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„Official Secrets“ im Kino : Die Frau, die den Irak-Krieg verhindern wollte

Die Geschichte des Leaks und der anschließenden Strafverfolgung Katharine Guns ist feinstes Kinomaterial. Bild: Entertainment One

„Official Secrets“ erzählt die Geschichte um die Whistleblowerin Katharine Gun, die 2013 brisante Informationen der NSA über den Irak-Krieg leakte. Die Geschichte wird realitätsnah und mitreißend erzählt.

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          Jeder weiß, wer Edward Snowden ist. Auch Chelsea Manning ist den meisten ein Begriff. Die Übersetzerin Katharine Gun hingegen wurde nicht weltberühmt durch das große Risiko, das sie einging: Sie leakte 2003 eine schriftliche Anweisung der NSA an sie und ihre Kollegen beim britischen Nachrichtendienst GCHQ, gezielt die Vertreter kleinerer Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrates auszuspionieren. Amerika und Großbritannien wollten gemeinsam den Irak-Krieg durchsetzen und erhofften sich die Zustimmung des Gremiums – dafür waren sie auch bereit, andere mit belastenden Informationen zu erpressen. Die Geschichte dieses Leaks und der anschließenden Strafverfolgung Katharine Guns ist feinstes Kinomaterial. Umso erstaunlicher, dass nicht einmal Guns Landsfrau Keira Knightley sie kannte, die die Whistleblowerin in „Official Secrets“ darstellt.

          So nah wie möglich an der Realität wollten die Drehbuchautoren Gregory und Sara Bernstein bleiben. Ihr Skript basiert auf dem Buch „The Spy Who Tried to Stop a War: Katharine Gun and the Secret Plot to Sanction the Iraq Invasion“ von Marcia und Thomas Mitchell von 2008, für das Katharine Gun ihre Geschichte erzählte. Zumindest soweit sie durfte: Der Official Secrets Act, an den sich der Filmtitel anlehnt, regelt den Umgang mit Staatsgeheimnissen und verbot es Gun sogar, mit ihren Anwälten ganz offen zu sprechen. Und Anwälte brauchte sie dringend, denn sie gab nicht nur die Mail weiter, die Wochen später vom „Observer“ abgedruckt wurde, sondern bekannte sich auch noch vor ihren Vorgesetzten beim Geheimdienst zur Tat – vielleicht der erstaunlichere ihrer beiden großen Alleingänge, für die sie nicht mal ihren Mann zu Rate zog.

          Was sie dazu brachte, das bringen Knightley und der südafrikanische Regisseur Gavin Hood, der 2005 mit „Tsotsi“ den Auslands-Oscar gewann, sehr gelungen auf die Leinwand. Mehrere innere Konflikte kommen hier zusammen: Zum einen wird dem „Observer“ vorgeworfen, auf einen Fake reingefallen zu sein, unter anderem, weil eine Praktikantin die Zeitungsseite mit der Mail durchs Rechtschreibprogramm schickte und einzelne Wörter dadurch in britischer statt amerikanischer Schreibweise abgedruckt wurden.

          Die Veröffentlichung, in die Gun so große Hoffnungen gesetzt hatte, zog also vorerst keinerlei Konsequenzen nach sich. Zum anderen wurden alle Kollegen von Gun wie auch sie selbst von einem Sonderbeauftragten des Geheimdienstes verhört, um den Whistleblower zu identifizieren. Gun selbst blieb dabei unverdächtig, aber andere wurden unter Druck gesetzt und immer wieder zu Gesprächen geholt, was ihr Sorgen bereitete. Und schließlich zeigt der Film seine Hauptfigur als durch und durch aufrichtige Person, so dass ihre Entscheidung völlig plausibel wirkt: Wie könnte eine Frau, die mit der Weitergabe der Mail Verantwortung übernommen hat, für diese Handlung später keine Verantwortung übernehmen?

          Doch damit beginnt das große Drama des Films erst: An Guns kurdischem Ehemann Yasar (Adam Bakri), der nur eine begrenzte Aufenthaltserlaubnis hat, wollen die Behörden ein Exempel statuieren, um die Whistleblowerin zu bestrafen. In letzter Sekunde kann sie verhindern, dass er unrechtmäßig abgeschoben wird – da steht er schon auf dem Rollfeld des Flughafens Heathrow in einer Schlange mit anderen Migranten, bewacht von Sicherheitskräften.

          „Auch als Premierminister kannst du nicht einfach Fakten erfinden!“

          Ein Jahr lang wartet Gun auf ihren Prozess, unterstützt vom Menschenrechtsanwalt Ben Emmerson (Ralph Fiennes). Am Schluss gibt es keinen richtigen Showdown, aber immerhin eine Pointe: Weil sie wieder nur ihrem Gewissen folgt und auf „nicht schuldig“ plädiert, weswegen ihre Anwälte Dokumente ins Feld führen könnten, die die Regierung schlecht dastehen lassen, ist der Prozess vorbei, ehe er richtig angefangen hat.

          Katharine Gun lebt heute mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Türkei. Den Krieg konnte sie nicht aufhalten, aber sie hat mehr dafür getan, als den Fernseher zu beschimpfen – was allerdings auch nicht zu kurz kam. Die Szenen, in denen sie das tut, brennen sich fast am meisten ins Gedächtnis, weil sie wie Kommentare zur heutigen Politik wirken.

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          Als Tony Blair im Fernsehen behauptet, man wisse recht genau, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen bunkere, sagt sie zu ihrem Mann: „Auch als Premierminister kannst du nicht einfach Fakten erfinden!“ Vielleicht sollte bald mal jemand eine Studie zu Trump-Anspielungen in Filmen anleiern, das Phänomen scheint gerade enorme Dimensionen anzunehmen. Aber gerade in diesem Punkt belehrt „Official Secrets“ alle eines Besseren, die sich aktuell nach einem Amerika vor Trump und einem stabilen Großbritannien zurücksehnen: Unter Bush und Blair, das sehen wir hier deutlich, war auch nicht alles besser.

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