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Schauspieler : Jede Rolle ein Geheimnis

  • -Aktualisiert am

Nina Kunzendorf, hier mit Martin Feifel, in „Der scharlachrote Engel” Bild: BR/Burkert/Vietinghoff

Sechs Fernsehfilme bekommen heute abend den Grimme-Preis, in dreien davon hat sie mitgespielt: Die Schauspielerin Nina Kunzendorf ist die Entdeckung des Fernsehjahres 2005.

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          Am Ende konnte die Jury des Grimme-Preises kaum noch glauben, daß überhaupt Filme nominiert waren, in denen Nina Kunzendorf nicht mitgespielt hat. Sechs Fernsehspiele werden heute in Marl ausgezeichnet - in drei davon ist sie zu sehen. Und für ihre Rolle in Domnik Grafs „Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel“ bekommt sie selbst die höchste Auszeichnung: einen Grimme-Preis mit Gold.

          Nina Kunzendorf ist die Entdeckung des Fernsehjahres 2005. Nicht, daß sie nicht vorher schon aufgefallen wäre: in Jo Baiers „Verlorenes Land“ oder einem „Schimanski“ von Andreas Kleinert. Aber im vergangenen Jahr war sie nicht mehr zu übersehen. In „Marias letzte Reise“, in den „Nachrichten“, im „Sperling“ - und eben im „Polizeiruf“ in der komplexen Rolle einer vergewaltigten Frau, die Probleme hat, sich in die Opferrolle zu fügen, und ihre Umwelt deshalb Probleme mit ihr.

          „Das ist nicht meins“

          Eigentlich erstaunlich, daß man trotzdem in fragende Gesichter sieht, wenn man Nina Kunzendorf erwähnt. Daß manche ihr Gesicht wiedererkennen, aber die Vierunddreißigjährige kein Star ist, ihr Name noch kein Begriff. Ihr ist das ganz recht. „Ich hatte schon immer eher das Gefühl, eine Art Geheimtip zu sein“, sagt sie. „Man kennt mich gar nicht so sehr. Das habe ich sehr genossen und hoffe eigentlich, daß das so bleibt - da fühle ich mich tausendmal wohler. Ich will nicht in allen Gazetten und Journalen, bei allen Preisverleihungen auftauchen.“ Schon beim Bayerischen Fernsehpreis war ihre größte Sorge: ob sie eine Rede halten müßte, sie, privat, ohne Rolle. „Das ist nicht meins.“ Natürlich gehöre zum Schauspielen der Narzißmus: auf einer Bühne zu stehen und angeguckt zu werden. Aber selbst am Theater (sie war in Mannheim und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg engagiert und spielt seit fünf Jahren an den Münchner Kammerspielen) habe sie das lange „eher als belastend erlebt denn als Genuß“.

          Obwohl sie längst gezeigt hat, was sie kann, wird Nina Kunzendorf mit Angeboten für Fernsehrollen nicht überflutet. „Aber die, die kommen, sind echte Glücksfälle.“ Und sie ist ein Glücksfall für diese Filme. Im „Polizeiruf“ ist sie gleichzeitig unnahbar und verletzlich, verführerisch und abstoßend, stolz und gebrochen. „Ich fand es spannend, eine Figur zu spielen, die der Zuschauer auch manchmal unsympathisch findet und nicht versteht - oder sich bei ganz bösen Gedanken erwischt wie: Wenn die sich so verhält, ist es kein Wunder, daß ihr das zustößt.“

          Oft nicht zu verstehen

          Das Außergewöhnliche an Kunzendorf ist, daß sie es schafft, ihren Rollen ein Geheimnis zu geben. Sie ist nicht nur „unnahbar“ - ein Attribut, das auf viele ihrer Rollen paßt. Sie spielt keine Typen, die sich berechnen lassen. Es bleibt ein Raum, den der Zuschauer ausfüllen muß. Wie sich diese Frau im „Polizeiruf“ verhält, ist oft nicht zu verstehen. Aber ohne große Gesten, scheinbar nur durch ihre Präsenz schafft es Kunzendorf, daß man es verstehen will. Daß man Abgründe ahnt und hinter die Fassade blicken will. Sie macht es einem schwer, auf ihrer Seite zu sein, und läßt einen um so weniger los.

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