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Oskar Roehler : Der Elementarteilchenbeschleuniger

Die Houellebecq-Verfilmung war „eine schwere Geburt” Bild: constantin film

Oskar Roehler hat sich an die Verfilmung von Michel Houellebecqs Erfolgsroman „Elementarteilchen“ getraut. Das Ergebnis könnte der Höhepunkt der Berlinale werden. Der „Mann des Undergrounds“ zeigt wieder einmal Menschen, die bis an ihre Grenzen gehen.

          Da liegt ein großer, flauschiger, sehr weißer Teppich auf dem Boden vorm Sofa. Der Regisseur sitzt auf dem Sofa, er trägt Filzpantoffeln und telefoniert, er streckt grüßend die Hand aus, er ruft leise: „Nicht drauftreten, bitte, oder Schuhe ausziehen!“

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Er spricht weiter in den Hörer, er spricht die Gästeliste für die Premiere durch, und während das Telefonat mit dem Verleih sich langsam dem Ende nähert, fällt einem auf, daß es sich mit diesem großen, weißen Teppich ungefähr so verhält wie mit dem Film „Elementarteilchen“, auf den jetzt alle warten. Die Verfilmung von Michel Houellebecqs Roman hat am kommenden Samstag ihre Weltpremiere auf der Berlinale, und die Journalisten dürfen ihn nicht rezensieren, obwohl sie ihn auf einer großen, weißen Leinwand sehen durften. Schriftlich mußten sie sich zum Schweigen verpflichten. Aber da ist ja Oskar Roehler, der Mann, der den Film gemacht hat, der darf auch über ihn reden.

          Flankiert von bekannten deutschen Schauspielern

          Er ist müde, er trägt seinen Anorak in der Wohnung, weil er fröstelt, er hat die große Brille abgelegt, die sein halbes Gesicht verdeckt und die andere Hälfte schmaler und älter aussehen läßt. Er ist angespannt, und er ist guter Dinge, weil er sich auf den roten Teppich freut, auf die Gala, bei der ihn so viele bekannte deutsche Schauspieler flankieren werden, daß man sich eher fragen muß, wer nicht dabei ist.

          „Elementarteilchen”-Schauplatz Swingerclub: Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu

          Da sind Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu, Franka Potente und Christian Ulmen, Nina Hoss und Uwe Ochsenknecht, Corinna Harfouch auch und Michael Gwisdek. Sie sehen gut aus im Trailer, über den jeder sprechen und schreiben darf, und sie lassen keinen Zweifel, daß es im Film um das geht, worum es in Michel Houellebecqs Roman geht, der bei seinem Erscheinen vor sieben Jahren leichte Erregung im beschaulichen Literaturbetrieb auslöste.

          Sex ohne Fortpflanzung - und umgekehrt

          Es geht um Sex und Fortpflanzung und Liebe und Verzweiflung. Um zwei Halbbrüder, um Bruno (Moritz Bleibtreu), einen frustrierten Lehrer, der an Sex ohne Fortpflanzung denkt, und um Michael (Christian Ulmen), einen genialen Molekularbiologen, der sich mit Fortpflanzung ohne Sex beschäftigt und am Anfang des Romans noch nie mit einer Frau geschlafen hat.

          Es geht auch um die beiden Frauen (Martina Gedeck und Franka Potente), die sie kennenlernen, vor allem aber dreht sich alles um den Mann am Ende des 20. Jahrhunderts, um sein Leiden an der modernen Welt, um die „männlichen Minderwertigkeitskomplexe“, deren Schilderung Roehler fasziniert hat: „Ich finde es bewunderungswürdig, daß einer so weit geht, sich an diese heiklen Punkte wagt und die Beschreibung eines Mannes von dem Faktum her aufzieht, daß dieser Mann einen sehr kleinen Schwanz hat.“

          Eichinger hat seinen eigenen Kopf

          „Aber“, sagt Roehler, der manchmal nicht mehr aus seinen Sätzen herausfindet, weil ihm unterdessen etwas anderes eingefallen ist, „man muß sich mal vorstellen, daß 53 Prozent der Leute wegen des Trailers in einen Film gehen. Das war die schlimmste Zeit, bis der Trailer fertig war. Ich hatte keine Idee, wie man den Film verkaufen soll, und die anderen auch nicht. Dann hat Bernd sich hingesetzt und in vier Stunden diesen Trailer montiert.“

          Bernd, das ist der wichtigste deutsche Produzent Bernd Eichinger, der Mann hinter dem „Untergang“, und er ist ein Produzent, der Regisseuren nicht über den Kopf streichelt, sondern seinen eigenen Kopf hat, und was sich darin bewegt, darüber läßt er die Regisseure nicht im unklaren. „Bernd“, sagte Roehler, „ist ein starker Produzent, der mehr weiß und mehr Erfahrung hat als ich. Ich trauere dieser Arbeitserfahrung jetzt schon nach.“

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