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Harvey Keitel wird achtzig : Mit Martin Scorsese fing alles an

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Ein „lead actor“, der gerne von der Seite ins Bild kommt: Harvey Keitel. Bild: dpa

Ist das Kino des New Hollywood ohne Harvey Keitel vorstellbar? Ist es nicht. In seinen Paraderollen ging es zumeist um gebrochene Männlichkeit. Diesen Montag feiert der große Schauspieler seinen achtzigsten Geburtstag.

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          Wenn Martin Scorsese einen Film dreht, dann läuft das häufig auf ein großes Männer-Ensemble hinaus. Und so wird das auch in diesem Jahr noch einmal sein, wenn „The Irishman“ herauskommt: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci und nicht zuletzt der Schauspieler, mit dem alles begann – Harvey Keitel.

          Er ist schon seit 1967 dabei. Damals spielte er in „Who’s That Knocking at My Door“ einen jungen Italoamerikaner namens J.R., eine typische New Yorker Figur, einen unerlösten Katholiken. Das zutiefst religiös imprägnierte Feld, das sich für Keitel mit diesem Film auftat, reichte schon fast allein für eine große Karriere. Mit dem Calvinisten Paul Schrader, dem Drehbuchautor von Scorseses „Taxi Driver“, machte er „Blue Collar“, einen Arbeiterfilm, in dem Keitel seinen polnischen Wurzeln am nächsten kam. In „Bad Lieutenant“ von Abel Ferrara stellte Keitel seine gebrochene Männlichkeit in den Dienst einer eigenwilligen Christus-Allegorie. Mit einer anstößigen Masturbationsszene zeigte er, wie weit er für seine Kunst zu gehen gewillt war.

          Der 1939 in Brooklyn geborene Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer kam zu einem Zeitpunkt zum Kino, der kaum besser hätte sein können: Keitel hatte bei den beiden Größen der New Yorker Szene Schauspiel studiert, bei Stella Adler und Lee Strasberg. Nun war er bereit für mehr als die Herausforderungen des Off Broadway. Er wurde zu einem der Gesichter des New Hollywood-Kinos. Beinahe hätte er auch in einem der Höhepunkte dieser Bewegung mitgewirkt, aber die Zusammenarbeit mit Francis Ford Coppola klappte nicht: Keitel war für die Rolle des Captain Willard in „Apocalypse Now“ vorgesehen, musste dann aber für Martin Sheen zurücktreten.

          1992 richtete ein Film das ganze amerikanische Kino neu aus: In „Reservoir Dogs“ von Quentin Tarantino war Keitel Mr. White, welches der Bandenname für einen Mann namens Larry war. Einmal mehr zeigte sich hier, dass Keitel ein großartiger Ensemble-Schauspieler ist, der im Zusammenspiel aufblüht.

          Ironischerweise brachten ihm der zunehmende Ruhm und seine introvertierte, verletzliche Präsenz dann aber zunehmend Starrollen auch außerhalb Amerikas: Das Kunstkino entdeckte ihn. 1993 war er in Jane Campions Melodram „Das Piano“ zu sehen, 1995 holte Theo Angelopoulos ihn nach Griechenland, wo er in „Der Blick des Odysseus“ einen Filmemacher spielte, der die tragische Nachkriegslandschaft auf dem Balkan durchquert. Und schließlich entdeckte ihn auch Wes Anderson, woraus sich ein Brückenschlag ergab: Keitel ist in „The Grand Budapest Hotel“ ein typischer „heavy“, ein tätowierter Glatzkopf, der in einer Gefängniszelle das Sagen hat; selbst hier ist aber zu erkennen, dass er im Inneren ein feiner Kerl ist, so sehr er die Muskeln spielen lässt.

          Mit seiner Stimme kann Keitel nicht auftrumpfen. Er macht seine Präsenz auf eine andere Weise geltend, als ein „lead actor“, der gern von der Seite kommt. An diesem Montag wird Harvey Keitel, der Weltschauspieler aus Brooklyn, achtzig Jahre alt.

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