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„Playboy“-Chefin Christie Ann Hefner : „Sie haben recht, Sex ist überall“

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Christie Hefner: „Der Playboy ist das Vorspiel” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Warum Frauen sich im „Playboy“ ausziehen und Männer ihn „lesen“ - Christie Ann Hefner, Chefin der Playboy Enterprises und Tochter des Gründers Hugh Hefner, im F.A.Z.-Interview.

          Christie Ann Hefner führt seit 1988 die Playboy Enterprises. Ihr Geschäft beruht auf dem gleichnamigen Männermagazin, das ihr Vater Hugh 1953 begründete. Bevor dieser sie 1975 in seine Firma holte, arbeitete Christie Hefner für die alternative Bostoner Zeitung „Phoenix“.

          Studiert hat die Dreiundfünfzigjährige anglistische Literatur, sie beschreibt sich als Freidenkerin und Humanistin. Das Unternehmen, in dem ihr Vater seit einem leichten Schlaganfall im Jahr 1986 kürzertreten muß, obzwar er nach wie vor als Chefredakteur des amerikanischen „Playboys“ fungiert, mußte sie über die Jahre gesundschrumpfen.

          Zu Anfangs- und Spitzenzeiten hatte der „Playboy“ eine Auflage von sieben Millionen Exemplaren, die bereits Mitte der Siebziger um mehr als die Hälfte sank. Doch hat es Christie Hefner, deren Eltern sich 1954 trennten, verstanden, das Markenzeichen „Playboy“ in allen möglichen Formen unter die Leute zu bringen.

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          Die Lizenz für den deutschen „Playboy“ hält der Burda-Verlag. Wir haben Christie Hefner in Berlin anläßlich der Eröffnung der Ausstellung „Playboy Exposed“ getroffen und gefragt, ob das Männermagazin noch halten kann, was sein Titel verspricht, und es noch um etwas anderes geht als die nackten Tatsachen in der Heftmitte zum Herausnehmen.

          Mrs. Hefner, kennen Sie Billy Wilders Filmkomödie „Küß mich, Dummkopf“?

          Nein, leider nicht, obwohl ich Billy Wilder liebe. Aber warum fragen Sie?

          Es gibt darin eine Szene, da fängt der Held am hellen Nachmittag damit an, seine Frau zu küssen. Er will sie verführen. Und sie fragt ihn: „Liebling, hast du schon wieder im ,Playboy' geblättert?“

          Ach, sehr komisch.

          Das war 1964. Ich frage mich, was sie heute sagen würde. Liebling, hast du schon wieder MTV geguckt? Die Anzeigen für Unterwäsche. Warst du im Internet? Der Sex ist überall. Wozu braucht es da noch den „Playboy“?

          Ich glaube, die himmlische Paarung heißt: „Playboy“ und „sexy“. Nicht Sex. Und die Szene im Film ginge heute so: „Liebling, hast du schon wieder Playboy-TV geguckt? Laß es uns zusammen anschauen!“

          Am Nachmittag?

          Na klar.

          Das ginge in Deutschland nicht.

          Bald wird es gehen.

          Und zwar wie?

          Wir planen eine Zusammenarbeit mit Premiere. Und wir planen, Clips für Mobiltelefone bereitzustellen. Das scheint mir vor allem in Asien und Europa sehr populär zu sein.

          Aha. Der Multimedia-Playboy.

          Wir waren das erste große Magazin, das es im Internet gab. Ich habe das schon 1994 veranlaßt. Wir haben da eine Marke und einen Inhalt, und das liefern wir über alle Kanäle. Auch wenn das Magazin natürlich das Herz des Unternehmens ist.

          Und diesen Inhalt würden Sie nicht als Sex beschreiben, sondern als sexy. Könnten Sie den Unterschied erläutern?

          Um auf die Billy-Wilder-Szene zurückzukommen: „Playboy“, das ist das Vorspiel. Deshalb geht es nicht nur um Fotos von Frauen. Sondern um Abenteuer, um Reisen, es ist eine Feier des Lebens.

          Aber im Zentrum steht das sogenannte „Centerfold“. Im Zentrum stehen Bilder von jungen Frauen, die wenig anhaben. Bilder, wie wir sie heute überall sehen. Was ist noch besonders am „Playboy“?

          Sie haben recht. Sex ist überall. Um so erstaunlicher ist es doch, daß der „Playboy“ so erfolgreich bleibt. Wir sind das bestverkaufte Männermagazin in den Vereinigten Staaten, in der ganzen Welt. Es muß mit unserem Stil zu tun haben, mit der Art, wie wir uns den Frauen nähern. Wir haben Respekt vor ihnen.

          Ach, wirklich?

          Warum wollen so viele Frauen sich für den „Playboy“ fotografieren lassen? Es ist für sie eine Ehre, nicht etwas Verdorbenes. Der „Playboy“ hat etwas Sonniges.

          Man könnte auch sagen: sauberer, nüchterner Sex.

          Sauber, das klingt so steril. Der bessere Ausdruck dafür wäre: romantisch.

          Neulich hat der „Playboy“ seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert, ganz stolz auf diese Geschichte, es wurde so viel zurückgeblickt, daß der Eindruck entstand: Der „Playboy“ ist selbst so ein Retro-Vergnügen. Eine nostalgische Erinnerung an die gute alte Zeit, da Männer Martinis tranken, Jaguar fuhren und zu Frauen straflos „Hasen“ sagen durften. An die Zeit, als die Berufsbezeichnung „Playboy“ noch eine Bedeutung hatte.

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