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Filmkritik „Gaza mon amour“ : Palästinensisches Weltkino von den Brüdern Nasser

  • -Aktualisiert am

Brautwerbung im Regen: Salim Dau (links) und Hiam Abbas Bild: Alamode Film

Die Brüder Nasser haben mit „Gaza mon amour“ einen Film gedreht, der für ein Genre steht, das es eigentlich gar nicht gibt: Normales palästinensisches Arthouse-Kino.

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          Von dem Fischer Issa Nasser, 60 Jahre alt, ansässig in Al-Shati, einem Flüchtlingslager im Gazastreifen, muss ein polizeiliches Foto gemacht werden. Der Grund: Er ist des Besitzes von Kunstobjekten verdächtig. Oder eigentlich schon überführt. Denn bei einer Hausdurchsuchung wurde eine Statue bei ihm gefunden, die er einige Tage davor aus dem Meer gefischt hatte. Eine Darstellung des Gottes Apoll, die den Experten einige Rätsel aufgibt. Denn lange kann sie nicht im Meer gewesen sein, andernfalls wäre sie stärker mitgenommen. Und ist sie wertvoll? Das Foto von Issa zeigt einen Mann mit markanten Gesichtszügen, einem grau wuchernden Bart und einer Glatze. Er kann durchaus als attraktiv gelten, und das muss er bis zu einem gewissen Grad auch sein, denn er hat Großes vor: Er will heiraten. Die Frau, mit der er sein Leben teilen möchte, hat er längst ausgemacht. Sie heißt Siham, eine Schneiderin, die ebenfalls täglich von Al-Shati zum Markt und abends wieder zurück pendelt. Siham wird in dem Film „Gaza mon amour“ von Hiam Abbass gespielt, dem wohl bekanntesten und größten Star, den das palästinensische Kino hat. Ein Kino, das es im Übrigen nicht wirklich gibt, wie auch Hiam Abbas nominell als Schauspielerin aus Israel geführt wird, wenngleich sie ihr Prestige immer wieder in den Dienst der palästinensischen Sache gestellt hat.

          Ein ganz normaler Arthouse-Film aus dem Gazastreifen?

          Mit „Gaza mon amour“ nehmen sich Tarzan und Arab Nasser, die unter dem eingängigen Namen The Nasser Brothers auftreten, vor, das palästinensische Kino zu gründen. Nämlich ein wenig anders, als man das bisher von einem großen Autorenfilmer wie Elia Suleiman kannte, der seine ganze Karriere den Absurditäten einer Existenz in einem Land gewidmet hat, das es nicht gibt, obwohl viele Menschen definitiv dort leben. Die Nasser-Brüder versuchen, ausgerechnet aus dem Gazastreifen einen vorgeblich ganz normalen Arthouse-Film auf die Bühne des Weltkinos zu bringen: eine emotionale Geschichte, in der die Liebe einmal mehr der Schlüssel zu allem sein soll. Der Gazastreifen ist nominell ein Autonomiegebiet, aber die meisten Menschen dort erleben ihn als Gefängnis unter der Herrschaft der islamistischen Hamas. In „Gaza mon amour“ ist eines der Bilder für diesen limitierten Radius die Fünf-Meilen-Zone, die Issa mit seinem Boot befahren darf. Die Statue wirkt wie eine Transgression, denn sie kündet von einem anderen Mittelmeer, von einem kulturell offenen, von Vermischungen und Zitaten.

          Diese Offenheit haben die Nasser-Brüder auch für ihren Film gefunden. Sie mussten dafür allerdings Gaza verlassen. „Gaza mon amour“ führt Frankreich, Portugal, Deutschland und Qatar unter seinen Koproduktionsländern, gedreht wurde vor allem in Jordanien, aber auch in Portugal, Produktionssprache ist Arabisch. Die Geschichte von Issa und Siham unterliegt keiner Zensur, aber sie ist so erzählt, als wäre es sinnlos, sich über die politischen Umstände auch nur näher einzulassen. Einmal ist eine Propagandarede der Hamas zu hören, in der es darum geht, die aktuellen Schwierigkeiten zu rechtfertigen, weil sie doch einem größeren Ziel dienen: einem freien und ganzen Palästina. Niemand möchte diesen Sermon zu Ende hören, er wird einfach abgedreht.

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