, falschen Idolen nachzustreben, sagt die zuständige Presseredakteurin Heike Schultz, sondern um "eindeutig nachweisbaren Leidensdruck" von Menschen, die eine OP wollen. Als Vorbereitung darauf hat RTL vorgestern schon mal eine Brustoperation live übertragen.

          RTL 2 zeigt seit zwei Wochen bereits "Schönheit um jeden Preis - Letzte Hoffnung Skalpell", und bei MTV läuft "I want a famous Face". Dort kann man der Quälerei zusehen, die junge Menschen auf sich nehmen, um sich körperlich ihren Idolen anzugleichen. Die Operationen verlaufen dabei noch um einiges blutiger als die Skalpellvorführung bei RTL. Wer das unterhaltsam findet, kann keine schwachen Nerven haben. Pro Sieben wiederum hält die Rechte an der Show "The Swan", in der sich junge Menschen verwandeln, wie es der Trend vorgibt.

          Schuften für die Schönheit: Walsh, McMahon
          Schuften für die Schönheit: Walsh, McMahon : Bild: AP

          Bei Pro Sieben läuft im Dezember auch jene Serie, die dem Trend zur Verschönerung per Skalpell die Spitze aufgesetzt hat: "Nip/Tuck". Mit der Ausstrahlung dieses bahnbrechenden Ärztezirkus, der in Amerika als "Kult" gilt, hat der Abosender Premiere gerade begonnen. Dort ist "Nip/Tuck" sonntags zu sehen. Wir haben Julian McMahon, einen der beiden Hauptdarsteller, gefragt, was es mit dem OP-Boom auf sich hat.

          Frage: In einer Folge Ihrer Serie "Nip/Tuck" sagt Ihr Kollege Dylan Walsh: "Es gibt nichts daran auszusetzen, daß man perfekt sein möchte." Stimmen Sie dem zu?

          Das Problem, das sich hierbei auftut, ist: Ihr Konzept von Perfektion und meines sind aller Erfahrung zufolge völlig verschiedene Dinge. Insofern ist der Versuch, perfekt zu sein, denkbar lächerlich. Ich persönlich bin der Überzeugung, daß Perfektion nicht existiert.

          Warum gerät dann der Schönheitswahn derzeit gerade zum Fernsehspektakel?

          Für mich bergen diese Sendungen eine gewisse Faszination. Man krümmt sich vielleicht, aber man guckt trotzdem hin! Es ist ein bißchen wie ein guter Horrorfilm. Ich gebe zu, ich habe mir eine Episode von "The Swan" angeschaut.

          Als Sie sich für die Rolle des Schönheitschirurgen Christian Troy bewarben, erhielten Sie von den "Nip/Tuck"-Produzenten zunächst einen Korb. Doch Sie wollten die Rolle unbedingt. Warum?

          Es war nicht nur die Rolle, sondern das ganze Stück, die Zeichnung und Entwicklung der Figuren, die Geschichten. "Nip/Tuck" ist frech, es ist brutal, und es ist ungeheuer komplex. Eine Figur wie Christian Troy hatte ich noch nie gesehen: ein widerlicher Bastard im einen Moment, eine tief berührende Persönlichkeit im nächsten. Diese Konstellation öffnet vielen Variationen die Tür, und das ist für einen Schauspieler natürlich ein Traum.

          Die Chirurgen begrüßen Ihre Patienten mit: "Was mögen Sie an sich selber nicht?" Was gefällt Ihnen an Christian Troy nicht?

          Vieles! Daß er einen Kerl fesselt und an die Krokodile verfüttert. Daß er scharf auf die Frau seines besten Freundes ist. Daß er Menschen manipuliert. Daß er ein Arschloch ist.

          Und was mögen Sie an ihm?

          Ich liebe seine Ehrlichkeit. Die Konsequenz, mit der er zu seinen Handlungen steht. Daß er Problemen, sogar wenn er sie selbst hervorgebracht hat, ins Gesicht schaut - auch über längere Strecken.

          Der Autor von "Nip/Tuck", Ryan Murphy, lotet Untiefen seiner Figuren sorgsam aus. Woher nimmt er seine Geschichten?

          Ryan hört jedem genau zu, er saugt alles in sich auf. Es ist erstaunlich, wie er einen kleinen Kommentar oder ein interessantes Gespräch, das man vor zwei Wochen mit ihm führte, in eine Geschichte verwandelt. Seine Drehbücher sind mitten aus dem Leben gegriffen, und er versteht es brillant, die Vielschichtigkeit von Beziehungen zum Ausdruck zu bringen. "Nip/Tuck" ist aus meiner Sicht eine wunderbare Erforschung des menschlichen Daseins.

          In einer Praxis für Schönheitschirurgie?

          Die kosmetische Chirurgie ist bei "Nip/Tuck" nur Prämisse. Die Operationen, die Troy und McNamara durchführen, sind bloß Metaphern für die Veränderungen, denen sie selbst unterliegen. Eigentlich geht es hier um das Wesen zwischenmenschlicher Beziehungen, die sich in den existentiellen Sorgen und Nöten zweier Männer spiegeln. Aber der Blick geht nie bloß in eine Richtung. Wir zeigen Ihnen alle Seiten der Medaille, und Sie werden Schwierigkeiten haben, eine passende Schublade für uns zu finden.

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