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Julia Jentsch im Gespräch : „Vielleicht versteht man die eigene Mutter erst, wenn man selbst Mutter ist“

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Ungewohnt und schwierig war für mich, dass ich nach der Geburt überhaupt keine Lust hatte zu arbeiten. Denn vorher hat mich das Spielen so eingenommen, und plötzlich war es weg. Das hat mir Angst gemacht. Denn ich habe gedacht: Was mache ich, wenn die Lust daran nicht wiederkommt?

Ich habe dann mit einer befreundeten Regisseurin gesprochen, die mich beruhigte: Keine Angst, Julia, das war bei mir auch so, es kommt wieder. – So ziemlich genau nach neun Monaten wurde ich dann kribbelig und habe meine Agentin nach Projekten befragt. Es kam wieder, dieses Gefühl. Und das hat mich glücklich gemacht, denn es gehört zu mir.

Die drei Mütter im Film scheitern an ihren eigenen Ansprüchen und fühlen sich überfordert. Kennen Sie das, an Ihre Grenzen zu stoßen?

Ja, ich kenne Momente, in denen ich an meine Grenzen komme. Und dann bin ich nicht so, wie ich vielleicht sein möchte. Das passiert, wenn zu viel auf einmal los ist oder ich eine wichtige Entscheidung treffen muss, beispielsweise ob ich ein Projekt machen möchte oder nicht.

Und dann kommt in so einer Situation oft noch wenig Schlaf hinzu. Da merke ich dann, dass ich nicht das Maß an Ruhe und Verständnis habe, das ich meinem Kind immer entgegenbringen möchte. Das funktioniert dann einfach nicht. Und das überträgt sich sofort. Dann gibt es Situationen, in denen ich das Gefühl habe, am besten gehe ich jetzt erst einmal schlafen, und morgen sieht dann alles anders aus.

Und funktioniert das?

Meistens ja. Denn wenn man ausgeschlafen wieder mehr Kraft hat und dann seinem Kind begegnet oder ein Problem durchdenkt, dann lösen sich die meisten Schwierigkeiten von allein. Manchmal kann man seinem Kind, das tendenziell mehr Energie und Ideen hat als ein Erwachsener, nicht gerecht werden. So geht es mir zumindest.

2018 erhielt Julia Jentsch den Bayerischen Fernsehpreis als beste Schauspielerin.

Ihre Filmfigur Marie will die perfekte Mutter sein. Wann haben Sie erkannt, dass es in der Kindererziehung keine Perfektion gibt?

Das ist mir sofort klargeworden, und deswegen habe ich das auch nie angestrebt. Denn ich habe sofort gemerkt: Es fühlt sich anders an, als ich gedacht habe. Eigentlich hatte ich geplant, nach der Schwangerschaft sofort wieder zu arbeiten. Es war dann nicht so, weil ich gar nicht das Bedürfnis danach hatte – und auch nicht die Kraft.

Ich hatte ganz schnell ein Gefühl davon, dass ich bestimmte Dinge mit einem Kind gar nicht planen kann. Es kommt sowieso anders. Ich habe eher das Ziel, für das Kind da zu sein und die anderen Dinge, die auch noch getan werden müssen, auch noch zu schaffen. Aber nicht alles in einer perfekten Art und Weise. Ich vertraue auf meine Instinkte und Gefühle.

Wie teilen Sie sich mit Ihrem Mann die Hausarbeit?

Derjenige, der gerade mehr zu Hause ist, übernimmt auch mehr.

Nach welchen Prinzipien sind Sie erzogen worden?

Meine Eltern haben mich antiautoritär erzogen. Ich hatte immer das Gefühl, viele Freiräume zu haben. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich mir meine Räume und auch Freunde suchen kann, die ich will. Besonders schön fand ich, dass meine Eltern alle herzlich aufgenommen haben, egal aus welcher sozialen Schicht sie kamen oder wie die drauf waren. Ich bin mit einer großen Offenheit aufgewachsen.

Gab es auch keine Regeln, wann Sie spätestens von einer Party wieder zu Hause sein mussten?

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