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Vanessa Redgrave zum Achtzigsten : So schön kann man messerscharfe Sätze sagen

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Was man nicht alles tut, um an einen Negativstreifen zu kommen: Vanessa Redgrave 1966 in Michelangelo Antonioni „Blow Up“ Bild: Picture-Alliance

Ihre Geburt wurde, so erzählt man sich, von Laurence Olivier auf offener Bühne bekanntgegeben. Empfindsame Rollenporträts und revolutionäre Ansprüche haben sie berühmt gemacht. Vanessa Redgrave zum Achtzigsten.

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          In seinem vorletzten Film kam der große Regisseur Fred Zinnemann 1977 noch einmal auf sein Lebensthema zurück. „Julia“ erzählte die Geschichte zweier Frauen, die durch den Nationalsozialismus getrennt wurden: Lillian Hellman lebt mit Dashiel Hammett in Amerika, während Julia in Wien in den dreißiger Jahren die drohende Gefahr immer deutlicher erlebt. Die Konstellation der beiden Hauptfiguren spiegelte sich auch in der Besetzung wider. Jane Fonda spielte Lillian Hellman, während Vanessa Redgrave für die (nominelle) Nebenrolle der Julia engagiert wurde.

          Mit Jane Fonda 1976 in Fred Zinnemanns „Julia“ Bilderstrecke
          Mit Jane Fonda 1976 in Fred Zinnemanns „Julia“ :

          Zwei Idole der Emanzipationsbewegungen der Nachkriegsepoche trafen hier zusammen, mit der Pointe, dass Vanessa Redgrave mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, während Fonda leer ausging. Sie waren in unterschiedlichen Kategorien nominiert gewesen, aber es steckte noch ein bisschen mehr dahinter: Die 1937 in London geborene Vanessa Redgrave blieb in Hollywood nicht nur ihrer Herkunft wegen fremd, sondern auch deswegen, weil sie ihre politischen Ansichten immer noch ein bisschen kompromissloser äußerte. Sie nutzte denn auch ihre Dankesrede bei der Oscar-Zeremonie 1978 für einen Affront gegen „Zionist hoodlums“, die sie wegen ihres Eintretens für die Sache der Palästinenser kritisiert hatten. Dass sie sich am Ende der Rede ausdrücklich gegen „Faschismus und Antisemitismus“ wandte, ging neben dieser scharfen Formulierung unter.

          Ein wahrhaft königlicher Auftritt

          Vanessa Redgrave konnte es sich leisten, ihre Unabhängigkeit von der amerikanischen Filmindustrie zu wahren. Das europäische Kino, für das sie stand, war in den Jahren auf einem Höhepunkt, in denen sie ihre prägenden Rollen bekam. In England arbeitete sie Mitte der Sechziger mit Künstlern wie Tony Richardson oder Karel Reisz, die aus dem Free Cinema kamen, einer der wichtigsten Reformbewegungen dieser Jahre. Mit Richardson war sie seit 1962 verheiratet, die Töchter Natasha und Joely wurden auch Schauspielerinnen, ganz in der Tradition einer Familie, die auf den 1908 geborenen Michael Redgrave zurückgeht, der 1962 in Richardsons „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“ einen künstlerischen Höhepunkt in seiner Karriere hatte. Auch Vanessa Redgraves Schwester Lynn wählte dieses Metier.

          Wenn man ein Gefühl für die exaltierte Modernität dieser Jahre bekommen will und für das spezifische Profil, das Vanessa Redgrave dazu beisteuerte, dann könnte man sich Elio Petris „Un tranquilo posto di campagna“ („Das verfluchte Haus“, 1968) ansehen, wo sie die Kunsthändlerin Flavia spielte, die mit dem Maler Leonardo Ferri auf einem mondänen Landsitz die Grenzen zwischen Kunst und Leben aufzuheben versucht - das Projekt aller Avantgarden, ergänzt durch sexuelle Revolution, und entsprechende Mode. Mit ihrem Filmpartner Franco Nero ging sie auch eine Beziehung ein, die 2006 durch Heirat offiziell gemacht wurde. 1968 war Vanessa Redgrave auch in Michelangelo Antonionis „Blow-Up“ zu sehen, ein weiteres Beispiel für die vielfältigen Beziehungen, von denen das europäische Kino zwischen London, Paris und Rom damals geprägt war.

          Kinotrailer : „Anonymous“

          Roland Emmerich bescherte Vanessa Redgrave 2011 einen wahrhaft königlichen Auftritt in seiner Shakespeare-Spekulation „Anonymous“, wo sie die erste Queen Elisabeth spielte. Der denkwürdigste Auftritt ihrer späten Jahre ist aber wohl die eisige Mutter des neurotischen Industriellen John du Pont in „Foxcatcher“. Hier kann man viel von der Arroganz erkennen, die in der britischen Klassengesellschaft ihr Urbild hat. Vanessa Redgrave ist ein Kind der alternativen Aristokratie. Ihre Geburt wurde, so erzählt man sich, von Laurence Olivier auf offener Bühne bekanntgegeben. Sie hat mit sensiblem Spiel und radikaler Politik das Ihre dazu beigetragen, dass ihre Kunst sich weder in elitären Zirkeln erschöpfte, noch sich den kommerziellen Intentionen Hollywoods unterwarf. An diesem Montag wird Vanessa Redgrave achtzig Jahre alt.

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