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Oscar-Verleihung : Die Jungen sehen ziemlich alt aus

Dass Natalie Portman für „Black Swan“ (Video-Filmkritik: Darren Aronofskys „Black Swan“) die Statuette als beste Hauptdarstellerin bekommen würde, war ebenso klar wie der Sieg von Colin Firth. Hier gab es ja auch keine Konkurrentin aus „The King's Speech“, und in beiden Drehbuchkategorien kann man eben auch nicht nominiert sein. Wer mit vier Oscars aus elf Nominierungen unglücklich sein wollte, wäre spätestens durch den strahlenden Randy Newman eines Besseren belehrt worden, der für das Lied „We Belong Together“ aus „Toy Story 3“ seinen zweiten Oscar bekam - im zwanzigsten Versuch.

Hundsmiserable Dramaturgie

Es gab also herrliche Geschichten in dieser Nacht, und die ließen vergessen, was für eine hundsmiserable Dramaturgie die Verleihung als solche hatte. Klar, die Höhepunkte setzt man zum Schluss. Aber den Abend mit dem Preis für Art Direction statt dem für die Kamera anzufangen, war schon ein kleiner Tiefpunkt. Und der große währte leider die ganze Verleihung hindurch, denn Anne Hathaway und James Franco waren als Moderatoren überfordert.

Wobei Anne Hathaway sich noch etwas besser aus der Affäre zog als Franco, den man vor der Zeremonie wohl betäubt haben musste, um dieses notorische Dauergrinsen ohne irgendeine sonstige Regung hinzubekommen. Er ist einer der besten Schauspieler seiner Generation, aber vermutlich war er in dieser Nacht einfach überfordert von der eigenen Nominierung als bester Hauptdarsteller (in „127 Hours“, einem Film, der ebenso komplett leer ausging wie die Komödie „The Kids Are Allright“, das fabelhafte Drama „Winter's Bone“ und der immerhin für zehn Oscars nominierte Western „True Grit“).

Mehr Pflichtübung als Ehre

Wie peinlich war Francos Auftritt in einer Abendrobe, als sich Anne Hathaway einmal im Frack zeigte. Peinlich vor allem deshalb, weil er nichts aus diesem Cross-Dressing machte. Und wie beschämend muss für Franco der riesige Beifall des Publikums für Billy Crystal gewesen sein, der die Oscar-Nacht achtmal moderiert hat und jetzt noch einmal in kaum fünf Minuten vorführte, wie man das machen muss - witzig, frei und leicht bösartig. Und wie devot sich Anne Hathaway gab, auch das war schwer zu ertragen. Die Wahl dieses Moderatorenpaars darf man als historische Pleite verbuchen.

Das gilt auch für die Entscheidung, die Auszeichnungen der Academy für ein Lebenswerk nicht mehr während der eigentlichen Zeremonie vorzunehmen, sondern auf einer eigenen Gala. Gut, Jean-Luc Godard kam weder zur einen noch zur anderen Veranstaltung, aber als heute Nacht für eine Minute die Veteranen Francis Ford Coppola, Eli Wallach und Kevin Brownlow auf die Bühne treten durften, um sich wortlos ihre stehende Ovation abzuholen, da war das eindeutig mehr Pflichtübung als Ehre.

Überträllerte Gedenkpflicht

Wie viel würdiger war dagegen sehr früh der Auftritt von Kirk Douglas gewesen, der den Preis für die beste Nebendarstellerin vergab. Der mittlerweile vierundneunzigjährige Schauspieler kam zwar am Stock auf die Bühne und musste sich erst etwas warm reden, doch dann riss er den Saal zu Beifallsstürmen hin. Man ehrt eben ein Lebenswerk nicht dadurch, dass man die Ausgezeichneten stillstellt, sondern indem man sich anhört, was sie zu sagen haben.

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