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„Schindlers Liste“ im Kino : Die Bilder kehren zurück

  • -Aktualisiert am

Oskar Schindler (Liam Neeson, l) und sein Buchhalter Itzhak Stern (Ben Kingsley) stellen ihre berühmte Liste jüdischer Arbeiter zusammen. Bild: dpa

Nach 25 Jahren kommt „Schindlers Liste“ wieder ins Kino. Der Film funktioniert noch immer – aber warum ist er bis heute die wirkmächtigste filmische Waffe gegen das Vergessen geblieben?

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          Ich bin jetzt sehr gespannt, wie der Film im Land der Glatzköpfe ankommt“, schreibt Billy Wilder nach seinem Kinobesuch von „Schindlers Liste“. Das Glatzkopf-Land ist Deutschland im Jahr 1994, das sich, kurz nach dem großen Umbruch angekommen in einer neuen geopolitischen Ära, auf dem irritablen Boden der Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft suchen muss. Es ist das Land der Wiedervereinten und doch noch Getrennten, das Land der brennenden Flüchtlingsheime. Es ist aber auch das Land, das erstmals ohne den ideologischen Überbau des Kalten Krieges und mit Blick auf die neue rechte Gewalt seine Vergangenheit betrachten muss und feststellt, dass auch hier eine Ära endet. Der Großteil der Zeugen des Holocaust ist verstorben, das Erinnern wird mehr und mehr Teil eines kollektiven Gedächtnisses, das sich nicht mehr aus direkten Erfahrungen speisen kann.

          Auf diesen fruchtbaren Boden pflanzte Steven Spielberg sein Holocaust-Drama „Schindlers Liste“. Kein Wunder, dass das Werk zu einem Leitfilm für Schoa-Debatten wurde. Timing und Regisseur konnten kaum besser sein, brachte doch allein seine Person mehr (und vor allem junge) Menschen ins Kino. Und welche Ironie der Geschichte, dass gerade ein Hollywoodfilm dem ostdeutschen Publikum eine Lücke füllte, die in der DDR-Geschichtsschreibung stets zugunsten der Konzentration auf den antifaschistischen Widerstand im Sammelbegriff des „Völkermords“ ausgeblendet wurde. Für das westdeutsche Publikum wiederum erinnerten das Werk und das begleitende Medienereignis an die Geschehnisse um die amerikanische Serie „Holocaust“, die fünfzehn Jahre zuvor nicht nur eine Vokabel für das Unvorstellbare, sondern auch Bilder und Geschichten erfand, die den Holocaust sinnlich erfahrbar machten. Die Bilder lösten das bis dahin anhaltende Opfer- und Täterschweigen in einer medialen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auf, die vor allem im Begleitprogramm der Serie stattfand.

          Man fürchtete antideutsche Ressentiments

          „Schindlers Liste“ traf nun auf ein anderes Publikum, das einen größeren Willen hatte, sich mit der eigenen Vergangenheit zu befassen. Auch hatte man aus dem Medienereignis „Holocaust“ gelernt. Zum einen, dass sich Kommerzialisierung und Erinnerungskultur nicht per se ausschließen und dass der amerikanische Ansatz Gehör findet, das Abstrakte und Unvorstellbare im Personalisierten und Versinnlichten zu verpacken. Zum anderen, dass eine Bearbeitung des Themas sich international nicht von deutschen Abwehrmechanismen aufhalten lässt. Im Ausland war man immun gegen die hierzulande bis Anfang der sechziger Jahre vorherrschende Haltung, dass es zu früh wäre, darüber zu sprechen, die nahtlos in die Aussage überging, dass man die Vergangenheit nun endlich ruhen lassen sollte. Die Bundesregierung hatte trotzdem lang zu intervenieren versucht: 1956 wollte sie zum Beispiel die Aufführung von Alain Resnais Auschwitz-Doku „Nacht und Nebel“ verhindern. Man fürchtete antideutsche Ressentiments – eine Angst, die bei „Holocaust“ und „Schindlers Liste“ wieder aufkam.

          Auch die Schindler-Geschichte kennt solche Interventionen. Als sie in den sechziger Jahren erstmals auf dem Tisch eines Hollywood-Studios lag, stellten die Deutschen entsetzt fest, dass man Schindler im eigenen Land bisher ignoriert hatte. Schnell wurden die Vergabe einer Ehrenrente und des Bundesverdienstkreuzes nachgeholt. Dass das Filmprojekt letztlich zerfiel, schien ein Segen. Auch Produzent Artur Brauner versuchte sich an einem Schindler-Film. Er scheiterte 1984 und 1992 an der Filmförderung, die erklärte, kein Deutscher könne solch einen Film machen, ohne nicht der Reinwaschung bezichtigt zu werden.

          Brauners Erfahrungen spiegeln die besonders komplizierte Stellung deutscher Filme, die sich nicht-dokumentarisch mit dem Holocaust beschäftigen, hervorragend wider. Die Schuldfrage und die doppelte Betroffenheit erzeugen bis heute ein schizophrenes Arbeitsfeld zwischen Ausblendung und der Angst, „falsch“ zu erzählen und zu bebildern. Wenn Ideen nicht gleich an den Abwehrmechanismen scheitern, finden sie oft durch Verschiebungs- und Ersatzmechanismen statt. Besonders beliebt sind das Konzentrieren auf Widerstandsgeschichten, die „guten“ Deutschen. Das Jüdische wiederum findet meist abgeschirmt vom Holocaust in Geschichten von Entkommenen oder Versteckten statt. Man konzentriert sich auf die Ausnahmen. Die harsche Realität des Holocaust bleibt randständig. Kein Wunder, dass die wirklich wirksamen Filme nicht aus Deutschland kommen.

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