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Schauspieler Robert Mitchum : Sie nannten ihn Mitch

Toxische Männlichkeit oder toxische Melancholie? Robert Mitchum (1917 bis 1997) Bild: epd

Mit der Bemerkung, zu schauspielern sei immer noch besser, als richtig zu arbeiten, brachte Robert Mitchum viele Kollegen gegen sich auf. Dabei sahen andere neben ihm aus wie ein Loch in der Leinwand. Heute wäre er hundert Jahre alt geworden.

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          Er hatte Lider aus Blei. Jeder andere hätte eine Hebebühne gebraucht, um sie zu öffnen. Er ließ seine Blicke unter seinen Lidern hervorkriechen als wären es Verschüttete, die schon jede Hoffnung aufgegeben hatten, je wieder das Tageslicht zu sehen. Ungläubig, erschöpft und gleichgültig blickten sie nun auf eine Welt, mit der sie bereits abgeschlossen hatten und von der sie ahnten, dass sie nie wieder ganz in sie zurückkehren würden. Vielleicht wirkte er deshalb in vielen seiner weit über hundert Rollen so oft wie jemand, der wusste, dass er auf fatale Weise zu spät gekommen war. Ein rüder Zyniker, müde, aber unerbittlich in seinem Entschluss, die Sache bis zu ihrem bitteren Ende zu bringen. Dabei war die Schlacht meistens schon verloren, bevor er in den Ring steigen konnte.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Siebenundzwanzig Profi-Kämpfe soll er ausgetragen haben, Siege waren wohl nur wenige darunter. Danach sah er aus, wie er aussah. Ein zerknautschter Held. Toxische Männlichkeit, sagen die einen, toxische Melancholie, die anderen. Mit dreizehn war er ausgerissen und durchs Land gezogen, mit vierzehn wurde er verhaftet und als Kettensträfling verurteilt, konnte aber fliehen. Am Beginn seiner Karriere standen kleine Rollen in B-Western. Nach kaum drei Jahren war er ein Star und erhielt seine einzige Oscar-Nominierung. Wenig später wurde er wieder verhaftet, zusammen mit einer Frau, die nicht seine Frau war, und einer Zigarette, die keine Zigarette war. Das Publikum, wir sind im Jahr 1948, machte kein Theater um ein bisschen Marihuana, und er auch nicht.

          Von seinem Beruf und seiner Branche soll er nie viel gehalten haben. Mit der Drehpausen-Bemerkung, die Schauspielerei sei immerhin besser als zu arbeiten, brachte er nicht nur Kirk Douglas gegen sich auf. Es gab in Hollywoods großen Jahren viele Kollegen, die ihn nicht mochten. Die meisten sahen neben ihm halt einfach nur aus wie ein Loch in der Leinwand, wie David Lean einmal sagte. Dabei machte er meistens gar nicht viel vor der Kamera. Berühmt geworden ist die Abkürzung „n.a.r“, die er beim Lesen von Drehbüchern gerne an den Rand seiner Szenen setzte: „no action required“. Aber nichts zu machen, das schaffen nur die wenigsten. Und noch weniger können es sich auch leisten. Stars, die nach ihm kamen wie Steve McQueen und Clint Eastwood, haben von ihm und seinen Rollen im film noir gelernt, was es heißt, cool zu sein, vor allem in der Niederlage. Siegen können auch die Dümmsten. In Jacques Tourneurs Meisterwerk „Out of the Past“ sagt Robert Mitchum, der vor hundert Jahren geboren wurde, verlieren könne man auch langsam. Man muss sehen, was in diesem Moment mit seinen Lidern geschieht. Nichts, sagen die einen, alles, die anderen.

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