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Schau „Kino der Moderne“ : Im Rausch der aufgezeichneten Zeit

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Wie man zur Weimarer Zeit Gemütsbewegungen zerlegte, zeigt die „Filmstudie“ (1928) von Hans Richter Bild: Deutsche Kinemathek

In keiner anderen Zeit war die deutsche Filmindustrie einflussreicher und innovativer: Gemeinsam mit der Bundeskunsthalle Bonn widmet sich die Deutsche Kinemathek in Berlin der Weimarer Republik.

          „Im Kino gewesen. Geweint.“ Lakonisch beschreibt Franz Kafka mit diesem Tagebucheintrag die Sehnsucht, Alltagsflucht und Emotionalität, mit der die Filmschaffenden der Weimarer Republik die Zuschauer ins Kino lockten. Das Tempo ist das Grundmotiv, die Metropole Berlin mit ihren vier Millionen Einwohnern der Schauplatz und das städtische Leben der Handlungsstrang in einer Epoche, die nach den Sternen griff und im Fanal der Destruktion zerschellte. Der scheinbaren Modernität dieser Zeit setzen viele Regisseure ein cineastisches Denkmal, so auch Joe May in „Asphalt“ von 1928. Die Leuchtreklamen erhellen die Nacht. Menschen strömen in die Vergnügungspaläste. In Mays Film werden das Nachtleben und die Kriminalität auf den Straßen Berlins thematisiert, zwei Jahre, nachdem es Walther Ruttmann geschafft hat, in „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ einen Tag im Leben der Stadt auf die Leinwand zu bannen, und eines, bevor Robert Siodmak in „Menschen am Sonntag“ von 1929 das Ausflugsvergnügen der Angestelltenschicht inszeniert.

          In der Weimarer Republik entwickelt sich das Medium Film zum Kaleidoskop einer im Aufbau befindlichen Ordnung, was besonders an seinem kommerziellen Erfolg liegt. Die Zahl der Lichtspielhäuser steigt von 1918 bis 1933 auf fünftausend an, denn der Gang ins Kino wurde zum wichtigsten Freizeitvergnügen der Mittelschicht. In keiner anderen Zeit war die deutsche Filmindustrie einflussreicher und innovativer. Aus diesem Grund widmet sich die Deutsche Kinemathek in Berlin bis zum 13. Oktober dem Film der „Goldenen Zwanziger“.

          Menschen am Sonntag: Christl Ehlers, Wolfgang von Waltershausen und Brigitte Borchert um 1930

          Unter dem Titel „Kino der Moderne“ hat das Museum gemeinsam mit der Bundeskunsthalle Bonn zum hundertsten Jubiläum der Weimarer Republik eine Schau entwickelt, in der die Spannweite des Films in der Ära von 1918 bis 1933 nacherzählt wird. Über dreihundertfünfzig Exponate, darunter eigene Depotstücke sowie Leihgaben aus dem In- und Ausland, hat das Museum versammelt. Inwiefern sich Kino und gesellschaftliche Realität in der jungen Demokratie beeinflusst haben und wie das Kino zum Massenmedium werden konnte, beantwortet die Ausstellung in einer fünfundzwanzig Kapitel langen Autopsie des Weimarer Films.

          Die Frage nach der Geschlechteridentität

          Die Themensplitter reichen von Mode über Sport, von Exotismus zu Mobilität. Schon im Entree versuchen die Kuratoren die soziale Vielfalt des damaligen Deutschen Reiches anhand der Porträtfotografien von August Sander, historischen Aufnahmen aus Fotoautomaten und Schauspielerporträts abzubilden. Der anonyme Chauffeur neben Asta Nielsen. Marlene Dietrich neben einem Zimmermädchen. Weimar als Massengesellschaft. Das Kino der damaligen Zeit setzte ästhetische Trends, die bis heute das zeitgenössische Kino prägen: Das ist das Narrativ der Ausstellung. Und bis heute sei, nach Ansicht der Kuratoren, der „Weimar Touch“ Referenz für den deutschen Film, was die Serie „Babylon Berlin“ beweise.

          Die Schau versammelt eine Vielzahl einzigartiger Fotografien und Filmzeichnungen, wie die Szenenskizzen von Erich Kettelhut oder Fotografien, die Fritz Lang 1928 bei seiner New-York-Reise angefertigt hat und die ihm als Vorlage für die Großstadtszenen in „Metropolis“ gedient haben. Auch der Abschnitt „Wissenschaft“ im Film setzt auf interessante Weise Exponate ins Verhältnis und zeigt, wie Weimar die Science-Fiction inspirierte. So steht Rudolf Bellings Messingskulptur „M23“, die in ihrem minimalistischen Design einem Roboterkopf ähnelt, den Filmsequenzen über den Maschinenmenschen aus Metropolis gegenüber.

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