https://www.faz.net/-gqz-7yn2y

Zigaretten in Filmen : Verboten sei, was dem Volk schadet

Zigaretten sind manchmal einfach das Wichtigste: Szene aus „La Grande Bellezza“ von Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino Bild: Gianni Fiorito

Zur dolce vita gehören Sonnenschein, Vespas und Zigaretten. Diesen Eindruck vermittelt der italienische Film zumindest hartnäckig. Jetzt soll sich das ändern – und die Pläne sind noch erweiterbar.

          1 Min.

          Dass sich in Italien überhaupt jemand um das 2005 eingeführte Rauchverbot schert, überraschte den Rest Europas. Die verrauchten Cafés, in denen immer dieselben älteren Herren rauchend und je nach Tageszeit mit Espressi oder Ramazotti am Tresen standen, sind nun tatsächlich eine absolute Seltenheit geworden. Die Herzinfarktquote sank deutlich. Das Gesetz gilt als eines der wenigen erfolgreichen aus der Berlusconi-Ära.

          Dieser Erfolg hat offenbar die aktuelle Regierung inspiriert, es mit einer Erweiterung zu versuchen: So soll in Autos nicht mehr geraucht werden dürfen, wenn Kinder an Bord sind. Darüber hinaus erwägt das Gesundheitsministerium, Zigaretten auch in Filmen und Fernsehserien zu verbieten. Der Aufschrei in der Branche ist groß: Eine solche Beschränkung der künstlerischen Freiheit kenne man nur aus religiösen Staaten, schrieben Filmemacher in „La Repubblica“. Auch der Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino gehörte zu den Unterzeichnern. Die Kunst müsse frei bleiben und habe nicht die Aufgabe, die Zuschauer zu erziehen.

          Ein Füllhorn voller Möglichkeiten

          Wenn sich das Gesundheitsministerium mit seinen Vorschlägen trotzdem durchsetzt, ist der Weg frei für Vorstöße aus anderen Ländern. Die Regierungen sollten sich fragen: Was ist für die Filme unseres Landes essentiell, schadet aber der Bevölkerung? Dann könnte Finnland das sinnlose Grübeln auf großer Leinwand verbieten. Frankreich würde keine Szenen mehr erlauben, in denen Menschen ohne Schirm durch den Regen laufen oder gar darin stehen bleiben, um einander zu küssen. Die Vereinigten Staaten entfernten umstandslos spritfressende Riesenkarren aus all den Roadmovies, und in Indien würde es Zeit, jenen Tanzszenen auf den Straßen Einhalt zu gebieten, die den Verkehr in den ohnehin schon überfüllten Städten für Stunden lahmlegen.

          Und Deutschland? Könnte Auftritte von Til Schweiger verbieten. Das ist argumentativ natürlich überhaupt nicht gedeckt. Aber man muss ja auch mal die Möglichkeiten aufzeigen.

          Weitere Themen

          Filmkomponist Ennio Morricone verstorben Video-Seite öffnen

          Spiel mir das Lied vom Tod : Filmkomponist Ennio Morricone verstorben

          Die italienische Filmmusik-Legende Ennio Morricone ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren in einer Klinik in Rom. Morricone gilt als einer der größten Komponisten der Filmgeschichte. Berühmt wurde er unter anderem mit Titelmelodien den Kultfilm „Spiel mir das Lied vom Tod“.

          Hilft viel auch viel?

          Londons Kultur-Rettungspaket : Hilft viel auch viel?

          Londons Rettungspaket für die Kultur übertrifft die Erwartungen der Branche. Trotzdem kann es bloß Erste Hilfe leisten – zumal unklar ist, wann und wie Konzertsäle und Theater wieder öffnen. Für einige Organisationen kommt die Rettung indes zu spät.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.