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Schauspielerin Mélanie Laurent : Die Angst davor, sich lächerlich zu machen

Laurent und mit ihrem César als beste Nachwuchsdarstellerin Bild: AP

Der Vater ihrer Freundin arbeitete am Set von „Asterix“, Depardieu lief als Obelix herum - und fragte die 13-jährige, ob sie nicht Schauspielerin werden wolle. Inzwischen dreht Mélanie Laurent einen Film nach dem anderen. Und ist am besten, wenn sie aus der Rolle fällt.

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          Als Gérard Depardieu in „Chanson d'amour“ neulich „Pour un flirt avec toi“ sang, in weißem Anzug und mit Einstecktuch, in einem Casino irgendwo in der französischen Provinz; als er, mit Blick auf die junge Cécile de France, im Glanz von Diskokugeln und Lichterketten, noch einmal so tat, als sei die Liebe doch nicht vergeblich, als könne der Augenblick verweilen, da habe sie eigentlich erst begriffen, wer sie da entdeckt habe. Sie sei stolz gewesen und sehr berührt, sagt Mélanie Laurent. „Das“, habe sie sich im Kino gesagt, „ist der Mann, der mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, Schauspielerin zu werden. Es war toll.“

          Julia Encke

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Mélanie Laurent war dreizehn, als sie zusammen mit einer Freundin deren Vater am Set von „Asterix und Obelix“ besuchte. Zehn Jahre ist das jetzt her. Der Vater ihrer Freundin arbeitete als Techniker am Set, Depardieu lief als Obelix herum. Und als Mélanie Laurent diesem Obelix vorgestellt wurde, war der so hingerissen, dass er sie vom Fleck weg für eine Nebenrolle in seinem nächsten Film „Die Brücke von Ambreville“ engagierte. Seitdem spielt sie, dreht einen Film nach dem anderen. Gerade hat sie in Frankreich den César als beste Nachwuchsdarstellerin bekommen. Kontakt zu Depardieu habe sie heute keinen mehr. „Sie müssen ihn sich eher als Zauberfee vorstellen, die erscheint, einem einen Wunsch erfüllt und wieder verschwindet. Eine lustige Vorstellung, nicht? Depardieu in der Rolle der kleinen Fee!“

          Lerne nie deinen Text!

          Drei Ratschläge hat er ihr mit auf den Weg gegeben: „Nimm niemals Schauspielunterricht, lerne nie deinen Text und hab keine Angst davor, dich lächerlich zu machen!“ Die ersten beiden habe sie immer befolgt. Mit dem Lächerlichen sei das allerdings so eine Sache, vielleicht schaffe sie das ja irgendwann, die letzten Hemmungen abzulegen. Geht das denn überhaupt, den Text einfach nicht zu lernen? „Ich habe schon verstanden, wie er das meinte. Für Depardieu ist der Text keine Partitur, er liebt es, zu improvisieren. Natürlich gibt es Filme, wo das strenger läuft. Aber da bin ich auch nicht die, die sich tagelang vorbereitet. Ich memoriere meinen Text meistens in der Maske. Hauptsache ist ja, dass ich ihn kann, wenn es losgeht.“ Komisch sei nur, meint sie, dass sie mit einem Mann zusammenlebe, der auch Schauspieler sei, Julien Boisselier.

          Unterwegs in Paris
          Unterwegs in Paris : Bild: AP

          In ihrem neuen Film „Keine Sorge, mir geht's gut“ spielt er am Ende ihren Liebhaber. Und Julien bereite sich auf jede Rolle vor wie ein Verrückter. „Er arbeitet das Drehbuch mit Textmarkern durch, kennt auch den Text der anderen und mietet Räume an, in denen er sich selbst filmt, um sich hinterher zu analysieren. Das ist dann natürlich ein etwas merkwürdiges Zusammenleben. Während er am Schreibtisch schuftet, liege ich entspannt auf dem Sofa und denke ein bisschen über meine Rolle nach. Bei mir ist das eher eine intuitive Angelegenheit.“

          Nimm keinen Unterricht!

          Mélanie Laurent sagt das alles sehr abgeklärt, sehr kühl, fast leidenschaftslos. Sie strahlt einen Ennui aus, den man ihr im ersten Moment nicht recht abnehmen will. Hier, denkt man sich, sitzt eine junge Frau mit einer wahrscheinlich ziemlich großen Zukunft, die, trotz ihrer ausgesprochen hohen roten Lackschuhe, eher klein und zerbrechlich wirkt. Doch ist Mélanie Laurent alles andere als zerbrechlich. Sie ist „zehn Jahre im Geschäft“, wie sie das lapidar nennt. Traumrollen? Fallen ihr keine ein. Regisseure, mit denen sie gerne drehen würde? Sie habe ja schon mit so vielen großartigen Regisseuren gedreht, mit einigen würde sie gerne wieder drehen, mit Jacques Audiard oder Rodolphe Marconi. Irgendwelche Vorbilder? Sie sei nie Fan von irgendwas gewesen, dieses Gefühl kenne sie gar nicht. Wo immer sie an einen Set kam, waren die Mythen schon da: Carole Bouquet, Isabelle Huppert, Jane Birkin. Da brauchte sie gar nicht zu träumen. Man möchte sie schütteln, sie aus der unbeeindruckten Pose locken. Mélanie Laurent sagt nur cool: „Ich hatte eben Glück.“

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