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Regisseurin Laura Poitras : Die Kamera wird Whistleblower

  • -Aktualisiert am
Arbeitet angeblich mit Poitras: Julian Assange
Arbeitet angeblich mit Poitras: Julian Assange : Bild: AFP

Diese Methode behielt sie auch bei „The Oath“ im Wesentlichen bei, wobei sie für diesen Film so häufig in den Jemen reisen musste, dass sie schon aus diesem Grund die Aufmerksamkeit der Grenzbehörden in Amerika auf sich gezogen hätte. Mit „The Oath“ wurde deutlich, dass das größere Projekt von Poitras eine kritische Geschichte der amerikanischen Reaktion auf die Anschläge des 11. September 2001 ist. Nationale Sicherheit innerhalb wie außerhalb der Grenzen des Landes hat sie zu ihrem großen Thema gemacht. In ihrem zweiten Film fand sie eine Figur, die genau wie sie eine Position zwischen den Fronten einnahm: Abu Sandal, ein ehemaliger Chauffeur von Usama bin Ladin, reuiger Dschihadist, Cousin eines prominenten Guantánamo-Häftlings. Mit dem im Titel genannten Eid hat es eine doppelte Bewandtnis: Poitras spielt damit sowohl auf das Gelöbnis der Gotteskämpfer an, die den Vereinigten Staaten Feindschaft schworen, als auch darauf, dass nach ihrer und vieler anderer Meinung Politiker wie George W. Bush oder Donald Rumsfeld ihren Eid auf die amerikanische Verfassung gebrochen hatten.

Dass sie nun also an einem Film über Überwachungszusammenhänge arbeitet, hat eine große Folgerichtigkeit und wird von ihr selbst auch ausdrücklich als Teil einer Trilogie über den „War on terror“ begriffen. Ein knapp zehnminütiger Beitrag, den sie vor einem Jahr für die „New York Times“ produzierte, gibt einen Eindruck davon, worauf sie hinauswill: Sie brachte damals William Binney, eine Auskunftsperson über das Überwachungsprogramm „Stellar Winds“, mit Daniel Ellsberg zusammen, dem legendären Enthüller der „Pentagon Papers“ über den Vietnam-Krieg. Binney sprach damals davon, dass Spionagetechniken, an deren Entwicklung er beteiligt gewesen war, nun gegen die amerikanischen Bürger verwendet würden.

Zu den Voraussetzungen der Arbeit von Laura Poitras gehört, dass sie kaum etwas darüber verlauten lässt. Schutz der Quellen ist oberstes Gebot. Deswegen ist über die genauen Umstände ihres neuen Projekts nicht allzu viel bekannt, abgesehen davon, dass angeblich Julian Assange mit ihr zusammenarbeitet. Für Alex Gibneys Film „We Steal Secrets“, der heute in Deutschland anläuft, hatte Assange nicht zur Verfügung gestanden, er wollte zu viel Geld für ein Interview. Bei den Budgets, mit denen Poitras arbeitet, wäre es überraschend, wenn sie Assange Geld geboten hätte.

Edward Snowden wird in dem Film mit Sicherheit prominent firmieren, wobei seine Rolle auch von Zweideutigkeiten umgeben ist. Denn es steht zumindest die Möglichkeit im Raum, dass Snowden seine Arbeit bei der Firma Booz Allen auf Hawaii in Absprache mit Poitras angenommen hat, mit der er zu dem Zeitpunkt, da er sich bewarb, bereits in Kontakt stand. Poitras hat in einem Interview zurückgewiesen, dass sie auf Snowden eingewirkt habe; in jedem Fall ist sein Status als „Quelle“ von den Details dieser Angelegenheit betroffen.

Wie auch immer die genauen Umstände sind, Laura Poitras arbeitet mit dem ihr eigenen „low profile“ an einem Film, zu dem das politische Zeitgeschehen derzeit täglich neues Material liefert. Aus ihren Erfahrungen bei den Reisen in ihr Heimatland hat sie inzwischen eine Konsequenz gezogen: Sie lebt außer Landes - ein Schicksal, mit dem auch Snowden gut leben könnte, der vermutlich schon froh wäre, wenn er irgendein Land hätte, das ihn aus seiner Vogelfreiheit erlöste. Aus beiden Fällen ist jedenfalls sehr gut ersichtlich, was es für die bürgerlichen und politischen Freiheiten bedeuten kann, wenn man den Argwohn eines nach Allwissenheit strebenden Staates auf sich zieht.

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