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Im Kino „Planet der Affen“ : Cyborgs im Fellkostüm

Ein weiser Caesar

Im neuen Film ist die Menschheit fast ausgerottet, nur in kleinen, verstreuten Refugien überlebt die Spezies noch, in der Innenstadt von San Francisco zum Beispiel, wo aber langsam der Sprit, mit dem sie die Generatoren für ihre Prothesen betreiben, zu Ende geht, weshalb neue Energiequellen angezapft werden müssen. Auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge, in den Wäldern von Marin County, haben die Affen ihre Kommune gegründet, und Caesar, der Schimpanse, dessen Entwicklungs- und Befreiungsgeschichte der erste Film erzählte, ist ihr Anführer: ein Primat, der nicht nur klug, sondern fast schon weise ist. Und Englisch sprechen kann er auch. Dann kommen die Menschen, auf der Suche nach dem Wasserkraftwerk. Und dann geht es los mit dem Streit, den Lügen und Intrigen. Und schließlich mit dem Krieg.

Das alles, diese seltsame Geschichte, das scheint so weit entfernt zu sein von der Welt, in der wir wohnen, dem Leben, das wir zu führen versuchen, dass man sich fast zwangsläufig fragt, was denn alles auf dem weiten Weg von uns zum Planeten der Affen verschwunden sei. Auch davon handelt dieser Film: von dem, was er nicht mehr erzählen kann. Schon immer hat das Kino sich auch die allerseltsamsten Geschichten ausgedacht, und Affen, die sprechen, denken und menschlich sein können, sind im Kontext des phantastischen Kinos ja fast schon realistisch. Aber da, wo das Kino sein Publikum wirklich rührte und herausforderte, da erzählte es meistens von den Menschen der Gegenwart, vom Spiel der Blicke und der Körper, maß die Räume aus und erzählte von Liebe, Verrat und all den anderen Dingen, die F. Scott Fitzgerald auf die legendäre Formel brachte: „Action is character.“

Diese Filme verschwinden aber, weil ihr Gegenstand am Verschwinden ist. Vom Hin und Her der Posts und Mails, vom Spiel der unbehaarten Finger auf der Tastatur der smarten Telefone, von all der körperlosen Kommunikation, in der sich unser Handeln, Denken, Fühlen heute artikuliert, kann das Kino nicht mehr erzählen. Die Prothesen der nackten, schwachen Affen, die wir sind, sind ubiquitär und unsichtbar - wer heute nur vom Spiel der Körper und der Blicke erzählen wollte, dem würde das Wesentliche entgehen. Man muss schon von Affen erzählen oder von Menschen ohne Netz, wenn man die Leinwand mit Action füllen will.

Affenlisten

Matt Reeves, der „Planet der Affen: Revolution“ inszeniert hat, weiß also sehr genau, was er tut, wenn er die Affen ernster als die Menschen nimmt. Es hat fast den Reiz und die Schönheit alter Stummfilme, wenn die Affen in ihrem Wald sich in einer Zeichen- und Gebärdensprache unterhalten. Und der Film uns das alles in Untertitel übersetzt.

Und es hat fast die Wucht und die Wirkung eines Shakespeareschen Königsdramas, wenn es zum Machtkampf im Reich der Affen kommt. Caesar will die Verständigung mit den Menschen, sein Gegenspieler Koba, ein Bonobo, der fürchterlich gequält wurde in den Jahren der Gefangenschaft, will den Krieg. In einer der schönsten und zugleich grausamsten Szenen des Films nähert sich Koba zwei bewaffneten Männern, macht sich buchstäblich zum Affen vor ihnen, hampelt und schreit wie einst Cheetah in den Tarzanfilmen, und als die Männer endlich glauben, dass dieser Affe völlig harmlos sei, schnappt sich Koba ein Gewehr und schießt die Männer über den Haufen.

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