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Doris Day auf der „Queen Elizabeth“ in Southampton, 1955 Bild: dpa

Zum Tod von Doris Day : Am besten war sie schäumend vor Zorn

Niemand regte sich so hinreißend auf wie sie: Doris Day eroberte mit ihrem Temperament Hollywood, ehe sie sich dem Tierschutz widmete. Jetzt ist die Schauspielerin gestorben.

          Das klassische Heimchen am Herd sei sie gewesen, die Sauberfrau, schön, aber nicht sexy: Diese Worte fallen, wo immer man über Doris Day liest. Sie gelten als Erklärung, warum ihre Karriere als Schauspielerin Ende der Sechziger vorbeiging. Damals war etwas mehr Freizügigkeit gefragt, und das war mit ihr nicht zu machen – auch wenn es verschiedene Versionen darüber gibt, ob sie die Rolle als Mrs. Robinson in „Die Reifeprüfung“ (1967) selbst ablehnte, weil sie sich nicht vor der Kamera ausziehen wollte, oder ob ihr Manager ihr das Angebot wohlweislich gar nicht erst weiterreichte.

          Doris Day war keine Verführerin, so viel ist richtig. Aber sie brauchte keine Erotik für ihre Schauspielkunst. Sie hatte ihre anmutige Gesangsstimme und ein enormes komödiantisches Talent, mit dem sie auch mittellustige Drehbücher wie das zu „Ein Pyjama für zwei“ (1961) rettete. Und sie beherrschte nicht nur das seichte Fach, wie ihre Darstellungen in Thrillern wie „Mitternachtsspitzen“ (1960) zeigen. Allerdings waren diese Filme für sie selbst zu viel: In „Mitternachtsspitzen“ spielt sie eine frisch verheiratete Frau, die ständig Morddrohungen via Telefon bekommt und darüber völlig verzweifelt. Ihre nackte Angst ist kaum mit anzusehen. Tatsächlich erlitt Doris Day während der Dreharbeiten nach einer Szene einen Zusammenbruch, dessentwegen die Produktion für einige Tage gestoppt werden musste.

          Danach drehte sie nur noch Komödien. Damit fühlte sich Doris Mary Ann von Kappelhoff am wohlsten, die Enkelin deutscher Einwanderer aus dem Odenwald, die in ihrer Geburtsstadt Cincinnati, Ohio, schon früh beschlossen hatte, was aus ihr werden sollte: Tänzerin. Ein schwerer Autounfall beendete diese Karriere, ehe sie beginnen konnte. Deshalb nahm die junge Doris Gesangsunterricht und trat mit siebzehn Jahren erstmals im Rundfunk auf. Sie tourte mit Jazz-Bands und legte ihren für Amerikaner kaum auszusprechenden Namen ab. Doris Day, das klang so eingängig wie ihre Stimme. Ihr hatte sie 1956 die Rolle in Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zu viel wusste“ (1956) zu verdanken: Das Studio wollte unbedingt, dass sie im Film sang. Doris Day fand das Lied kindisch und lenkte schließlich trotzdem ein. „Que Sera, Sera“ gewann den Oscar als bester Song und bescherte ihr einen Chart-Erfolg.

          Zur amerikanischen Traumfrau machten sie jedoch vor allem die Komödien. Die besten davon entstanden in kurzer Folge und zeigten sie häufig an der Seite von Rock Hudson, etwa „Bettgeflüster“ (1959) und „Ein Pyjama für zwei“ – darin spielte sie eine toughe Werberin, die sich um keinen Preis von ihrem Konkurrenten austricksen lassen will. Das war geradezu progressiv für diese Zeit, aber die Dialoge lassen es an Witz vermissen. Ganz anders ist es beim Meisterwerk „Ein Hauch von Nerz“ (1962) mit Cary Grant, in dem sie sich auf ein Bratkartoffelverhältnis mit einem reichen Geschäftsmann einlässt, das natürlich nicht lange ein solches bleibt. Denn sowohl die Zuschauer als auch der Mann ihrer Träume verlieben sich unsterblich in sie, als sie beim Baseballspiel auf der Reservebank zwischen den Yankee-Spielern Roger Maris, Mickey Mantle und Yogi Berra sitzt und den Schiedsrichter anbrüllt, bis der die Geduld verliert und sämtliche Spieler disqualifiziert, weil sie ihrer Meinung sind.

          The Lady Is a Tramp: Doris Day mit Cary Grant und Yankee-Spielern in „Ein Hauch von Nerz“ (1962)

          Niemand regte sich so hinreißend auf wie Doris Day, und niemand konnte so hingebungsvoll schauen, wenn im Hintergrund die Geigen spielten. Dieser Glanz ist kaum verblasst, obwohl sie seit fünfzig Jahren nicht mehr im Kino zu sehen war. Im kalifornischen Carmel gründete sie eine Stiftung für Haustiere in Not und lebte selbst mit einer Menagerie von Hunden und Katzen. Für den Tierschutz konnte sie ihr Temperament sicher ebenso gut gebrauchen wie für den Film. 2011 veröffentlichte sie „My Heart“, ein Album mit alten, aber unveröffentlichten Liedern. Jetzt ist Doris Day im Alter von siebenundneunzig Jahren gestorben. Sie hinterlässt grandiose Filme und den Beweis, dass man sich nicht unentwegt in Erinnerung bringen muss, um unvergessen zu bleiben.

          Doris Day auf dem New Yorker Times Sqaure 1958 Bilderstrecke

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