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Oscar-Verleihung : Die Jungen sehen ziemlich alt aus

Auch missglückt war die Idee, Celine Dion über die Bilder der seit der letzten Oscar-Verleihung verstorbenen Filmprominenz singen zu lassen. So gab es nicht einmal einen letzten individuellen Applaus für Größen wie Denis Hopper, Arthur Penn oder Tony Curtis. Was für ein Glück, dass Halle Berry bei ihrem Oscar-Gewinn vor neun Jahren an die schwarze Schauspielerin Lena Horne als ihr Vorbild erinnert hatte. So kam die im letzten Mai verstorbene Horne noch einmal zu einer Einzelehrung, die nach der überträllerten Gedenkpflicht stattfand. Solche Gesten machen den Reiz der Oscars aus. Es gab sie viel zu selten in diesem Jahr.

Abgekürzte Dankesreden

Auch eine Enttäuschung: die individuelle Würdigung, die Jeff Bridges den fünf als beste Hauptdarstellerinnen nominierten Schauspielerinnen angedeihen ließ. Gönnerisch klang das in jedem einzelnen Fall, originell waren die Ausführungen von Bridges auch nicht. Wie es gut geht, nämlich geistvoll-spitzzüngig, zeigte direkt danach Sandra Bullock, die den gleichen Job für die männlichen Akteure zu leisten hatte. Dieses 2009 eingeführte Prinzip der persönlichen Ansprache an die Nominierten in den beiden Hauptdarsteller-Kategorien erweist sich als echte Nagelprobe für die Laudatoren.

Kurz hielt man sich immerhin diesmal mit der Gesamtdauer. Nach wenig mehr als drei Stunden war alles vorbei. Kluge Entscheidung angesichts der Moderation. Allerdings hätte man sich den Versuch sparen sollen, in den als weniger bedeutsam angesehenen Kategorien die Dankesreden immer wieder durch Musik abzukürzen. Schade, dass die beiden Australier Shaun Tan und Andrew Ruheman, die mit „The Lost Thing“ verdient den Oscar für den besten kurzen Animationsfilm gewonnen haben und auf der Bühne wie Pat und Patachon daherkamen, nicht ausreden durften.

Höflich, nett, aber nicht bewegend

Selbst Aaron Sorkin, dem hochgeschätzten Drehbuchautor von „The Social Network“, wurde rabiat musikalisch über den Mund gefahren. Dagegen durfte Natalie Portman eine tränenreiche, aber nichtssagende Dankesliste auswendig herunterrattern, die bis zu ihrer Kostümbildnerin reichte. Höflich ist das gewiss, nett auch, aber leider nicht bewegend. Colin Firth löste diese Herausforderung mit britischem Understatement weitaus souveräner.

Und auch deshalb, des britischen Understatements halber, waren die doch noch errungenen Auszeichnungen für „The King's Speech“ eine Wohltat. Welchem Amerikaner wäre schon eine so delikate Dankesrede eingefallen wie dem bereits dreiundsiebzigjährigen Drehbuchautor David Seidler, der als bislang ältester Preisträger in seiner Kategorie nicht nur der Hoffnung Ausdruck gab, dass es noch nicht sein letzter Oscar gewesen sein möge, sondern dass auch noch ein paar Ältere als er gewinnen sollen. Mit betagten Persönlichkeiten wie ihm oder Kirk Douglas sah Hollywood bei dieser Oscar-Verleihung blendend aus. Mit Anne Hathaway und James Franco dagegen ziemlich alt.

Die Sieger der wichtigsten Oscar-Kategorien:

Bester Film : „The King's Speech“ (siehe auch: Video-Filmkritik: Colin Firth und Geoffrey Rush in „The King's Speech“)

Regie : Tom Hooper („The King's Speech“)

Hauptdarsteller : Colin Firth („The King's Speech“)

Hauptdarstellerin : Natalie Portman („The Black Swan“) - siehe auch: Video-Filmkritik: Darren Aronofskys „Black Swan“

Nebendarstellerin : Melissa Leo („The Fighter“)

Nebendarsteller : Christian Bale („The Fighter“)

Fremdsprachiger Film : „In a Better World“ (Susanne Bier, Dänemark)

Animationsfilm : „Toy Story 3“

Dokumentarfilm : „Inside Job“ über die Finanzkrise

Original-Drehbuch : „The King's Speech“

Adaptiertes Drehbuch : „The Social Network“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „The Social Network“)

Kamera : „Inception“ (siehe auch: Video-Filmkritik: „Inception“)

Schnitt : „The Social Network“

Spezialeffekte : „Inception“

Kostüme : „Alice In Wonderland“

Ausstattung : „Alice in Wonderland“

Make-up : „The Wolfman“

Filmmusik : „The Social Network“

Filmsong : „We Belong Together“ von Randy Newman für „Toy Story 3“

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