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Pixar-Film „Onward“ im Kino : Elfen in der Pubertät

Ganz ist die Auferstehung des Vaters nicht geglückt: Immerhin sitzt nun sein Rumpf neben seinem Sohn Ian. Bild: dpa

Wohin ist nur die Magie gegangen? Dan Scanlons Pixar-Fim „Onward – Keine halben Sachen“ befreit Elfen, Zentauren und Gnome vom Mehltau der Wirklichkeit.

          4 Min.

          Als der junge Ian an seinem sechzehnten Geburtstag eine Audio–Kassette in den Recorder einlegt und der Stimme seines Vaters lauscht, ahnt man rasch, dass er das nicht zum ersten Mal tut. Denn der Vater ist tot, er starb kurz nach Ians Geburt, und die Kassette ist etwas, das zufällig übrig blieb, auch wenn es gar nicht als Relikt geplant war und schon gar nicht eine solche Symbolkraft bekommen sollte. Der Vater also spricht darauf ein paar belanglose Worte zu Ians Mutter, und weil die weit entfernt des Aufnahmegeräts stand, hört man nur die Hälfte des Dialogs. Ian aber füllt sechzehn Jahre später diese Lücken. Seine Worte haben sich komplett denen des Vaters angepasst, so dass sich das Ganze nun anhört wie ein richtiges Gespräch. Man braucht wohl viele Anläufe vor dem Abspielgerät, um das so hinzubekommen.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Nur eine kleine Szene in „Onward“, dem neuesten Film aus den Pixar-Studios, die mit Animationsfilmen wie „Toy Story“, „Findet Nemo“ oder „Cars“ weltweite Erfolge feierten, aber sie hat es in sich. An der Oberfläche macht sie deutlich, wie sehr der zarte Ian den Vater vermisst, den er nie gekannt hat. Jetzt lebt er mit seiner Mutter und dem älteren Bruder Barley, der den jüngeren mit großer Freude in den Schwitzkasten nimmt, in einem Haus in einer Vorstadtsiedlung, und schlägt sich mit den Problemen eines Teenagers herum, der keine Freunde hat und auch nicht den Mut, auf andere zuzugehen, um welche zu finden.

          Lauter Fabelwesen als Nachbarn

          Ungewöhnlich an dieser Siedlung – und, wie sich bald zeigt, auch an deren Umgebung – sind die Bewohner. Ians Rumpffamilie sind Elfen, zu erkennen an der blauen Hautfarbe und den spitzen Ohren, der Polizist Colt Bronco, der Ians Mutter den Hof macht, ist ein Zentaur, es gibt Zyklopen, Satyrn, Riesen, Feen und andere Fabelwesen, die offenbar recht friedlich miteinander zusammenleben und einigermaßen die Eigenheiten der anderen respektieren. Ian etwa, dem in der Schule sowieso eher mulmig ist, duldet still den riesigen nackten Fuss seines Klassenkameraden auf seinem Stuhl, denn ohne dies, so der Mitschüler, flösse all sein Blut in den Fuss und fehle dann im Hirn, und Ian wolle doch nicht verantwortlich sein, wenn die Schulleistungen des Riesen nachließen?

          Eine magische Welt also, könnte man meinen, aber der Film schlägt schon früh einen Ton an, der darauf vorbereitet, wieviel hier im Argen liegt. Denn die ersten Sentenzen zeigen eine verlorene Welt in geradezu kitschigen Farben, heiter und unbeschwert, die dann aber darunter leidet, dass sich die Bewohner die Magie abgewöhnen, als sie den technischen Fortschritt entdecken – mühsam Rituale abhalten und Zaubersprüche murmeln, wenn man einfach einen Lichtschalter drücken kann? Der Film macht den Weg dorthin mit wenigen Sequenzen sehr deutlich.

          Sie haben das Fliegen verlernt

          Wie dabei manches unter die Räder gerät, wird unter der Regie von Dan Scanlos klugerweise nicht auserzählt, was aber dann nicht stimmt, rückt beiläufig ins gewohnt virtuos komponierte Bild – schwangen sich im Vorspann noch geflügelte Einhörner durch die Lüfte, sind die Tiere nun, aggressiv schnaubend, damit beschäftigt, Mülltonnen zu durchwühlen, und wenn man sie stört, drohen sie mit ihrem Horn. Vom Fliegen keine Rede mehr, und das teilen sie mit anderen geflügelten Wesen wie den Feen oder der Mantikor, einer Mischung aus Löwe, Fledermaus und Skorpion.

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