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Robert Downey jr. im Gespräch : Was haben Sie sonst für Fragen? Weiter.

  • Aktualisiert am

Wer hat Lust auf eine kritische Frage? Robert Downey Jr. auf einer Pressekonferenz Bild: ASSOCIATED PRESS

Dies ist sein Jahr: Robert Downey jr., hat als „Iron Man“ Kritiker und Publikum hingerissen und spielt im Moment einen sehr komischen Part in Ben Stillers neuer Komödie „Tropic Thunder“. In Interviews kann er sehr gewitzt sein. Er kann. Dieses Gespräch mit der F.A.S. ging jedoch komplett in die Hose.

          Dies ist sein Jahr: Robert Downey jr., 43, der viele Jahre lang hauptsächlich mit Drogengeschichten und Gefängnisaufenthalten Schlagzeilen machte, ist wieder ganz oben. Als „Iron Man“ hat er Kritiker und Publikum hingerissen, im Moment ist er in Ben Stillers neuer Komödie „Tropic Thunder“ zu sehen. Er spielt darin einen von sich selbst eingenommenen australischen Starschauspieler namens Kirk Lazarus, der in einem Action-Film einen schwarzen Vietnam-Soldaten spielt und in der ehrgeizigen Hoffnung auf einen Oscar so sehr in seiner Rolle aufgeht, dass er sich dafür die Haut dunkler pigmentieren ließ und auch in Drehpausen spricht und gestikuliert wie ein Schwarzer. Beziehungsweise, wie ein Weißer denkt, dass ein Schwarzer es tut, also wie ein Soulsänger, der ständig predigt. Für einen amerikanischen Film ist das gewagt. Es ist das Gegenteil von politisch korrekt. Und es ist wahnsinnig komisch.

          Auch dieses Interview findet mal wieder in einem schicken, unterkühlten Hotelzimmer statt, diesmal ist es eines in London. Downey jr. kommt rein, murmelt hallo und stellt ein Kosmetiktäschchen auf den Tisch, aus dem er später Zigaretten nehmen wird. Es ist halb elf Uhr morgens, sein Lächeln ist müde.

          Sie balancieren in „Tropic Thunder“ auf einer hauchdünnen Linie zwischen politisch-inkorrekt-lustig und politisch-inkorrekt-rassistisch. Haben Sie gezögert, diese Rolle anzunehmen?

          Ich habe beschlossen, dem Regisseur Ben Stiller zu vertrauen, und das stellte sich als klug heraus.

          Hört auf seine Fans und antwortet nicht auf alles: Downey bei der Premiere von „Tropic Thunder”

          Wann wussten Sie, dass Sie die Rolle spielen konnten, ohne beleidigend zu sein?

          Ich wusste, dass ich die Rolle nicht spielen würde, wenn es irgendwie beleidigend wäre. Und dann war es eines Tages so wie bei „Natural Born Killers“, den ich mit Oliver Stone gedreht habe. Merkwürdigerweise habe ich da auch einen Australier gespielt, und ich habe an der Stimme gearbeitet, und plötzlich merkte ich, wie sich der Charakter durch die Stimme formte. Das war dieses Mal auch so, ich als Kirk Lazarus, der Lincoln spielt – eines Tages kam diese dicke tiefe Bassstimme durch, und ich dachte, wow, das könnte gut sein. Und Ben mochte es dann auch. Manchmal ist das so: Wenn man die Stimme hat, hat man die Figur.

          Der Film macht sich über Method Acting lustig, über Schauspieler, die vollkommen mit ihrer Rolle verschmelzen. Folgen Sie selbst einer bestimmten Methode?

          Ich glaube, jeder Schauspieler hat natürlich seine Methode. Ob das nun eine ist, die die Leute für geheimnisvoll halten und wo sie sich darüber lustig machen wollen, oder nicht. Sogar keine Methode zu haben, ist eine Methode. Ich weiß nicht, ich mache das jetzt seit fünfundzwanzig Jahren, also habe ich bestimmt meine Methoden, aber ich folge bestimmt keiner Schauspielschulenrichtung.

          Es gab Beschwerden von amerikanischen Behindertenverbänden, die sich über den massiven Gebrauch des Wortes „retard“ in „Tropic Thunder“ beschwerten. Gab es auch Beschwerden von afroamerikanischen Verbänden?

          Haben Sie welche gehört?

          Nein.

          Ja, ich auch nicht.

          Gab es eine Beschwerde von Russel Crowe?

