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Emmerichs „Midway“ im Kino : Das Zucken des Zufalls in der Schlacht

Im Sturzflug auf die Flugzeugträger der Japaner: Luke Evans als amerikanischer Bomberpilot in „Midway“ Bild: AP

Der deutsche Regisseur Roland Emmerich hätte mit „Midway“ das Genre des Kriegsfilms wiederbeleben können. Aber er vergibt seine Chance.

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          Betrachten wir die Sache einfach historisch. Nicht mit dem Blick des Geschichtslehrers, sondern mit dem der Kinogeschichte, in der Roland Emmerichs „Midway“ am Ende einer langen Reihe von Filmen steht, die schon 1942 beginnt, im Jahr der Seeschlacht selbst.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Damals weilte John Ford auf Einladung der amerikanischen Regierung auf dem Midway-Atoll im Pazifik, und als der japanische Angriff begann, drehte er einige berühmte Einstellungen für eine Dokumentation, die wenige Wochen später in die Kinos kam und im folgenden Jahr einen Oscar gewann. Bei Emmerich wird Ford jetzt von einem Mann namens Geoffrey Blake gespielt, der ein bisschen herumfuchtelt und -brüllt und ansonsten keine weitere Bedeutung hat. Wie das meiste in diesem Film.

          Das Drama dauerte nur eine halbe Stunde

          Die Überbietungslogik, der fast jede heutige Großproduktion folgt, hat den Erzählrahmen von „Midway“ so aufgebläht, dass er auch noch Pearl Harbor, den Doolittle Raid und die Schlacht in der Korallensee umspannt. Für das kriegsentscheidenden Duell eines amerikanischen und eines japanischen Flottenverbands am 4. Juni 1942 steht deshalb nur gut die Hälfte der zweieinviertel Stunden zur Verfügung, die „Midway“ dauert. In dieser gedrängten Form geht gerade der Zeitfaktor verloren, der die Schlacht bei Midway einzigartig macht.

          Denn das eigentliche Geschehen spielte sich an diesem Tag zwischen zehn und halb elf Uhr morgens ab, als drei japanische Flugzeugträger in Flammen aufgingen, weil ihr Befehlshaber sich verrechnet hatte. Der Film hat für das Drama dieser halben Stunde nicht genügend Zeit, weil er sich an zu vielen Fronten verzettelt. Damit vergibt er die beste Chance, hinter seine Vorgänger einen Punkt zu setzen: nicht der gewohnten Kurve von Niederlage und Revanche, sondern dem Zucken des Zufalls zu folgen; den Moment zu zeigen, in dem die Geschichte sich wendet.

          Statt dessen die übliche Mischung aus Feuerzauber und Pin-up-Patriotismus: ein Bomberpilot, der Blut hustet, aber trotzdem trifft, ein Nachrichtenoffizier, der immer das Richtige vermutet, ein amerikanischer Admiral (Woody Harrelson), der vor Kampfgeist kaum gehen kann. Und Ehefrauen, die Kaffee kochen und die Kinder ins Bett bringen, wenn Papa mal wieder die Welt retten muss. Das Kino hat mit Midway kein Glück: Schon Jack Smights Film von 1976 wirkte wie ein Abgesang auf die Klassiker des Kriegsfilms. Emmerichs Nachzügler schließt jetzt den Deckel über dem Genre: Die Zukunft gehört dem Gefleuch von Marvel und Disney.

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