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Oscar-Verleihung 2005 : Ein Aufstand alter Männer

  • -Aktualisiert am

Alter herzt Jugend: Oscar-Gewinner Eastwood und Swank Bild: REUTERS

Vergeßt die älteren Herrschaften nicht: Clint Eastwood ist der älteste Regisseur, der je einen Oscar gewonnen hat - und zwar verdient. In fast allen Kategorien hat die Academy die richtigen Entscheidungen getroffen.

          Die Oscars können verdammt grausam sein, und so kam es am Ende, wie es kommen mußte. Martin Scorsese, der sich nichts so sehnlich wünscht wie einen Oscar und dem alle auch von Herzen einen solchen gönnen würden, ging zum fünften Mal leer aus. Damit befindet er sich immerhin in guter Gesellschaft, denn auch Hitchcock und Robert Altman hatten bei ihren fünf Nominierungen stets das Nachsehen.

          Dabei hatte der Abend für „Aviator“ vielversprechend begonnen. Der Film gewann so ziemlich alles, wofür er nominiert war: Robert Richardson für die Kamera, Thelma Schoonmaker für den Schnitt, Dante Ferretti für die Art Direction, Sandy Powell für die Kostüme - und vor allem Cate Blanchett für ihre Verkörperung von Katharine Hepburn, obwohl die Academy gerade bei den Nebendarstellerinnen gern für Überraschungen sorgt.

          Der älteste Regisseur, der je gewann

          Aber es half alles nichts. Als es um die Hauptpreise ging, kam Clint Eastwoods Boxerinnen-Drama „Million Dollar Baby“ ganz groß raus: bester Film, beste Regie, dazu Hilary Swank beste Hauptdarstellerin und Morgan Freeman bester Nebendarsteller. Eastwood ist mit 74 Jahren der älteste Regisseur, der je diese Auszeichnung gewonnen hat, und ihm sind damit gleich zwei Doppelschläge gelungen.

          Alter herzt Jugend: Oscar-Gewinner Eastwood und Swank Bilderstrecke

          1992 hatte er bereits für „Unforgiven“ sowohl den Regie- als auch den Film-Oscar gewonnen, und im vergangenen Jahr war sein „Mystic River“ ebenfalls mit zwei Schauspieler-Oscars für Sean Penn und Tim Robbins ausgezeichnet worden. Eastwood sagte hinterher: „Es laufen hier zwar eine Menge junger Typen herum, aber den Geldgebern sei gesagt: ,Vergeßt nicht die älteren Herrschaften!' Die Senioren und Seniorinnen sind hier und immer noch bereit, ihr Bestes zu geben.“

          Im Alter immer besser

          So hart das für Martin Scorsese sein mag, so schön ist die Entscheidung für Eastwood, der im Alter offenbar immer noch besser wird und dessen „Million Dollar Baby“ genau von jener atemberaubenden Einfachheit und schlichten emotionalen Größe ist, die „Aviator“ bei aller visuellen Brillanz abgeht. Morgan Freeman brachte es auf den Punkt: „Wenn Clint dich engagiert, dann macht er das, weil er den Eindruck hat, daß man weiß, was man tut. Und dann hält er sich raus. Er kümmert sich um die Regie, du um die Schauspielerei. So einfach ist das.“

          Nicht daß es diese Oscars noch wirklich dazu gebraucht hätte, aber sie bekräftigen, was mittlerweile jedem klar sein dürfte: daß Clint Eastwood zu den allergrößten Regisseuren des amerikanischen Kinos zählt, der nun auch zu jenen Größen wie Wilder, Lean und Spielberg aufgeschlossen hat, die mehr als einmal für die beste Regie ausgezeichnet wurden.

          Ein Zeichen dafür, daß es anders geht

          Und das alles für einen Film, der in nur 37 Tagen nach der allerersten Drehbuchfassung gedreht und erst in letzter Minute doch noch vor Jahresende in die Kinos gebracht wurde, um sich für die Oscars zu qualifizieren. In einer Branche, in der an allem und jedem so lange herumgebastelt und gefeilt wird, bis auch der letzte Studio-Heini und Marketing-Fritz zufrieden ist, ist dieser Triumph ein Zeichen dafür, daß es auch anders geht - zumindest wenn man Clint Eastwood heißt.

          Hinter dieser mitreißenden Entscheidung verblaßt fast die Tatsache, daß die Oscars diesmal im neuen Gewand auftraten. Nicht nur weil erstmals der schwarze Komiker Chris Rock durch den Abend führte, vor dessen unbotmäßigem Humor die Fernsehverantwortlichen etwas Bammel hatten, sondern auch weil die ganze Verleihung etwas flotter über die Bühne ging. Die Nominierten der weniger glamourösen Kategorien wurden jeweils alle auf die Bühne gerufen, ehe man die Gewinner bekanntgab, und einer von ihnen wies völlig zu Recht darauf hin, daß die Bezeichnung „technische Kategorien“ irreführend sei, weil natürlich auch bei Tonschnitt oder Spezialeffekten vor allem künstlerische Entscheidungen getroffen werden.

          Annette Benings zweite Niederlage

          Aber natürlich werden bei jenen Künstlern, die vor der Kamera arbeiten, bei so einer Verleihung noch mehr Emotionen frei. So hielt Jamie Foxx, der erwartungsgemäß für „Ray“ gewann, eine ergreifende Rede, und Annette Bening verlor schon zum zweitenmal gegen Hilary Swank, deren Karriere nach ihrem Oscar für „Boys Don't Cry“ schon hatte befürchten lassen, daß sie wie etwa „Amadeus“-Darsteller F. Murray Abraham nie wieder an ihren ersten Erfolg würde anknüpfen können. Zu ihrem zweiten Oscar sagte sie: „Ich weiß nicht, womit ich das verdient habe. Ich bin doch nur ein Mädchen aus einer Wohnwagensiedlung, das nichts außer seinen Träumen hatte.“

          Die deutschen Beiträge „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ und „Der Untergang“ gingen leer aus, statt dessen gewann Alejandro Amenabars Sterbehilfe-Drama „Mar adentro“. Weil das Thema auch in „Million Dollar Baby“ vorkommt, behaupten böse Zungen, die Entscheidung für diese beiden Filme verdanke sich der Überalterung der Academy. Man könnte aber auch sagen: Es waren einfach die richtigen Entscheidungen.

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