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Im Kino „Planet der Affen“ : Cyborgs im Fellkostüm

Später fällt ein Schuss, und Caesar ist scheinbar tödlich getroffen, und Koba brüllt, dass das die Menschen waren. Und so führt Koba dann die Affen an, auf ihrem Rachefeldzug hinunter nach Downtown San Francisco. Caesar ist aber nicht tot, er erholt sich schnell, und so läuft dieser Film, in dem die Menschen nur die Nebenrollen spielen, auf den Showdown zweier Affen hinaus.

Dass uns das nicht stört beim Zuschauen; dass der Streit um Krieg und Frieden zwischen Caesar und Koba viel spannender ist als der gleiche Streit bei den Menschen, welcher immerhin zwischen den eindrucksvollen Schauspielern Jason Clarke und Gary Oldman ausgetragen wird - das hat auch damit zu tun, dass diese Affen die besten Affen der Filmgeschichte sind. Das sind nicht die Puppen und die starren Masken aus dem Mittelalter des Kinos und auch nicht die sterilen Computeranimationen aus dessen früher Neuzeit.

Caesar ist ein Held, der fast das Format des späten John Wayne oder des mittleren Clint Eastwood hat, Koba ist ein Schurke, fast so brutal wie einst Lee Marvin - was natürlich an den Schauspielern liegt, an Andy Serkis als Caesar vor allem, jenem Schauspieler, der auch schon ein eindrucksvoller Gollum (im „Herrn der Ringe“) und ein großartiger King Kong (in Peter Jacksons gleichnamiger Verfilmung) war. Serkis ist nicht einfach einer, der in ein Kostüm schlüpft oder dem Computer sein Gesicht und ein paar Ausdrucksvarianten zur Verfügung stellt. Serkis spielt wirklich, er spielt die ganze Rolle - und wie aus dem eindrucksvollen Mienenspiel des Menschen Serkis das Mienenspiel des Affen Caesar wird: Das ist dann doch wieder ein Wunder der Rechentechnik. Serkis spielt nicht nur, er gehört zu den Begründern und Besitzern eines Studios, das sich Imaginarium nennt und sich darauf spezialisiert hat, die Formen menschlichen Ausdrucks in deren ganzer Komplexität zu erfassen. Und sie dann, nahezu ohne Verluste, in das künstliche Bild eines Affen (oder welchen Wesens auch immer) zu übersetzen. Serkis spielt also den Affen, geradezu oscarwürdig. Und trotzdem ist der Caesar, von dem wir so beeindruckt sind, ein ganz und gar künstliches Bild.

Der Affe geht voran

Das ist vielleicht die interessanteste und zugleich die bitterste Pointe dieses Films: dass der Versuch, die Körper und die Räume, ja die physische Realität gegen die Virtualität der Gegenwart zu behaupten, dann doch wieder eine Frage der Computerleistung ist.

Jene Wesen, die von den Menschen darum beneidet werden, dass sie überleben können ohne Netz, ohne Strom, ohne künstliche Energie, sind keine Affen, sie sind eher das, was die Science-Fiction „Cyborgs“ nennt: Menschen, von deren Menschlichkeit nur das Bewusstsein geblieben ist. Der Rest, der Körper, ist reine Technik, von den leistungsfähigsten Computern entworfen.

Das ist es, was den Zuschauer so an dem Affen Caesar fasziniert und zugleich beunruhigt. Er erinnert uns weniger an unsere äffische Herkunft, viel eher verkörpert er schon unsere Zukunft. Zarathustra, wenn er Caesar in den Wäldern begegnet wäre, hätte in ihm nicht den Affen erkannt und gewiss auch nicht den Menschen. Eher dessen Überwindung - jenes Wesen also, dem der Mensch nur noch ein Gelächter ist. Das ist die reine Gegenwart. Das Kino entkommt ihr nicht.

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