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Premiere-Chef : Georg Kofler hat sich verzockt

Hat hoch gepokert: Premiere-Chef Kofler Bild: dpa/dpaweb

In einer Nacht hat Georg Kofler alles verloren. Er sagt zwar, er habe sich „nicht verzockt“. Doch hat er hoch gepokert; und er hat mehr verloren als die Senderechte an der Bundesliga. Sein Lebenswerk steht auf dem Spiel.

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          In einer Nacht hat Georg Kofler alles verloren. Er sagt zwar, er habe sich „nicht verzockt“. Doch hat er hoch gepokert; und er hat mehr verloren als die Senderechte an der Bundesliga. Sein Lebenswerk steht auf dem Spiel, das darin besteht, daß er aus dem einst maroden Abosender Premiere, dem in der Branche kaum jemand eine Chance gab, durch einen erfolgreichen Börsengang ein florierendes Unternehmen machte, mit besten Zukunftsperspektiven.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Diese Perspektiven haben sich auf einen Schlag verdüstert, der Kurs der Premiere-Aktie brach über den Nachmittag ins Bodenlose ein, Analysten meinten, es sei fraglich, ob es Premiere ohne die Bundesliga überhaupt geben könne. Und wie es scheint, hat der Senderchef Georg Kofler, der die Verhandlungen um die Fußballrechte mit der Deutschen Fußball-Liga zuletzt ganz allein führte, sich dies selbst zuzuschreiben. Denn sowohl die Liga als auch der große Konkurrent ARD beteuerten, ihr Ziel sei es mitnichten gewesen, Premiere mattzusetzen.

          So hatten sie es nicht gemeint

          Geradezu zerknirscht gaben sich der Liga-Präsident Werner Hackmann und der für den Rechtehandel zuständige Geschäftsführer Christian Seifert auf ihrer Pressekonferenz, beide beteuerten, daß sie gerne weiter mit Premiere zusammengearbeitet hätten, doch da Kofler allein für das Szenario bot, das angetan war, die „Sportschau“ der ARD zu vernichten, war eine Einigung nicht möglich. Und selbst bei der ARD gibt es kein Triumphgeheul. „Wir waren nicht davon beseelt, Premiere vom Markt zu kegeln“, sagt der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber im Gespräch, aber Premiere sei wohl hingegen davon beseelt gewesen, die „Sportschau“ auszumanövrieren.

          Doch da sind nicht nur die knapp hundert Millionen Euro vor, welche die ARD pro Saison für eineinhalb Stunden Fußball am Samstagabend bezahlt, sondern auch die Wertschätzung, die sich der Senderverbund bei den Vereinen erarbeitet hat. Die ARD hat beim letzten Mal die Rechte für günstige 49 Millionen Euro pro Saison (plus geschätzte rund zwanzig Millionen zusätzliche Kosten) gekauft, als kein anderer Sender dafür höhere Summen ausgeben wollte - Sat.1, das zuvor achtzig Millionen Euro gezahlt hatte, ging mit der Fußballshow „ran“ in die Knie. Und die ARD hat sich - was eingefleischten Fußballfans die „Sportschau“ verleidet - dem Kommerzprodukt Fußball verschrieben, macht soviel Werbung wie möglich, bedient die Sponsoren und hat so nach eigenen Angaben die Kosten für die Erstsenderechte wieder hereinbekommen. Ob das noch properes öffentlich-rechtliches Fernsehen ist, das steht auf einem anderen Blatt.

          Fragwürdige Kalkulation der ARD

          Doch ist die ARD zweifelsohne als Partner der Vereine immer stärker geworden und hat nun Grund, sich in die Brust zu werfen. „Wir waren fest entschlossen, das gesetzte Ziel zu erreichen mit Mitteln, die wir vertreten können“, sagt der ARD-Vorsitzende Gruber. „Und wenn man ein Ziel hat und dieses mit fairen Mitteln erreicht, dann darf man sich auch freuen.“ Daß diesmal für den Fußball Gebührengeld rollt, daraus macht Gruber kein Hehl: „Nirgendwo steht geschrieben, daß man für Sport im Fernsehen kein Gebührengeld verwenden darf. Doch nach den Erfahrungen der letzten drei Jahre gehe ich davon aus, daß wir mehr als die Hälfte der Erstrechtekosten durch Werbung wieder einspielen.“

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