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Renée Zellweger : Aschenputtel hat Heimweh

  • -Aktualisiert am

Oscargewinnerin Renee Zellweger ist sehr wandlungsfähig ... Bild: AP

Renée Zellweger ist „Bridget Jones“. Sie hat den Oscar gewonnen und einen coolen Rocker als Freund. Aber sie vermißt den Himmel über Texas. Aus dem Leben eines amerikanischen Hollywood-Stars.

          5 Min.

          Wenn man Renée Zellweger in einer Hotelsuite gegenübersitzt, möchte man sie zwingen, den Keksteller leer zu futtern, der vor ihr auf dem Tisch steht. Oder ihr ein doppeltes Club Sandwich beim Room Service bestellen - die Club Sandwichs im Adlon sollen ja eh ganz gut sein. "Kind, iß erst mal was. Danach können wir reden."

          Aber das geht nicht. Emanzipierte Amerikanerinnen halten scheinväterliche Sorgsamkeit für "patronizing", und das Gespräch wäre zu Ende, bevor es begonnen hat. Doch Renée Zellweger ist mitleiderregend schlank. In einem knielangen, schwarzen Kleid sitzt sie da auf einer roten Couch, die Beine übereinandergeschlagen. Unter der Haut ihres rechten Schienbeines schimmern Adern so blau, als wollten sie sich für die Aufnahmen in einen Anatomie-Atlas empfehlen. Vielleicht hat sie gerade die Kühlräume des Hotels besichtigt. Sie hat schneewittchenweiße Haut, ihre Augenbrauen schwingen sich in zwei dünnen schwarzen Bögen kühn in die Stirn. Ihre Haare sind pechschwarz. Diese Frau sieht aus, als hätte sie gerade Calista Flockhart in einer neuen Staffel von "Ally McBeal" ersetzt. Und nicht wie jemand, der zweimal "Bridget Jones" dargestellt hat.

          Wandlungsfähige Texanerin

          Denn jetzt ist sie 13 Kilo, eine Filmproduktion und mehrere Tuben Haartönung entfernt von dem garderobengeschmacklich überforderten britischen Beziehungs-Trampeltier, das sie in dem Film mimt. "Die Frisur ist noch ein Relikt von den Dreharbeiten zu ,Cinderella Man''', erläutert sie. Aschenputtel also - und nicht Schneewittchen. Diesen Film hat sie gerade abgedreht, er kommt im nächsten Sommer in die Kinos. Zellweger spielt an der Seite von Russell Crowe die Ehefrau des Boxers Jim Braddock, der 1935 als völliger Außenseiter überraschend Schwergewichts-Weltmeister wurde. "Irgendwie habe ich mich an die Haarfarbe gewöhnt - inzwischen gefällt sie mir sogar", sagt sie. Wenn man ihr holpernd schmeichelt, daß ihr schwarz ganz gut stehe, strahlt sie und sagt "Oh, thank you" mit besonders hohem und lang gezogenen "änk". Sie klingt in natura eher wie "Nurse Betty" - die Titelrolle dieser leicht wahnsinnigen Serviertochter, die eine Krankenhaus-Seifenoper mit der Wirklichkeit verwechselt, spielte sie vor vier Jahren in dem Film von Neil LaBute.

          Oscargewinnerin Renee Zellweger ist sehr wandlungsfähig ... Bilderstrecke

          Renée Zellweger ist 35 Jahre alt und scheint sich etwas Mädchenhaftes bewahrt zu haben. Sicher sein kann man sich da nicht, denn sie spielt einfach sehr gut. Und vielleicht gefällt sie sich heute einfach in der Rolle des zierlichen, mädchenhaften Wesens, das sich beim Sprechen pausenlos die Fingerspitzen knetet, als hätte sie Grund, nervös zu sein. Im März gewann sie einen Oscar für ihre Rolle als kräftig zupackendes Landei in der amerikanischen Bürgerkriegs-Schmonzette "Cold Mountain". An diese Figur erinnert sie leibhaftig genausowenig wie an Bridget Jones. Es gibt nicht wenige Schauspieler, die immer nur sich selbst spielen, Renée Zellweger scheint laufend eine andere zu sein. Was den Casting-Agenten geritten haben mag, eine zierliche Texanerin für die Rolle einer schokoladensüchtigen Engländerin zu besetzen? Wahrscheinlich die Ahnung, daß diese Frau alles und niemand sein kann.

          Authentisieren und implementieren

          Für den ersten Bridget-Jones- Film hat Renée Zellweger sechs Wochen lang in einem Londoner Verlagshaus gejobbt, bis sie sprach, ging und aussah wie eine übergewichtige englische Verlagsangestellte ohne Sexleben. Fragt man sie, wie man binnen einiger Wochen so stark zu- und dann wieder abnehmen kann (und das nun schon zum zweiten Mal), dann verzieht sie merkbar genervt das schmale Gesicht: "Ich muß da etwas klarstellen. Die Leute fragen immer danach, wie ich Gewicht zulegte oder verlor. Das ist aber nicht, was ich gemacht habe, sondern: Ich habe die Figur authentisiert."

          Sie sagt wirklich "authentisiert". Und weiter: "Dazu muß Bridget aussehen, wie Helen Fielding sie im Buch beschreibt. Ich mußte eine Lebensweise darstellen, die sich von meiner total unterscheidet. Das war alles ziemlich langweilig und technisch. Ich hatte einen Ernährungsberater, der sagte: Um so auszusehen, müssen wir diese Diät implementieren. Also implementierten wir diese Diät." Authentisieren, implementieren - alles sehr technisch. Das Gespräch mit Renée Zellweger klingt jetzt wie die Power-Point-Präsentation einer Consulting Firma. "Ich dachte nicht: Toll, ich kann endlich soviele Donuts essen wie ich will. Das war ein Job, und das Essen war Teil einer größeren Aufgabe, genauso wie Dialekt-Trainig oder Kostümproben." Die Aufgabe hat sie mit dem ihr eigenen Perfektionismus erfüllt. "Ich erzwinge nichts", sagt sie, "ich mache einfach das, was notwendig ist."

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