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Premiere-Chef : Georg Kofler hat sich verzockt

So also sieht die Kalkulation der ARD aus, die man grundsätzlich in Frage stellen kann, weil der Fußball immer dann nach der öffentlichen Hand ruft, wenn private Geschäftspartner gerade ausfallen, um sich das Portemonnaie füllen zu lassen. Doch jeder weiß, daß die Gesetze auf diesem Markt - nichts anderes ist der Fußball - so und nicht anders sind. Auch Kofler.

Plötzlich gibt es Konkurrenz

Er hat sich allerdings nicht nur in der Frage verschätzt, wie stark die ARD ist, er hat auch verkannt, daß die Liga am längeren Hebel sitzt, weil es beim Bezahlfernsehen plötzlich Konkurrenz gibt. Diese Konkurrenz heißt erstaunlicherweise nicht Kabel Deutschland, sondern „Arena“ - eine Firma, die bislang kaum jemand auf der Karte hatte. Auf der schönen Schautafel, mit welcher der Ligaverband bei seiner Pressekonferenz die künftige Verteilung der Spiele darstellte, taucht sie jedoch immer wieder auf und markiert einen Paradigmenwechsel. Denn die Firma Arena ist eine hundertprozentige Tochter der Firma Unity Media, hinter welcher die Kabelgesellschaften ish, iesy und Telecolumbus stehen.

Arena soll das Pay-TV veranstalten und angeblich offen sein für neue Teilhaber wie Hedgefonds und Finanzinvestoren, wie wir sie im Fall von Kabel Deutschland schon kennen. Wollte man Müntefering zitieren, könnte man unken, die Heuschrecken übernähmen jetzt auch noch den Fußball. Doch hat ihnen der Ligaverband Zügel angelegt: Die Abos, die man künftig bei Arena für die Bundesliga kaufen kann, dürfen per Vertrag in den nächsten drei Jahren nicht teurer als zwanzig Euro pro Monat sein. Es gibt trotzdem eine Unmenge Geld zu verdienen: rund 420 Millionen Euro bringen die Bundesligarechte von 2006 an pro Saison ein, der nunmehr auf drei Jahre abgeschlossene Vertrag hat ein Volumen von 1,26 Milliarden Euro. Zwar soll Premiere erklecklich mehr geboten haben - mehr als 300 Millionen Euro fürs Pay-TV pro Jahr -, doch was sollte das nützen?

Kofler gibt sich „alles andere als panisch“

Der Premiere-Chef Kofler hätte bieten können, was er wollte, mit dem Konzept „Einer gegen alle“ mußte er scheitern. Sein Gebot habe „nördlich von 300 Millionen Euro“ gelegen, sagte er am Mittwoch in einer Telefonkonferenz, er sei „bis an die Grenze des Vertretbaren gegangen“, doch sei er nicht bereit gewesen „mehr Geld für weniger Exklusivität“ zu geben, angesichts der Tatsache, daß nicht nur die ARD zum Zug kam, sondern die Telekom Liverechte für das Internet erworben hat.

Für Premiere und für Kofler persönlich - der sagte, man sei „alles andere als panisch“, und er „bleibe selbstverständlich an Bord“ - ist das trotzdem eine Katastrophe, die nur noch verhindert werden kann, wenn Premiere nach Canossa geht und nun bei Arena die Rechte einkauft. Da es bei Arena vor allem ums Geldverdienen geht, wäre das sogar denkbar, wenngleich die Möglichkeit, eine eigene Fußballfernsehplattform für das Kabel und über Satellit aufzubauen, durchaus mehr Gewinn verspricht. So hoch wie Georg Kofler hat im deutschen Fernsehgeschäft wohl noch niemand gepokert. Und noch niemand hat je so hoch verloren.

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