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„Report“-Jubiläum : Journalistische Lichtjahre

Drei Urgesteine des Reports: Jochen Waldmann, Ulrich Craemer und Franz Alt Bild: picture-alliance / dpa

Mal links, mal rechts, aber immer unberechenbar: Die Sendung „Report “ wird vierzig Jahre alt. Grund genug für eine Rückschau, aber kein Grund zum Ausruhen.

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          Diesen Montag abend gibt es im Ersten eine Premiere: Harald Schmidt moderiert das Politmagazin „Report“. Es dürfte also etwas unernster zugehen als sonst; wenn man vierzig wird, darf man ja auch schon mal über die Stränge schlagen, die Jugend ist vorbei, und besser wird es wohl nicht mehr.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Seit vierzig Jahren gibt es „Report“ beim Südwestrundfunk, vorher Südwestfunk, zuerst jahrzehntelang aus Baden-Baden und heute aus Mainz. Das ist für die Magazinmacher endlich mal ein Grund zum Feiern, zuletzt hatten sie dafür weniger Anlaß, wurde ihnen wie den anderen doch die Sendezeit von 45 auf dreißig Minuten gekürzt.

          Der dem zugrundeliegende Streit über das neue Sendeschema des Ersten fällt einem ein, wenn das Stichwort „Politmagazin“ fällt und - im Fall von „Report“ - der ewige Moderator Franz Alt. Zwanzig Jahre und 230 Sendungen lang hat er den Laden geführt. Wenn man sich eine seiner alten Moderationen ansieht, erkennt man, wie sehr sich „Report“ seither fortentwickelt hat. Zwischen der Alt-Zeit und der Neuzeit und Gegenwart dieses Magazins liegen mehr als knapp fünfzehn Jahre. Fünfzehn journalistische Lichtjahre - das trifft die Sache schon eher.

          Sitzt, stimmt und macht Spaß

          Und das wissen sie bei „Report“ selbst am besten. Das konnte man an dem historischen Rückblick in eigener Sache erkennen, der am vorvergangenen Wochenende lief. Da machten sich die Autoren Jürgen Flettner und Daniel Hechler Gedanken über die zurückliegenden Jahre; die Art und Weise, wie sie das taten, markiert den State of the Art und die Perspektive, die „Report“ auch sonst wählt.

          Das Magazin ist ausgewogen-unberechenbar. Es liefert bei jeder Ausgabe aufs neue den einzig wichtigen Grund einzuschalten: Man weiß nicht, was kommt, und wenn etwas beginnt, weiß man nicht, wie es ausgeht. Ein größerer Gegensatz zu den Jahren, in denen Franz Alt die Sendung leitete, scheint nicht denkbar: „Damals war das noch Verkündigung“, sagt Alt in der Rückblicksendung, wenig kommt sein Nachfolger und jetzige Fernsehdirektor Bernhard Nellesen zu Wort und stichelt ganz deutlich, daß die Zeiten endgültig vorbei seien, in denen ein Moderator seinen persönlichen politischen Hobbies nachgehen konnte.

          Das sitzt und stimmt und macht Spaß. Und gibt eine Geisteshaltung wieder, die zu erlangen sämtliche Politmagazine der ARD erst einmal in die Jahre kommen mußten - sich selbst zwar ernst zu nehmen, aber nicht zu überschätzen und seinen journalistischen Arbeitsansatz dort zu suchen, wo er wirklich hingehört: nicht, wie der Altherrenspruch sagt, zwischen den Stühlen, sondern dort, wo es weh tut, wo es not tut, wo sonst niemand hinschaut.

          Die historische Wahrheit

          Das war früher, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch eine Macht war, die Regierungen herausfordern konnte, schon einfacher, auch wenn sich die alten Kämpen jetzt gern auf die Schultern klopfen: Wo es klare Fronten und noch keine kommerzielle Konkurrenz und keinen Quotenschwund gibt, ist gut dicke Bretter bohren und notfalls auch gegen die Wand rennen.

          Man muß sich dabei ja nicht selbst einmauern, wie es weiland Franz Alt tat, der immer einen Standpunkt hatte, den man teilen konnte oder nicht, von dem aber stets grundsätzlich die Frage war, ob er derjenige eines Journalisten ist - zuerst bei der Jungen Union und dann so gut wie bei den Grünen, auf jeden Fall immer auf seiten derer, welche die historische Wahrheit für sich gepachtet zu haben glauben.

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