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Im Alter von nur 37 Jahren : Schauspieler Gaspard Ulliel gestorben

Gaspard Ulliel ist am 19. Januar 2022 in Grenoble an den Folgen eines Skiunfalls gestorben. Bild: Laif

Der Franzose hat schon in jungen Jahren vielschichtige und gebrochene Charaktere verkörpert, etwa den jungen Hannibal Lecter in Peter Webbers „Hannibal Rising“. Jetzt ist er an den Folgen eines Skiunfalls gestorben.

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          In Bertrand Taverniers Film spielte er den jungen Herzog von Guise, ein Mann mit Mantel und Degen und dem, was man früher Brio nannte – eine besondere Art von Charme, der leicht ins Aggressive kippte und gut zu dieser Geschichte passte, in der sich nicht nur Liebende suchten und verfehlten, sondern auch Katholiken und Hugenotten, Königsfeinde und Königstreue gegenseitig an die Gurgel gingen.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Da war Gaspard Ulliel fünfundzwanzig und schon berühmt, seit ihn Jean-Pierre Jeunet für sein Kriegsdrama „Mathilde – Eine große Liebe“ entdeckt hatte. Bei Jeunet war er der vermisste Verlobte von Audrey Tautou alias Mathilde, ein Opfer der Schützengräben des Ersten Weltkriegs und der unmenschlichen Maschinerie, die diesen Krieg am Leben erhielt, und so, wie er diesen vom Granatenschock zerstörten Jungen darstellte, hielt er den Ausgang der Geschichte genau im richtigen Gleichgewicht zwischen Tragödie und Happy-End.

          Diese Balance lernt man nicht an Schauspielschulen, sie ist eine Frage des Instinkts und der inneren Haltung. Deshalb ist es wohl kein Zufall, dass Ulliel schon in seinen Zwanzigern und frühen Dreißigern komplizierte und vielschichtige Charaktere verkörpert hat: den jungen Hannibal Lecter in Peter Webbers „Schweigen der Lämmer“-Prequel „Hannibal Rising“; den Heimkehrer Louis, der dennoch nicht mehr zu seiner Familie zurückfindet, in Xavier Dolans „Einfach das Ende der Welt“; den Modemacher Yves Saint-Laurent, der mit Drogen und Sex seine Schaffenskrise zu überwinden versucht, in Bertrand Bonellos „Saint Laurent“; oder einen undurchsichtigen Callboy, der sich das Werk eines verstorbenen Schriftstellers aneignet und in einer von Isabelle Huppert gespielten Kollegin seine Meisterin findet, in Benoît Jacquots Hadley-Chase-Verfilmung „Eva“.

          Die markante Narbe auf der linken Wange, die seinem Gesicht einen frühen Touch von Reife und Gebrochenheit verlieh, hatte Ulliel als Sechsjähriger nach der Biss-Attacke eines Dobermanns zurückbehalten. Er trug sie wie eine Auszeichnung: So konnte man ihn in jeder Rolle wiedererkennen. Seinen letzten großen Auftritt hatte er in der französischen Miniserie „Il était une seconde fois“, in der er einen Mann spielte, der durch eine Holzkiste in seine eigene Vergangenheit zurückschlüpfen kann. Ein Wiedersehen mit Gaspard Ulliel im Kino wird es nun nicht mehr geben: Am Mittwoch erlag er in Grenoble den Folgen einer Verletzung, die er bei einem Skiunfall in den französischen Alpen erlitten hatte. Er wurde nur 37 Jahre alt.

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