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Oliver Pocher : Ich bin dann mal da

  • -Aktualisiert am

Pocher glänzt in „Vollidiot” Bild: AP

Oliver Pocher wurde als erster Comedystar durch Werbespots und Fernsehauftritte gleichermaßen bekannt. Nun versucht er, eine neue Stufe zu erreichen und einen ganzen Film zu tragen. „Vollidiot“ ist ganz und gar Pochers Film.

          Das Cinestar in Hellersdorf, weit im Nordosten Berlins, ist ein weltraumbahnhofartiger Unterhaltungskomplex mit Eiscafé, Orion Sex Shop und einem Multiplexkino, das so etwas wie eine Stadtmitte simulieren soll in einer weiten Siedlung von hingelegten und senkrecht aufgestellten Plattenbauklötzen.

          Auf dem öden, leeren Platz vor dem Kino hängt eine kleine böse Gang ab, wie vom Fremdenverkehrsamt dorthin bestellt. Es ist der letzte Ort auf Erden, an dem man Oliver Pocher suchen würde. Und doch steht er etwas verloren im Foyer, gibt ein Interview und lächelt in Fotohandys.

          Er füllt den Schirm glänzend aus

          Das Fernsehen steht ihm gut. So würde man ihn leicht übersehen, aber das Querformat und die innere Illumination des Bildschirms verhelfen seiner schmalen Statur zu einer optimalen Erscheinung, er füllt den Schirm glänzend aus, jeden Schirm. Als einer der wenigen funktioniert er als Gast, als Moderator, als Comedian, als Sidekick und Außenwettenmoderator. Selbst auf You-Tube wirken seine Sketche, er beherrscht die kurze wie die lange Strecke - und bleibt dabei immer er selbst, wiedererkennbar und gleich gut.

          Oliver Pocher in „Vollidiot” als leidenschaftsloser Telefon-Verkäufer

          Als erster Comedystar ist er ebenso durch Werbung (seine sehr witzigen und ironischen Spots für Media-Markt) bekanntgeworden wie durch seine Auftritte. Einen solchen Markt gibt es auch in Hellersdorf, schon lange vor der Ankunft am Cinestar kann man die großen roten Hinweisschilder sehen wie einen Trost: Auch wer räumlich und sozial abgekoppelt ist, auch wer wenig Geld hat, wird von der Unterhaltungsindustrie bedacht. Hier sind auch die neuesten technischen Spielzeuge bezahlbar. Die großen Elektronikmärkte sorgen dafür, dass sich, auch wer wenig Geld hat, Oliver Pocher ins Haus holen kann, auf Flachbildschirm, als DVD oder zum Downloaden. Und das ist auch gut so.

          Ach so, ein Witz

          Heute Abend ist Pocher zur Abwechslung mal analog und in 3-D gekommen, denn er spielt die Hauptrolle in einem Kinofilm - einen verschuldeten Angestellten ohne Freundin -, und er wirbt dafür dort, wo sein Publikum wohnt. Begeisterung für Pocher in Hellersdorf, umgekehrt eher konsequente Professionalität, Oliver Pocher wirkt müde. Als ich zu ihm in den schwarzen Kleinbus steige, der ihn zur nächsten Kinovorstellung des Abends fahren soll, sagt er leise: „Wir haben echt Glück. Es hätte ja auch ein Wochenende mit schönem Wetter werden können.“ Der Bus hat getönte Scheiben, es ist stockfinster draußen. Er setzt wieder an: „Wir hätten ja auch Sonne und über 25 Grad in ganz Deutschland haben können, stattdessen dieses schöne Kinowetter.“

          Ach so, ein Witz. Pochers Witze sind kurz, Amerikaner würden Oneliner dazu sagen. Pocherianer sagen Sprüche, und wenn sie seine Arbeit beschreiben sollten, in Hellersdorf und sonstwo, sagen sie: „Der Olli bringt Sprüche.“ Wie bei einer Party klingt das, einer bringt das Bier, Olli eben die Sprüche. Pocher pflegt eine elementare, aber nicht voraussetzungslose Form von Komik. Sie ist nicht hochkomplex, uhrwerksmäßig wie bei Loriot; Pocher fährt nicht in andere Menschen wie Olli Dittrich, lotet nicht düster und nerdy die Abgründe seiner Zeitgenossen aus wie Christian Ulmen und schwelgt nicht im Reich der Parodien wie Bully Herbig.

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