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Schauspieler : Der Undurchschaubare

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Anders als in seinen Filmen wirkt Christoph Bach im echten Leben kein bißchen verloren. Er ist wortgewandt, konzentriert und scheint ziemlich genau zu wissen, was er will. Momentan dreht er einen Kurzfilm unter der Regie von Franka Potente, dessen Handlung nach Woody Allen klingt: Ein moderner Mensch aus unserer Zeit (Bach) verirrt sich in ein Stummfilmszenario der Zeit kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs, in der die Menschen dramatisch mit den Augen rollen, sich über Texttafeln verständigen und natürlich vollkommen verblüfft über den Besucher aus der Neuzeit sind. Horrorelemente gibt es wohl auch, aber hauptsächlich soll es eine Komödie sein.

Danach beginnen die Proben zu dem Projekt über nichtletale Kriegsführung, „Demonen“, das im Juli beim Theater der Welt in Stuttgart Premiere hat. Im Herbst kommen „Close“ und der „Zeppelin“-Film in die Kinos. Und was mit „Detroit“ passiert, einem Film, in dem er einen Mann spielt, der auf der Reise zu einem Familienfest ein paar merkwürdige Begegnungen hat, ob der vielleicht auch noch ins Kino kommt, ist noch nicht raus.

Der deutsche de Niro

Christoph Bach trägt ein schwarzes Fred-Perry-Polohemd, eine schwarze Paul-Smith-Jacke und Turnschuhe. Er raucht Marlboro Light und redet schnell. Zwischen seine pechschwarzen Haare haben sich die ersten paar weißen gemischt. Eine Zeitung hat geschrieben, er sei die deutsche Antwort auf Robert de Niro, das Zitat steht nun auf dem Filmplakat zu „Katze im Sack“ direkt neben seinem Kopf. Und tatsächlich sieht er dem jungen de Niro auch ein wenig ähnlich, dem aus „Taxi Driver“, als er noch hübsch und zierlich war.

Und, obwohl es natürlich ungerecht ist, diesen Vergleich fortzuführen, weil Christoph Bach natürlich er selbst und Robert de Niro auch gar keine Frage ist: Auf der Leinwand hat Bach eine ähnlich intensive Präsenz. Er schaut, wo andere spielen, kann Szenen tragen, ohne ein Wort zu sagen, und hat eine Ausstrahlung, wie man sie bei deutschen Schauspielern selten gesehen hat. Eine Mischung aus Trotz und Verletzlichkeit, aus jungenhaftem Charme und internationalem Leck-mich-am-Arsch.

Spiel und Genauigkeit

Spricht man mit Leuten, die mit ihm gearbeitet haben, klingt es, als hätte man es mit einem kommenden Star zu tun. Florian Schwarz, der Regisseur von „Katze im Sack“, schwärmt von Bachs Präsenz, von seiner Fähigkeit, die innere Gefühlswelt sichtbar zu machen - „man weiß nie genau, was in ihm vorgeht, aber bei aller Unnahbarkeit macht er immer den Ballast spürbar, den er in sich trägt“.

Marcus Lenz, der Regisseur von „Close“, erzählt, wie am Filmset selbst die abgebrühtesten Filmmenschen den Atem angehalten hätten, wann immer Bach eine Szene drehte - „endlich mal ein deutscher Schauspieler, der vor der Kamera nicht viel macht und dabei aber so genau ist, daß er einen in den Bann zieht“. Und Jule Böwe, seine Filmpartnerin aus zwei Filmen, spricht von der Melancholie, von der Weichheit, die er seinen Figuren verleihe, und wenn die nach außen hin noch so hart täten. Dazu dieses „Kameragesicht“. Jedesmal, wenn sie seine Szenen auf dem Monitor gesehen habe, habe sie gedacht: „Scheiße, sieht der gut aus.“

Und Bach selbst, wie beschreibt er, was ihn als Schauspieler ausmacht?

„Ich will nicht so viel vorführen und zeigen“, sagt er. „Ich glaube, daß man sonst den Zuschauer unterschätzt. Der Zuschauer arbeitet mit, wenn er einen Film sieht, er imaginiert viel, interpretiert alles mögliche ganz von allein. Deshalb versuche ich als Schauspieler, nicht alles zu kommentieren. Ich nehme mich im Spiel so weit wie möglich zurück.“ Manchmal reicht eben auch ein Blick.

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