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Oscar-Verleihung 2006 : „L.A. Crash“ bester Film - Oscars für Witherspoon, Hoffman und Clooney

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Beste Hauptdarstellerin: Reese Witherspoon Bild: AP

Es ist eine kleine Sensation: Nicht der haushohe Favorit „Brokeback Mountain“ holte den Oscar als bester Film, sondern das Drama „L.A. Crash“. Die deutsche Hoffnung „Sophie Scholl“ ging bei der Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag leer aus. FAZ.NET-Spezial mit Bildergalerie.

          Überraschungssieger und zerplatzte deutsche Träume: Bei der 78. Oscar-Verleihung haben sich etliche anspruchsvolle Filme die wichtigsten Preise geteilt, einen überragenden Gewinner gab es nicht.

          Das Episodendrama „L.A. Crash“ des kanadischen Regisseurs und Autors Paul Haggis um Rassenprobleme in Los Angeles wurde von den Oscar-Juroren zum besten Film gewählt. „Keiner von uns hat das wirklich erwartet“, sagte Haggis. „Das war doch eigentlich nur ein kleiner Film. Wir haben alle Regeln gebrochen und Hollywood hat das belohnt.“ In den deutschen Kinos ist der Überraschungssieger der Oscar-Nacht mit Sandra Bullock, Matt Dillon, Brendan Fraser und Don Cheadle trotz hervorragender Kritiken mit nur rund 200.000 Besuchern allerdings untergegangen.

          Den Preis für die beste Regie erhielt Taiwaner Ang Lee mit dem Schwulen-Western „Brokeback Mountain“, der in insgesamt acht Kategorien nominiert war. Die deutschen Oscar-Hoffnungen wurden enttäuscht: Das Nazi-Widerstandsdrama „Sophie Scholl - Die letzten Tage“ ging ebenso leer aus wie der Kurzfilm „Ausreißer“.

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          Enttäuschung für „Brokeback Mountain“

          Der Top-Favorit „Brokeback Mountain“ konnte die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Insgesamt gab es nur drei der acht möglichen Oscars: Neben dem Regiepreis bekam der Western noch Auszeichnungen für das beste Drehbuch nach einer literarischen Vorlage und für die beste Filmmusik. Auch „L.A. Crash“ holte drei goldene Statuen: Bester Film, bestes Original-Drehbuch (Paul Haggis und Bobby Moresco) und bester Schnitt.

          Daß „Brokeback Mountain“ nicht bester Film wurde, sorgte für Diskussionen unter Kritikern und hörbare Enttäuschung bei Mitwirkenden. „Die Wahrheit ist vielleicht, daß Amerikaner keine schwulen Cowboys wollen“, sagte Larry McMurtry, der dennoch für „Brokeback Mountain“ - gemeinsam mit Diana Ossana - einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch erhielt. Trotz der großen medialen Präsenz von Homosexualität sei Hollywood noch nicht reif dafür, dem Thema die Ehrenhaftigkeit des Mainstream zuzugestehen, sagte der Kritiker der Los Angeles Times, Kenneth Turan. Für Leute, die sich wie gute, produktive Liberale fühlen wollten und denen „Brokeback Mountain“ zu heiß war, sei „L.A. Crash“ eine perfekte Ausflucht gewesen.

          Sanftmütiger reagierte „Brokeback Mountain“-Regisseur Ang Lee auf seine Auszeichnung für die beste Regie. Der gebürtige Taiwaner Lee nahm die Trophäe mit bescheidener Geste entgegen und widmete den Oscar seinem verstorbenen Vater. „Ich habe diesen Film mehr als jeden anderen für ihn gemacht“, sagte Lee.

          Mama, ich bin stolz auf dich

          Als beste Schauspieler profilierten sich Philip Seymour Hoffman und Reese Witherspoon mit biografischen Filmen. Der 38jährige Hoffman wurde für seine Darstellung des exzentrischen Schriftstellers Truman Capote ausgezeichnet. Der Film „Capote“ beschreibt die kurze, aber entscheidende Phase im Leben des Autors, in der sein Roman „Kaltblütig“ entstand. Witherspoon erhielt die goldene Statue für ihre Hauptrolle in dem Film „Walk the Line“ über das Leben des Musikers Johnny Cash, dessen Ehefrau die 29jährige verkörpert. Für beide Oscar-Gewinner war es die erste Nominierung, sie hatten aber bereits bei den Golden Globes triumphiert.

          „Während meiner Kindheit in Tennessee hätte ich nie gedacht, daß ich einmal so weit kommen könnte“, sagte Witherspoon in ihrer Dankesrede. Der Oscar gebe ihr das Gefühl, daß ihre Arbeit etwas bedeute. Hoffman forderte die Zuschauer auf, seiner Mutter zu gratulieren, die vier Kinder allein aufgezogen habe. „Sei stolz, Mama, denn ich bin stolz auf dich.“

          Triumph für „Tsotsi“

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