          Russel Crowe . . . Ja, manche Leute haben diesen Vergleich gezogen, aber das ist bestimmt nichts, was ich im Kopf hatte. Nein.

          Die Kritikerin der „New York Times“ fand, dass der Film am unfreundlichsten mit Juden umgehe. Tom Cruise hätte dem jüdischen Filmproduzenten, den er spielt, unangenehme Züge verliehen.

          Ja. Es ist wie bei einer Dinner-Party – man weiß vorher nie, wer sich von wem beleidigt fühlen wird.

          Wurde viel improvisiert bei diesem Film?

          Was würden Sie denken?

          Keine Ahnung. Eher nicht, vielleicht? Ich würde denken, dass Ben Stiller jemand ist, der alles ganz genau kontrolliert.

          Nun, ein Teil von Bens Kontrolle besteht darin, auf Improvisation zu bestehen.

          Die Zeile „Ich lese nicht das Drehbuch, das Drehbuch liest mich“ – stand die im Drehbuch, oder ist die improvisiert?

          Ist improvisiert.

          Gratuliere.

          (Schweigen.)

          Robert Downey jr. lächelt inzwischen überhaupt nicht mehr. Er wirkt sehr genervt. Aber es wird gleich noch schlimmer.

          Ich habe gelesen, dass ein Film Ihres Vaters eine Inspiration für Ihre Darstellung des schwarzen Charakters war. Er hat in den sechziger Jahren bei einem Blaxploitation-Film Regie geführt, und er musste den Hauptdarsteller nachsynchronisieren, weil der oft seinen Text vergaß.

          Es war kein Blaxploitation-Film, es war ein sehr respektierter Film. Er hieß „Putney Swope“, wenn Sie interessiert sind, darüber mehr zu erfahren. Das war keine Inspiration. Es war nur so, dass er vor vierzig Jahren einen Film über einen Schwarzen gedreht hat, der eine New Yorker Anzeigenagentur übernimmt, für die damalige Zeit war das ziemlich kontrovers. Blaxploitation-Filme sind exakt das, was wir nicht machen wollten, und der Film meines Vaters, „Putney Swope“, war einer der von der Kritik am meisten gefeierten Filme des Jahres 1968.

          Ich wollte den Film Ihres Vaters nicht beleidigen – abgesehen davon halte ich Blaxploitation-Filme für Kunst. Ich hatte eben gelesen, dass es ein Blaxploitation-Film war.

          Ja, das ist das Problem heutzutage, vor allem mit Journalisten, sie kommen rein, und sie beziehen sich auf inkorrekte Quellen, als wäre das die Wahrheit, also, wie dem auch sei, ich versuche, die Dinge klarzustellen, wo immer ich kann.

          Schön. Brandon T. Jackson . . .

          Ja!

          . . . , der echte schwarze Schauspieler in „Tropical Thunder“ – wie hat er auf Ihre Darstellung eines Schwarzen reagiert?

          Er kommt von der Stand-up-Comedy und hat noch nie vorher eine große komödiantische Rolle gespielt. Ich glaube, es war für ihn eine großartige Gelegenheit, und er war glücklich, in unserem Ensemble zu sein. Er war eine großartige Quelle für uns. Nicht dass wir nicht schon vorher gewusst hätten, was funktioniert. Er hat eigentlich nur all die Sachen bestätigt, die wir sowieso schon wussten, aber so wurde er unser taktischer Experte.

          Es gibt eine Szene, wo er wirklich sauer auf Ihre Figur und die Darstellung eines Schwarzen wird. War das auch improvisiert und vielleicht echte Wut?

          Absolut nicht.

          Noch mal zu politischer Korrektheit Sie haben über den Film „Batman“ gesagt, Sie hätten ihn nicht verstanden, man brauchte wohl eine College-Ausbildung dafür. Wahrscheinlich war das ein Witz. Aber es ist nicht sehr p. c. für einen Schauspieler, einen Film, in dem er nicht mitgespielt hat, zu kritisieren. Es ist zumindest sehr unüblich.

