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„Der Hobbit“, letzter Teil : Welch ein Zwergebnis. Glückwunsch.

Das Ziel der Reise ist ihr Anfang: Bilbo (Martin Freeman) geht, wenn es die Legende verlangt, gern auch mal drei Filme lang im Kreis. Bild: Allstar/NEW LINE CINEMA

Peter Jacksons Kinotrilogie „Der Hobbit“ nimmt nun endlich ein Ende. Erstaunlich, dass man ein so kurzes Buch so ungeheuer weitläufig verfilmen konnte. Noch erstaunlicher, dass dabei Manches auch ganz gut gegangen ist.

          Ein Kampf auf Leben und Tod, in den Orlando Bloom als Legolas mitten in „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ gestoßen wird, zeigt ihn in einer Lage, die der seines Regisseurs gleicht. Er muss sich auf einem bröckelnden Brückenkonstrukt gegen Monster wehren, während der steinerne Steg unter seinen Füßen auseinanderbricht - Legolas springt von Stufe zu Stufe; kaum hat er sich von einem Brocken abgestoßen, stürzt dieser in die Tiefe, weil das Bindemittel, das ihn am Nachbarstein hat haften lassen, zu Staub zerfällt.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Gerade so - zugleich unverzagt vorwärtsstrebend als auch in ständiger Gefahr, sich den Hals zu brechen - hat sich auch der Filmemacher Peter Jackson durch die drei Teile seiner mit zähem Kitt aus Nebenwerken J. R. R. Tolkiens zusammengehaltenen „Hobbit“-Filmtrilogie gekämpft. Dass er den Stoff der kleinen Erzählung, die er zu diesem Zweck breit auswalzen und bis in hallende 3D-Tiefen unterkellern musste, dabei mitunter überdehnt hat, fällt gegenüber dem nun erreichten Ziel kaum ins Gewicht - man gönnt ihm, dass er und seine künstlerische Reputation das Narrenunternehmen wohl überleben werden; für alles andere ist eine filmästhetische Betrachtungsweise so unzuständig wie ein Tanzwettbewerbsjuror für die zuckenden und schlurfenden Gestalten, die sich nach einem Marathonlauf irgendwie über die Ziellinie zwingen.

          Schon der Plan, aus der Vorlage einen einzelnen Film zu machen, hatte gute Gründe gegen sich. Wer die wider jede Wahrscheinlichkeit und Vernunft tatsächlich gelungene Verfilmung der „Herr der Ringe“-Trilogie gesehen hatte - also die Mehrheit des „Hobbit“-Publikums, das wird Jackson bewusst gewesen sein -, kannte das Ende des „Hobbit“-Stoffes bereits. Der neue Film würde also aufhören, wo der erste der drei schon bekannten anfing. Will man darauf dann aber auch noch drei Teile lang warten?

          Wer wartet, verschafft sich Ablenkung nach dem Maß des Erreichbaren; aus nichts anderem besteht also auch der dritte Teil der „Hobbit“-Filmstrapaze, und an den einzelnen Nummern der Ablenkungsrevue gibt es nichts zu meckern: Der Zwergenkönig Thorin Eichenschild, von dem sein Darsteller Richard Armitage hier mit ergreifendem Eifer Abschied nimmt, verläuft sich im Goldschatz seiner Ahnen verwirrter als selbst der Zinsfuß in der Europäischen Zentralbank; Cate Blanchett zischt als blau angelaufene Edelhexe Galadriel freche Gespenster ins Nichts zurück, als hätte diese steile Rolle mindestens Racine geschrieben; Evangeline Lillys Tränen um ihren geliebten, von hirnlosen Berserkern aus dem Leben gerafften Wichtel Kili gehören als Edelsteine in die Trauringe junger Liebender aus verfeindeten Elternhäusern; und Martin Freeman gibt den Titelhobbit zum dritten Mal gewissenhaft als Platzhalter des Publikums, nämlich als Skeptiker, Pragmatiker, Kinderseele und Abenteurer in einem. Das absurde Plot-Gepolter um allerlei Stammesfehden, Magie, Wortbruch, Ehrenkäse und Liebesfett, das ihn durch seine erfundene Welt schiebt, kann man diesem Schauspieler fast glauben, so ernsthaft, flexibel und geradeaus reagiert er noch auf die übergeschnappteste Zumutung.

          Kurz vor dem Ende, die Schlacht ist geschlagen, die Schätze sind aufgeteilt und die dicken Nasen der überlebenden Zwerge geputzt, sitzt er mit Ian McKellen, der seinen Gandalf-Schlapphut jetzt hoffentlich auch endlich an den Nagel hängen darf, in der gleichgültig-erhabenen Natur und schweigt, zwischen Erleichterung und Überdruss: Wir haben es hinter uns, Alter. Ja, das habt ihr. Glückwunsch.

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