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Quentin Tarantinos Buch : Der Mann, der zu viel weiß

Quentin Tarantino im Jahr 2019 in Cannes, wo „Once Upon a Time ... in Hollywood“ uraufgeführt wurde. Bild: Laif

Quentin Tarantino hat seinen ersten Roman geschrieben. Er beruht auf seinem letzten Film „Es war einmal in Hollywood“. Ein Roman zum eigenen Film, muss das sein?

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          Romane haben schon einige Filmregisseure geschrieben. John Sayles, Michael Cimino, Gus van Sant, Neil Jordan, Elia Kazan oder David Cronenberg, um nur ein paar zu nennen. Auch Romanfassungen von Filmen, sogenannte „Novelizations“, gibt es schon lange, vor allem aus der Zeit, bevor Videorekorder und DVD-Player Bilder ins Heimkino brachten und für Director’s Cut und Zusatzmaterialien sorgten. Neu ist allerdings, dass ein Regisseur und Drehbuchautor auch noch den Roman zu seinem eigenen Film schreibt.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Aber es ist ja auch Quentin Tarantino, der dieses Subgenre liebt seit den Taschenbüchern seiner Jugend in den siebziger Jahren und deshalb „Once Upon a Time ... in Hollywood“ in einen Roman verwandelt, der anders heißt als der Film vor zwei Jahren in deutschen Kinos: „Es war einmal in Hollywood“.

          Natürlich erzählt er jetzt nicht einfach die Geschichte vom abgehalfterten Westernstar Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), dessen Stuntman und Freund Cliff Booth (Brad Pitt) und dem Mord der Manson Family an der Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie) und deren Gästen nach; oder ergänzt sie nur um ein paar Szenen an, die er gedreht und dann doch nicht verwendet hat.

          Die Story komplett neu gedacht

          Es handle sich um ein „komplettes Überdenken der ganzen Story“, hat Tarantino in einem Podcast gesagt, das Buch sei „die unhandliche Version des Films“, wogegen man sonst aus „sperrigen Romanen“ handliche Filme mache.

          Unnötig zu sagen, dass Tarantino nicht „sperrig“ schreibt, das weiß man aus den Dialogen seiner Filme, die sich auch auf dem Papier bestens lesen. Er schreibt eine klare, lässige, aber nicht zu slangdurchwirkte Prosa. Und dass die männlichen Figuren den zeit- und milieutypischen Machismo in Wort und Tat pflegen, sollte niemanden ernstlich wundern.

          Die Story wird im Präsens erzählt, aber weil es eine Menge Vor- und Rückblenden gibt, wechselt nicht nur das Tempus, sondern es wird auch ein allwissender Erzähler installiert, was für einen Regisseur, der gewohnt ist, alle Fäden in der Hand zu halten, wohl eine naheliegende Option ist.

          Brad Pitt, Quentin Tarantino,  Margot Robbie und Leonardo DiCaprio bei der Premiere von „Once Upon a Time in... Hollywood’ in Berlin.
          Brad Pitt, Quentin Tarantino, Margot Robbie und Leonardo DiCaprio bei der Premiere von „Once Upon a Time in... Hollywood’ in Berlin. : Bild: EPA

          Weil dieser Erzähler nun alles weiß, möchte er auch viel mitteilen und macht aus dem Buch einen Parcours der Abschweifungen und Exkurse. Fast könnte man übersehen, dass der Kern der Handlung nur an zwei Tagen im Februar 1969 spielt.

          Parcours der Abschweifungen

          Er beginnt ein wenig zäh mit Daltons Termin bei seinem Agenten, der auch nicht bei „Musso & Frank“ stattfindet, sondern im Büro. Dass man all die herrlichen B-Movies nicht sieht, über die geredet wird und in denen Dalton mitgespielt hat, fördert nicht unbedingt den Lesefluss - wie überhaupt das Faible für alle möglichen Listen und Aufzählungen von Popsongs, Produkten, Serien, Filmen oder Biersorten etwas eintönig werden kann.

          Tarantinos „Überdenken“ besteht zunächst darin, seine Hauptfiguren mit mehr Hintergrund auszustatten. Vor allem Cliff, der coole, maulfaule „Laufbursche“ von Rick Dalton, bekommt sehr scharfe Konturen: als Kriegsheld und als dreifacher Mörder, womit die Andeutung im Film, er habe seine Frau umgebracht, blutige Wahrheit wird.

          Hingebungsvoll widmet Tarantino dann ganze Kapitel „Lancer“, der realen Westernserie, in die er nicht nur eine Rolle für Dalton hineingeschrieben hat. Dieser kreative Umgang mit vorhandenen wie nicht existierenden Materialien zeigt sich auch in Daltons Filmografie, in der diejenigen Filme am verlockendsten klingen, die es gar nicht gibt.

          Mehr Hintergrund für die Charaktere

          Tarantino hat sogar, wie zu lesen war, fünf Folgen der Serie „Bounty Law“ geschrieben, in der Dalton in den fünfziger Jahren zum Star wurde, bevor er glaubte, er könne es auch auf der großen Leinwand schaffen. Vermutlich wird man, unter der Regie von Tarantino, eine Staffel von „Bounty Law“ demnächst als Vintage-Westernserie auf einem der großen Streamingportale sehen.

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