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Rassismus im deutschen Fußball : Worauf genau sollen sie stolz sein?

Erwin Kostedde (zweiter von rechts), der erste schwarze Spieler in der deutschen Nationalmannschaft, 1975 vor der Partie gegen Griechenland Bild: imago

Schwarze Menschen können im Fußball zu Stars werden und dennoch Opfer von Diskriminierung sein: Torsten Körners eindringlicher Film „Schwarze Adler“.

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          Es ist keine Neuigkeit, dass alte Fernsehwerbung uns oft merkwürdig anschaut, weil die befremdliche Ideologie von damals, die wir kaum noch erkennen, aus allen Fugen quillt. Aber dass ein Dokumentarfilm über Kinder deutscher Mütter und schwarzer Soldaten der US Army das Bleiberecht der Kleinen allen Ernstes in Frage stellte, ist dann doch – wir schreiben das Jahr 1957 – eine besondere historische Nachhilfestunde. Ob sie das dunkelhäutige Kind wirklich bei sich behalten wolle, wird eine junge, offenbar mittellose Mutter in dem Film „Toxi lebt anders“ gefragt. Ja, sagt die Mutter, und sie sagt es trotzig und etwas verloren. Der Interviewer sieht da leider nur Beschwernis voraus. Was das Kind später in Deutschland mal machen solle, fragt er. Und jeder Zuschauer wusste, was gemeint war: mit dieser Hautfarbe? O-Ton: „Das Kind kann doch nicht zum Zirkus gehen!“ Der Interviewer schlägt begütigend Adoption vor. Die Mutter, der Verzweiflung nahe, schüttelt den Kopf. Sie weiß nur eins: Sie will ihr Kind behalten und aufziehen.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Die Fußballer Erwin Kostedde, Jahrgang 1946, und Jimmy Hartwig, acht Jahre jünger, waren solche Kinder. Kostedde von Kickers Offenbach war der erste dunkelhäutige Spieler, der es bis in die deutsche Fußballnationalmannschaft schaffte, Jimmy Hartwig (HSV) einer der markanten Bundesligastars der Achtziger. Kostedde erzählt, er habe bei seinen drei Länderspielen mit dem Druck nicht umgehen können, habe gespielt „wie ein Eimer Wasser“. Hartwig wiederum, ein witziger, selbstbewusster Mann, stellte die Frage nach der Unsichtbarkeit schwarzer Menschen in der höchsten weißen Fußballgesellschaft im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF öffentlich, und wenn man sich die Szene noch einmal ansieht, ist man versucht, darin einen der wenigen Wahrheitsmomente zu erkennen, zu denen Fernsehen fähig ist: „Ich bin ausgezeichnet worden als einer der besten Mittelfeldspieler in Europa und habe keine Nationalmannschaft gespielt“, sagt Hartwig dem Moderator in ruhigem Ton. „Jetzt frage ich Sie: An was liegt das? Hätte ich mir die Haare färben sollen, Kontaktlinsen einsetzen sollen?“

          Dies bleibt einer der mutigsten Sätze in Torsten Körners Hundertminuten-Film „Schwarze Adler“, der von morgen an auf Amazon Prime gestreamt werden kann und im Juni auch im ZDF gesendet wird. Denn die meisten Erfahrungen der Fußballerinnen und Fußballer, die nach Kostedde kamen – von Soulemane Sané bis Anthony Baffoe und Anthony Yeboah, von Steffi Jones bis Otto Addo, Patrick Owomoyela, Cacau und Gerald Asamoah – handeln von Scham, Zurücksetzung und rassistischer Verhöhnung. Aber es ist nicht ein solcher Film. Es gibt kein Gejammer, keine Anklage und keine Polemik. Sondern vor allem Nachdenklichkeit, wie das so ist bei schweren Erinnerungen, ein paar Tränen und im Hintergrund zwei Takte des Deutschlandlieds auf einem Soloinstrument. „Schwarze Adler“ erzählt mit den Stimmen von vierzehn Akteuren, was unser Land einmal war und teils immer noch ist: eine Gesellschaft, die sich als weiß begreift, dies überwältigend klar macht und Menschen anderer Hautfarbe nur widerwillig Platz darin einräumt. Wenn überhaupt.

          Der größte Idiotenchor der Welt

          Manche konnten das Angestarrtwerden in Kampfenergie verwandeln. Guy Acolatse vom FC St. Pauli, ein schneller und technisch versierter Stürmer, bekam vom Präsidenten hundert Mark extra, weil er der Publikumsmagnet war, und spielte in den sechziger Jahren den gutgelaunten Exoten. „Die Leute haben mich angesehen“, sagt Acolatse, „als würde ich sie gleich fressen.“ Andere wie der junge Jordan Torunarigah erinnern sich an das N-Wort, an Affengeräusche und auf den Platz segelnde Bananen. Es war der schlagfertige Jimmy Hartwig, der in den frühen achtziger Jahren zu den Fans des FC Bayern ging, die ihn von den Rängen aus beschimpften, und ihnen lächelnd, wie ein Dirigent, den Takt ihrer Schmähgesänge vorgab, eine geniale Umwertung der Szene, wie sie wenigen gelang. Und Hartwig lacht noch heute darüber: „Ich hab den größten Idiotenchor der Welt dirigiert.“

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