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Rundfunk : Der ehemalige SWF-Intendant Willibald Hilf ist tot

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Willibald Hilf Bild: AP

Der frühere langjährige Intendant des ehemaligen Südwestfunks, Willibald Hilf, ist am Sonntag im Alter von 73 Jahren gestorben. Hilf hatte wesentlichen Anteil an der Gründung des europäischen Kulturkanals Arte gehabt.

          Als Willibald Hilf Intendant in der ARD und deren Vorsitzender war, gab es im Südwesten noch zwei Sender, die zum gemeinsamen ersten Programm beitrugen und - es gab eine zweite Gründerzeit des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks, die sich im Schatten der Öffnung des Fernsehsystems für private Sender abspielte. Das Satellitenprogramm "Eins plus" wurde 1986 gestartet, woran sich heute nur wenige erinnern, da es acht Jahre später in dem mit dem ZDF gemeinsam betriebenen Kulturkanal 3sat aufging.

          Es mußte dem deutsch-französischen Kulturkanal Arte auf die Beine geholfen werden, nicht zu schweigen von der Fusionsdebatte, die während der gesamten, immerhin sechzehn Jahre, die Willibald Hilf den Südwestfunk anführte, nicht verstummte. Doch erst seinem 1993 angetretenen Nachfolger Peter Voß sollte es vergönnt sein, das Sendehaus des SWF in Baden-Baden mit dem des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart unter ein Dach zu führen, den Sendestandort Mainz nicht zu vergessen.

          Das wäre wohl auch die Krönung der Intendantenzeit von Willibald Hilf gewesen, die noch von politischen Grabenkämpfen gekennzeichnet war, wie wir sie heute entweder nicht mehr kennen oder eher selten (die letzte ZDF-Intendantenwahl ausgenommen) vorgeführt bekommen.

          Im Kampf gegen die Privaten - und Franz Alt

          Hilf war, bevor er Intendant beim Südwestfunk wurde, ein in der Wolle gefärbter Rundfunkpolitiker der CDU. 1931 als Sohn eines Einzelhandelskaufmanns in Niederlahnstein geboren, schloß er sich bereits 1948 der Jungen Union an, wurde Landtagsabgeordneter der CDU in Rheinland-Pfalz und 1969 vom damaligen Ministerpräsidenten Helmut Kohl 1969 zum Leiter der Mainzer Staatskanzlei berufen. Der Ruf, ein Zögling Kohls zu sein, hing Hilf noch lange an, nachdem er am 1. April 1977 erstmals zum Intendanten des SWF gewählt wurde - besonders als er im Sender einen Machtkampf mit dem damaligen Leiter und Moderator des Magazins "Report", Franz Alt, ausfocht, der das Fernsehen als Plattform seiner persönlichen politischen Ansichten nutzte, um es vorsichtig zu sagen.

          Da er den "einseitigen missionarischen Eifer" Alts nicht mehr ertragen wollte, setzte Hilf den Moderator zwar nicht ab, entzog ihm aber die Mittel, das Magazin nach seinem Gusto zu gestalten. Auf der großen medienpolitischen Bühne blieb Hilf derweil als Sachwalter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im täglichen Kampf gegen die Privaten aktiv, denen er einen "Gewalt- und Anschrei-Journalismus" vorwarf. Die Medienpolitik geißelte der Intendant im Laufe der Zeit immer deutlicher als allein auf Standort- und Machtfragen fixiert.

          Ernüchtert bis zur Schmerzgrenze

          Als er 1993 aus seinem Amt ging, klang er ernüchtert bis zur Schmerzgrenze. "Meine Restbestände an Masochismus sind aufgebraucht", sagte er damals im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch war das eine Haltung, die seinem Naturell an sich ganz und gar nicht entsprach. Die enge Verbindung zu Helmut Kohl, die seine Gegner immer wieder zitiert hatten, gab es zu diesem Zeitpunkt bereits lange nicht mehr.

          Und da er, sagte Willibald Hilf seinerzeit, aus keiner der politischen Parteien mehr Bewertungen zu hören bekomme, die er als Anerkennung verstehen könne, auch nicht aus seiner eigenen Partei, könne es mit der vermuteten parteilichen Einfärbung des Senders ja wohl so weit her nicht sein. Daß sich dieser stark werde verändern müssen, das ahnte Hilf ebenfalls. "In den goldenen Jahren haben wir Speck angesetzt", sagte er. An den Folgen arbeitet sein Nachfolger noch heute. Am Sonntag ist Willibald Hilf im Alter von 73 Jahren verstorben.

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