https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/pedro-almodovar-ueber-seinen-film-parallele-muetter-17850199.html

Pedro Almodóvar im Gespräch : Kunst entspringt der Einsamkeit

  • -Aktualisiert am

Am Set von „Parallele Mütter“: Milena Smit, Penélope Cruz und Pedro Almodóvar. Bild: El Deseo / Nico Bustos / Studiocanal

Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar über die Melancholie des Älterwerdens, die Magie von Penélope Cruz und über seinen neuen Film „Parallele Mütter“.

          6 Min.

          Mehr als zwanzig Filme hat der Spanier Pedro Almodóvar in seiner Karriere gedreht und ist spätestens seit seinen „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ (1988) zu einer Galionsfigur des europäischen Kinos geworden. Melodramen in kräftigen Farben mit intensiven Gefühlen und voller Aufmerksamkeit und Liebe für die weiblichen Figuren. In „Parallele Mütter“ lernen zwei ungewollt Schwangere einander im Krankenhaus kennen, eine erfolgreiche Fotografin um die vierzig (Penélope Cruz) und ein siebzehnjähriges Mädchen (Milena Smit). Aus der Beziehung, die zwischen beiden entsteht, entwickelt sich die Dramatik des Films, der auch zurückführt in die Vergangenheit des franquistischen Spaniens.

          Herr Almodóvar, was sind Filme für Sie? Eine Droge, Ihre Leidenschaft oder Ihre Nahrung?

          Sie sind meine Obsession. Ich wollte immer schon Geschichten schreiben und Regie führen. Schon als 15-jähriger Junge aus dem Städtchen Calatrava in der Region La Mancha war das mein großer Traum. Je älter ich jetzt werde, desto mehr wird diese einstige Leidenschaft zur zwanghaften Obsession. Mit den Jahren wird mir immer klarer, dass ich nicht mehr ewig Zeit habe. Meine Sterblichkeit wird mir bewusst. Ich frage mich manchmal: Wie viele Filme werde ich vor meinem Tod noch fertigstellen können? Das macht mir Angst. Das Kino ist alles für mich, es gibt sonst nichts in meinem Leben. Ich bin nur noch glücklich, wenn ich Drehbücher schreibe oder Filme drehe. Filme halten mich am Leben.

          Eine weitere Obsession scheint für Sie das Thema Mütter zu sein.

          Ich war in meiner Kindheit von Frauen umgeben. Meine Mutter hatte einen sehr starken Charakter. Wir reden hier ja von den Fünfzigerjahren. Die spanischen Frauen dieser Ära waren starke, tapfere Kämpferinnen, sie hatten einen schrecklichen Krieg überlebt. Die Generation meiner Mutter, die Frauen aus der Nachbarschaft, sie alle hatten etwas Besonderes an sich: Sie ließen sich von den Widrigkeiten des Lebens nicht unterkriegen. Diese Frauen haben mich als Kind wohl so inspiriert, dass mich das Thema bis heute nicht loslässt.

          Worin liegt für Sie denn heute die größte Faszination, wenn es um Mütter geht?

          Um genau zu sein, ist es die Beziehung zwischen Mutter und Kind, vor allem die Dynamik zwischen Müttern und Töchtern. Aus dem Stoff könnte man Millionen Filme machen.

          Hat Ihre Lieblingsschauspielerin Penélope Cruz sich für Sie verändert, seitdem sie Mutter geworden ist?

          Nein, nicht wirklich. Ich kann das allerdings auch schwer beurteilen, weil ich ihr jetzt natürlich ganz andere Rollen gebe als damals, als wir noch jung waren. Wir haben wirklich eine tolle Beziehung zueinander, sie war auch immer sehr großzügig zu mir. Ich bin stolz, dass sie mit keinem Regisseur so oft gearbeitet hat wie mit mir. Die Mutterfigur, die sie hier spielt, unterscheidet sich sehr von der Mutter, die sie privat ist. Drei Monate lang haben wir geprobt, bis wir die Figur da hatten, wo wir sie haben wollten. Wir proben immer sehr ausführlich, das aber weniger für die Schauspieler als für mich. So fühle ich mich sicherer.

          Wir sollten alle Feministen sein: Milena Smit (links) und Penélope Cruz in „Parallele Mütter“.
          Wir sollten alle Feministen sein: Milena Smit (links) und Penélope Cruz in „Parallele Mütter“. : Bild: El Deseo / Nico Bustos / Studiocanal

          Warum haben Sie Penélope Cruz immer wieder besetzt?

          Penélope schafft es immer, etwas Magisches vor der Kamera zu erzeugen. Vielleicht hat es auch mit ihrem Aussehen zu tun. Sie hat dieses einzigartige Gesicht und die Aura des Besonderen. Ihre Schönheit erstaunt mich immer wieder. Bei ihr fühle ich mich geradezu heterosexuell.

          Weitere Themen

          Lügen für die Wahrheit

          Neu im Kino : Lügen für die Wahrheit

          Drei Frauen dominieren gerade das Kino: Juliette Binoche zeigt den Alltag in prekärer Arbeit, Penélope Cruz dreht den „besten Film aller Zeiten“ und Sabine Timoteo führt uns in eine doppelbödige Familiengeschichte.

          Topmeldungen

          Einst Ausdruck des Neuen Bauens: Die Magdeburger Stadthalle aus dem Jahr 1927 wird saniert.

          Chipfabrik in Magdeburg : Auferstanden aus Ruinen

          Magdeburg hat harte Zeiten hinter sich: Bomben, Arbeitslosigkeit, Abwanderung. Der Pioniergeist ist aber nie erloschen. Eine Megainvestition von Intel könnte die Stadt nun nach vorne katapultieren.
          Bundesumweltministerin Steffi Lemke

          Krach in Berlin : Lindner gegen Lemke: Stimmt Deutschland für das Verbrenner-Aus?

          Kurz vor dem entscheidenden Treffen zum EU-Klimapaket kündigt Umweltministerin Lemke an, für das Ende des Verbrennungsmotors 2035 zu stimmen – und setzt sich damit über das „Nein“ der FDP hinweg. Nur Minuten später rudert die Grüne zurück. Was geschieht nun?
          Claus Ruhe Madsen auf dem Landesparteitag der CDU in Neumünster

          Claus Ruhe Madsen : Ein Däne als Wirtschaftsminister in Kiel

          Daniel Günther ist mit der Ernennung des populären Rostocker Oberbürgermeisters zum Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins ein Coup gelungen. Ohne Risiko ist das aber nicht.
          Das Feld vor der Tür: Deutsche ziehen immer öfter aufs Land.

          Bevölkerungsstudie : Deutsche ziehen wieder häufiger aufs Land

          Lange haben die Deutschen ländliche Regionen in großer Zahl verlassen. Nun belegt eine Studie den gegenläufigen Trend: Vor allem junge Familien zieht es wieder öfter hinaus aus der Stadt, erst recht seit Beginn der Pandemie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.