          So. Für alle, die es interessiert – und jedes Mal, wenn ich das beantworte, druckt es dann wieder keiner –, die Wahrheit ist: Jemand hat zu mir gesagt, „Batman“ hat „Iron Man“ geschlagen, was die Zuschauerzahlen angeht, was sagen Sie dazu? Also habe ich einen Witz gemacht. Und sie haben es gedruckt, als wäre es die Wahrheit. Ich bin ein bisschen weniger naiv, als ich zu sein pflegte, was das angeht, wie die Leute Dinge aus dem Zusammenhang reißen und so weiter. Es ist nicht mehr so wie vor zwanzig Jahren, als die Dinge noch mit einer gewissen Sensibilität interpretiert wurden, heute gibt es eine Menge Ignoranz da draußen, und viele Leute bereiten sich nicht richtig vor, und viele Leute sagen, hier haben Sie dies und das gesagt, wie fühlen Sie sich damit? Ich reagiere darauf schon gar nicht mehr.

          Lesen Sie, was über Sie im Internet geschrieben wird?

          Nein. Meine Frau geht manchmal auf bestimmte Internetseiten und guckt . . . Ich bin nur verblüfft, wie positiv die Leute größtenteils sind. Aber dann auch wieder schreiben da Leute, die überhaupt keine Berechtigung haben, was immer sie wollen. Aber es ist irgendwie großartig. Ich meine, ich liebe das Informationszeitalter. Man kriegt sehr schnell Feedback.

          Der Tag, an dem Sie beschlossen, mit Drogen aufzuhören . . .

          Was haben Sie sonst noch für Fragen? Weiter.

          Ach, reden Sie nicht mehr . . .

          Hab’ ich vor fünf Jahren gemacht. Was haben Sie sonst?

          Und warum reden Sie da nicht mehr drüber?

          Das ist einfach so lange her. Es hat nichts damit zu tun, was . . .

          Weil Sie sehr viel darüber geredet haben . . .

          Vor fünf Jahren.

          Ich habe eine Oprah-Winfrey- Show mit Ihnen gesehen, da ging es um nichts anderes.

          Das ist einfach so langweilig, so vorbei. Tatsächlich sagen die meisten Leute im Internet: Wann werden sie endlich aufhören, ihn nach diesem Scheiß zu beurteilen? Beantworte diese Fragen einfach nicht mehr. Also höre ich auf sie, ich höre auf meine Fans.

          Wissen Sie, es ist manchmal echt schwierig, Interviews zu machen, weil man nie weiß, auf welche Art Fragen das Gegenüber an dem Tag wohl Lust hat . . . Ich kann auch verstehen, dass Sie unfassbar gelangweilt sind, schon wieder dieselben Fragen zu beantworten . . .

          Und doch fragen die Leute immer wieder danach.

          Wie gesagt, es war mir nicht bewusst, dass Sie darüber nicht mehr reden.

          Ist okay, was haben Sie sonst?

          Was habe ich sonst? Hm . . . „Sherlock Holmes“ . . .

          Ja!

          Regie führt Guy Ritchie, Sie spielen die Hauptrolle, die Dreharbeiten beginnen im Oktober. Steht inzwischen fest, wer Watson spielt?

          Noch nicht, nein.

          Es wird gerade noch ein anderer „Sherlock Holmes“-Film gedreht, mit Sasha Baron Cohen. Würden Sie nicht lieber da mitspielen?

          Sie meinen, wir würden dann beide Sherlock Holmes spielen? Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

          Und er hat ja recht, was für eine blöde Frage. In der Vorbereitung hatte ich Interviews mit ihm gelesen, die den Verdacht nahelegten, dass er ein interessanter, gewitzter Gesprächspartner sei. Und nun hänge ich hier mit meinen blöden, vorher zurechtgelegten Fragen und weiß auch nicht mehr, was man mit Schauspielern eigentlich reden soll. Dies, beschließe ich, ist mein letztes Interview mit einem Schauspieler. Keine Lust mehr auf: Und wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet? Wie lange dauerte es in der Maske? Wie war es, einen Mann zu küssen? Wie viel Kinder haben Sie während der Dreharbeiten in Kambodscha adoptiert? Wie haben Sie Hitler in sich gefunden? Was halten Sie persönlich vom Konzept der Blutrache?

          Es ging dann noch kurz um den Film „The Soloist“, der auch noch dieses Jahr irgendwann ins Kino kommt. Darin spielt Downey jr. neben Jamie Foxx, und er fand die Rolle nicht so leicht, weil irgendwas, was auch immer. Und dann kam endlich der Mann von der Filmfirma und gab zu verstehen, dass meine Interviewzeit um sei. Da atmeten zwei Menschen auf in dem Londoner Hotelzimmer, in dem die Temperatur in der Zwischenzeit auf deutlich unter null Grad gesunken war.

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