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Porträt : Der Lauselümmel

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Hopp zählt eher nicht zu diesem Establishment. Manchmal wurde er komisch angeschaut, sagt er und erzählt, wie ein Verlagsvorstand ihn mal mißtrauisch fragte, was jetzt eigentlich seine Kompetenz sei. Auf einen Versuch, "über längere Zeit mal in einem Genre zu bleiben und das entsprechend tief zu durchdringen", kann er inzwischen verweisen: die Programmpresse. Vor "TV total" war er Chefredakteur bei "TV Movie", zeitweise der größten unter den konsequent verwechselbaren 14tägigen Zeitschriften, die in den neunziger Jahren boomten. Nach "TV total" war er Chef bei der kleinsten, "TV Today". Damals sprach er mantraartig von "Premium-Produkt" und "Qualitätsjournalismus", was intern und extern belächelt wurde. Er habe versucht, "die Sparte" - also alles im Fernsehen, was kein Film ist - "so zu betonen, wie man früher den Film betont hat", erläutert er jetzt. Das hat nicht gut funktioniert. Im Frühjahr 2004 verkaufte Gruner+Jahr das Blatt an einen Strohmann des Burda-Verlags; Hopp war raus aus dem Genre. Und wird wohl nicht zurückkehren: "Es ist ja eher der Trend, daß man Redaktionen zusammenlegt und schaut, daß ein Chefredakteur möglichst fünf Hefte macht." Nachdem er die Programmpresse durchdrungen hat, liegt sie redaktionell darnieder. Da besteht wahrscheinlich kein Zusammenhang.

Verschiedene Arten der Kreativität

Immerhin hat er der Welt zusammen mit einem Kollegen "den Quickfinder, den berühmten" hinterlassen, das Registersystem am Rand. "Das wurde vielfach belächelt, aber das ist mir egal", sagt Hopp. "Es gibt verschiedene Arten der Kreativität, den Unterschied finde ich nicht so groß, da kann man ungefähr gleichermaßen zufrieden sein und am Abend mit einem guten Gefühl rausgehen."

Die einzige Fernsehzeitschrift, die auch Lead-Academy-Mitglieder sich guten Gewissens auf den Fernseher legen würden, zumindest wenn sie mehr als nur ein Programm enthielte, hängt an Hopps Büro-Wand inmitten vieler "Fix & Foxis" neben der relaunchten Betriebszeitung der Georgsmarienhütte: das "Arte-TV-Magazin". Da ist er jetzt "so eine Art Reserve-Textchef". In seiner Gruner+Jahr-Zeit hatte er formal auch die Position eines Chefredakteurs beim "stern-TV-Magazin" inne. Dort zählte zu seinen Impulsen die Forderung, keine Sendungen des Minderheitensenders Arte zum Titelthema zu machen. Er habe halt "immer nach quotenstarken Sachen geguckt", sagt er nun. "Ich hatte nie was gegen Arte." Solch Pragmatismus, zu nehmen, was kommt, wie es kommt, ist eine Kernkompetenz von Hopp.

Die Zeitschrift als lebendiges Universum

Die andere will er schon als "kleiner Stöpsel" entdeckt haben. Als seine Eltern in den sechziger Jahren einmal das Oktoberfest in München besuchten, war er lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Grünwald weitergefahren - zur Villa des "Fix & Foxi"-Erfinders Rolf Kauka, dessen "Liebe-Freunde-Euer-Rolf-Editorials" er damals immer mit Leserbriefen beantwortet hatte. "Das war aber am Samstag nachmittag, und die Villa war leer, ich stand da allein und habe reingelugt. Daß so eine Zeitschrift eine Art lebendiges Universum ist, mit einem richtigen Schöpfer, das hab' ich damals aufgesogen", erzählt Hopp heute. Er findet es eine lustige Wendung, daß sich dieser Kreis kurz vor seinem fünfzigsten Geburtstag schließt.

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