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Oscar-Verleihung 2006 : „L.A. Crash“ bester Film - Oscars für Witherspoon, Hoffman und Clooney

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Die deutschen Filmemacher durften sich in der Oscar-Nacht nur über ihre Nominierungen freuen, denn die Oscars räumten andere ab. Regisseur Marc Rothemund mußte sich mit seinem Film über die Widerstandskämpferin Sophie Scholl in der Kategorie bester Auslandsfilm dem südafrikanischen Streifen „Tsotsi“ geschlagen geben. Die Hamburger Filmemacherin Ulrike Grote hat mit „Ausreißer“ bereits einen Studenten-Oscar gewonnen. Doch bei der Oscar-Gala gewann in der Sparte Kurzfilm der britische Film „Six Shooter“ von Martin McDonagh.

Bei den Nebendarstellern triumphierten Schauspieler aus Polit-Thrillern: George Clooney und Rachel Weisz. Der 44jährige Clooney erhielt die goldene Statue für seine Nebenrolle in dem Thriller „Syriana“. Der Film beschreibt die Verstrickung amerikanischer Konzerne in Kriege, Verschwörungen und Morde. „Damit ist eigentlich klar, daß ich nicht bester Regisseur werde“, meinte Clooney gleich am Anfang der Gala lakonisch - und bedankte sich trotzdem stilvoll bei der Academy: „Hier in Los Angeles leben ziemlich viele abgehobene Leute“, sagte er. Umso wichtiger sei es, daß über die Oscars Themen wie Aids oder Rassismus mit dieser Welt in Kontakt gebracht würden.

Weisz bekam den Oscar als beste Nebendarstellerin für den Film „Der ewige Gärtner“. An der Seite von Ralph Fiennes spielt die Britin, die am Dienstag ihren 35. Geburtstag feiert, eine Aktivistin, die die Machenschaften eines Pharmakartells in Afrika aufdeckt und dafür umgebracht wird. Sie widmete ihre Trophäe all jenen Menschen, „die bereit sind, ihr Leben zu riskieren, um gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen“.

Oscars für Pinguine und Riesenkaninchen

Den besten Filmsong lieferte der Rapper-Film „Hustle & Flow“ mit dem HipHop-Lied „It's Hard Out Here For A Pimp“ ab. Je drei Oscars, allerdings nicht in Top-Kategorien, gingen an Peter Jacksons Mega-Produktion „King Kong“ (Spezialeffekte, Toneffekte, Ton) und Rob Marshalls „Die Geisha“ (Ausstattung, Kostümdesign, Kameraführung). Das beste Make-up war nach Meinung der 5800 Oscar-Juroren in „Die Chroniken von Narnia“ zu sehen. Bei der Oscar-Gala in Hollywood wurde zudem die britische Produktion „Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“ als bester Animationsfilm ausgezeichnet. „Die Reise der Pinguine“ erhielt einen Oscar in der Sparte Dokumentarfilm.

„Rückkehr zum Glamour“ war das Motto der Gala - und diese herausragende Qualität des „alten Hollywood“ stach vor allem optisch hervor. Im eleganten Bühnenbild im Stil der „Goldenen zwanziger Jahre“ nahmen vor allem die weiblichen „Presenter“ beim Öffnen der Umschläge das Thema ernst: Nicole Kidman in beinahe überirdischer Perfektion, Charlize Theron in göttlicher schwarzer Seide, Uma Thurman als strahlende Diva, Jennifer Lopez und Salma Hayek in schimmernden Roben - sie verliehen der Show den dringend benötigten Schauwert.

Die Sandburg bleibt im Gedächtnis

Moderator Jon Stewart, der zum ersten Mal durch die Oscar-Gala führte und sich glänzend bewährte, setzte als Gegenpol dazu auf bissige Satire. Lily Tomlin und Meryl Streep lieferten einen komödiantischen Höhepunkt mit ihrer absichtlich völlig verrutschten Rede auf den großen Regisseur Robert Altman (81, „The Player“, „Nashville“), der für sein Lebenswerk gewürdigt wurde. Die rund 3500 Ehrengäste im Kodak Theater spendeten stehend Beifall für den Schöpfer von Filmen wie „M.A.S.H.“ und „Short Cuts“.

Altman war in seiner Karriere fünfmal als Regisseur für einen Oscar nominiert, hat aber nie einen gewonnen. „Einen Film zu drehen ist, wie am Strand eine Sandburg zu bauen“, schilderte Altman in seinem emotionalen Auftritt. „Man lädt alle ein, die Burg zu bewundern und freut sich an ihrer Pracht. Aber dann kommt die Flut und wäscht alles wieder weg. Doch die Sandburg bleibt immer im Gedächtnis.“

Die Oscar-Preisträger in der Übersicht

Bester Film: „L.A. Crash“
Bester fremdsprachiger Film: „Tsotsi“ (Südafrika)
Bester Animationsfilm: „Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen“
Beste Darstellerin (Hauptrolle): Reese Witherspoon in „Walk the Line“
Bester Darsteller (Hauptrolle): Philip Seymour Hoffman in „Capote“
Beste Darstellerin (Nebenrolle): Rachel Weisz in „Der ewige Gärtner“
Bester Darsteller (Nebenrolle): George Clooney in „Syriana“
Beste Regie: Ang Lee für „Brokeback Mountain“
Bestes Original-Drehbuch: Paul Haggis und Bobby Moresco für „L.A. Crash“
Bestes adaptiertes Drehbuch: Larry McMurtry und Diana Ossana für „Brokeback Mountain“
Beste Kamera: „Die Geisha“
Bester Schnitt: „L.A. Crash“
Bester Ton: „King Kong“
Beste Toneffekte: „King Kong“
Beste Filmmusik: „Brokeback Mountain“
Bester Filmsong: „It's Hard Out Here for a Pimp“ aus „Hustle & Flow“
Beste Kostüme: „Die Geisha“
Beste Maske: „Die Chroniken von Narnia“
Beste Ausstattung: „Die Geisha“
Beste Speziale ffekte: „King Kong“
Bester Dokumentarfilm: „Die Reise der Pinguine“
Bester kurzer Dokumentarfilm: „A Note of Triumph: The Golden Age of Norman Corwin“
Bester kurzer Trickfilm: „The Moon and the Son: An Imagined Conversation“
Bester kurzer Realfilm: „Six Shooter“
Ehren-Oscar für das Lebenswerk: Robert Altman (Regisseur/Autor)

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