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Doku zu Rassismus in Amerika : Wenn es brennt

  • -Aktualisiert am

Dokumentarfilmer Roberto Minervini gewährt Einblicke in das Leben von Barbesitzerin Judy Hill aus New Orleans. Bild: Grandfilm

In „What You Gonna Do When The World’s On Fire“ zeigt der Dokumentarfilmer Roberto Minervini das Leben einer Barbesitzerin aus New Orleans. Danach weiß man mehr über Amerika als nach hundert Stunden Breaking News.

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          Die Bar Ooh Poo Pah Doo im Herzen von New Orleans musste leider schließen. Mit zwölfhundert Dollar pro Monat war die Miete eigentlich gar nicht so hoch, und woran es genau lag, dass die Betreiberin Judy Hill ihren Lebenstraum nicht auf Dauer verwirklichen konnte, wird nie ganz klar in Roberto Minervinis Dokumentarfilm „What You Gonna Do When The World’s On Fire“. Judy Hill ist darin die wichtigste Figur, sie fungiert in den Credits einfach als „the woman“. Eine Stellvertreterin für das schwarze Amerika im Süden, mit dem Minervini sich beschäftigt.

          Ein Reporter würde an dieser Stelle die normalen Recherchefragen stellen: Wurde die Miete erhöht? Haben Sie rechtzeitig bezahlt? Was wurde als Kündigungsgrund angegeben? Minervini aber hört nur zu, er hakt nicht nach, auch dann nicht, wenn sich dadurch das Geschehen nur so erschließt, wie es Menschen beim Blick auf das eigene Leben halt wahrnehmen: eingeschränkt durch vielfältige äußere Umstände und innere Prägungen.

          Judy Hill hat viel mitgemacht, das wird an einer anderen Stelle des Films deutlich, an der sie von sexuellem Missbrauch spricht, von schwierigen Männerbeziehungen, von ihrer Drogensucht, die sie überwunden hat. „I was shakin’ like a 57 Chevy“, beschreibt sie ihren Entzug in einem Bild, in dem sich auch ihre gegenwärtigen Realitäten spiegeln. Denn der Unterschied zwischen einem klapprigen gebrauchten Auto und einem glänzenden neuen hat in New Orleans oft mit Wohlstandsfaktoren zu tun, die entlang der Grenzen von „race“ verteilt sind. Der Begriff ist in „What You Gonna Do When the World’s On Fire“ nicht nur konstitutiv, er wird auch eigens erörtert. Man kann Menschen nach „Rasse“ oder nach Hautfarbe unterscheiden. Da finden sich dann alle möglichen Abstufungen von „karamell“ bis „schwarz“, aber darauf kommt es nicht an. „Race“, das ist allen bewusst, zielt auf eine Trennung aus – falschem – Prinzip.

          Schwarze Community in New Orleans

          Minervini behält diese Trennung bei, aber bei ihm ist die Motivation nicht rassistisch, sondern augenöffnend. Man sieht in seinem Film, abgesehen von ein paar weißen Polizisten, nur Afroamerikaner. Er erzählt von Judy Hill, ihrer Mutter Dorothy, von den Brüdern Ronaldo und Titus, die durch die Gegend streunen und beim Anblick von Zügen von einer Flucht nach Florida träumen, von der Mutter der beiden, die ihnen ins Gewissen redet, dass sie ihre schulischen Pflichten nicht vernachlässigen sollen. „I need you pickin’ up no bad habits.“ Der Ton, die Konzentration auf das Idiom, ist für den Film zentral. Eine Gruppe der New Black Panther Party geht von Haustür zu Haustür, um Aufklärung zu finden über ein Verbrechen, denn sie trauen der Polizei nicht. Minervini zeigt Menschen aus der schwarzen Community als „Volk“: „We was fuckin’ doomed a long time ago as black people.“

          Dieser Begriff wird allerdings auch gleich zu Beginn des Films problematisch, denn da sieht man Vorbereitungen für Mardi Gras. Eins der Kostüme stellt einen „Indianerhäuptling“ dar, also einen Vertreter eines anderen „Volkes“ oder einer „Nation“, in die sich die amerikanische Bevölkerung nach verschiedenen Logiken und historischen Erfahrungen unterteilt. Die Weißen, sagt jemand, unterscheiden sich dadurch, dass sie ihre Macht nicht einfordern müssen. „They don’t have to say: White Power. They legislate.“

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