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Oscar-Gewinner Spike Jonze im Gespräch : Über die Liebe von morgen und Gefühle von gestern

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Los Angeles mit Shanghai aufladen: Spike Jonze bereitet die Stadt der Zukunft vor während der Dreharbeiten zu seinem Film „Her“ Bild: Warner

Sind wir wirklich die Einzigen, die so etwas wie eine Seele haben? „Her“, der neue Film von Spike Jonze, erzählt von einem einsamen, melancholischen Mann, der sich in seine neue Software verliebt. Der Oscar-Gewinner im Gespräch.

          Als er in Berlin saß und beinahe in einem dieser für keinen erkennbaren Zweck geeigneten Hotelsuitensessel versank, war Spike Jonze, 44, noch oscarlos. Inzwischen hat er den Oscar für das beste Originaldrehbuch gewonnen, für seinen Film mit dem schlichten Titel „Her“, und dagegen ist gar nichts einzuwenden. „Her“ erzählt von einem einsamen, melancholischen Mann (Joaquín Phoenix mit irritierendem Schnäuzer), der sich in seine neue Software verliebt, ein „intelligent operating system“, das sich selbst Samantha nennt. Eine ungewöhnliche Variante von „Boy meets girl“, ein Blick auf die Liebesverhältnisse einer Zukunft, die so fern gar nicht mehr erscheint.

          Die Stimme von Scarlett Johansson in Ihrem Film ist so hinreißend, so verführerisch, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wer sie synchronisieren soll. Haben Sie eigentlich Einfluss auf die Wahl der Synchronsprecherin in den verschiedenen Ländern?

          Ja schon, wir arbeiten hier in Deutschland zum Beispiel mit jemandem zusammen, den wir von früheren Filmen kennen, ein echter Experte, der verschiedene Sprachen spricht und ein Ohr hat für die Befindlichkeiten der Schauspielerin in der Rolle, aber auch für die feinsten Verästelungen im Dialekt, der einem genau sagen kann, wo jemand herkommt, aus welcher Region und aus welcher sozialen Schicht.

          Wissen Sie denn schon, wer Scarlett Johansson sprechen wird?

          Ich kann Ihnen noch keine Namen nennen, aber ich vertraue unserem Experten beim Casting. Es geht ja auch ganz wesentlich darum, dass Stimmen zueinander passen, große Namen sind nicht so wichtig in der Synchronfassung. Wenn jemand den Film nur synchronisiert sehen kann, dann soll diese Fassung dem Original jedenfalls so nah wie nur möglich kommen.

          Hoffen wir das Beste! Ich las kürzlich auch die freundliche Kritik von Ray Kurzweil, dem großen Propheten der künstlichen Intelligenz. Er schrieb, „Her“ passe auf seiner Zeitleiste der technischen Entwicklung exakt ins Jahr 2029, weil dann künstliche Intelligenz ein der menschlichen vergleichbares Niveau erreicht haben werde. Haben Sie sich mit Kurzweil beschäftigt in der Vorbereitung?

          Ich habe die Kritik auch gelesen, sie ist sehr schmeichelhaft. Ich habe mich auch mit Kurzweils Theorien beschäftigt, aber im Grunde geht es bei mir gar nicht so sehr um Technologie und künstliche Intelligenz. Sie sind nur insoweit wichtig, als sie Metaphern für die Liebesgeschichte liefern. Mich hat der technische, der Science-Fiction-Aspekt bis zu einem gewissen Grade sehr interessiert, aber viel wichtiger sind, auch schon beim Schreiben, die Gefühle, dagegen verblassen die technischen Elemente schon sehr.

          Dennoch haben Sie eine sehr kohärente Vision der nahen Zukunft entwickelt, indem Sie das Stadtbild von Los Angeles mit dem von Schanghai kombinieren. Und ganz nebenbei auch die Nahverkehrsprobleme von Los Angeles lösen. Da ist keine Blechlawine mehr, niemand fährt mehr Auto, alle benutzen umweltfreundliche Züge.

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