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„Black Panther“ im Kino : Oh, wie schön ist Wakanda

Bedrohung  durch Schwarz und Weiß

Ein Weißer darf bei den Guten natürlich auch mitspielen: Martin Freeman als CIA-Agent Everett K. Ross – allerdings nur in einer Nebenrolle als Patronenfänger und Buschpilot. Bedroht wird das Königreich indessen durch Schwarz und Weiß gleichermaßen: Der eine Feind, Erik Killmonger (Michael B. Jordan), einer, den das Leben in Harlem, der Verrat an seiner Familie, der Krieg und der Wunsch nach Tod und Rache gezeichnet haben, will eigentlich nur Liebe, Gerechtigkeit – und den Thron. Der andere, Ulysses „Klaw“ Klaue (Andy Serkis), Nazi-Sohn und Attentäter, hat es auf das extraterrestrische Edelmetall und das Ableben des Panthers abgesehen.

Gewöhnen muss man sich als Zuschauer erst einmal an den schweren „afrikanischen“ Akzent, mit dem alle sprechen. Nakias Koreanisch, das bei einer Stippvisite in Busan zu hören ist, klingt wie aus dem Lehrbuch. Aber schließlich muss klar werden, dass die Sprache der „Kolonisatoren“ hier eine Fremdsprache bleibt.

In seiner überbordenden Inszenierung von afrikanischer Folklore und Landschaft rauscht der Film oft hart in die „Lion-King“-Leitplanke. Allein, immer dann, wenn man sich gerade darauf einstellt, dass Elton John gleich mit dem gesamten „Circle of Life“ um die Ecke kommt, kippt der Film entweder gekonnt in den Hightech-Kontrast oder aber macht die Lion-King-Haftigkeit selbst zum Thema: „Das wird niemals langweilig“, sagt T’Challa, bei einem Flug entlang eines ins Licht des afrikanischen Sonnenuntergangs getauchten Flusses – kurz bevor er sich unter den holographischen Schutzschirm begibt, der Wakandas Städte vor fremden Augen schützt.

Übermut und Aufbruch

Der Film gibt sich alle Mühe, Afrika nicht als Ansammlung ausgebeuteter und von Krieg und Terror versehrter Entwicklungsländer zu zeigen. Alles ist dermaßen geleckt, dass man sich fast wieder wünscht, irgendwo mal eine stinknormale Plastiktüte oder einen Käfer zu entdecken. Die detailverliebte Art und Weise, wie der Regisseur Ryan Coogler und sein Visual-Effects-Team die Technologien Wakandas optisch aufbereiten und inszenieren, ist ein Fest: Da wird schwarzer Sand lebendig, sind Tech-Labore voller Wandmalereien und telefoniert man via Perlenarmband.

Ein politische Botschaft, die bei der Hautfarbe haltmacht, bietet die Geschichte vordergründig nicht – dafür versprüht sie schlicht zu viel Übermut und Aufbruch. Und auch der Humor, der zwar marveltypisch nicht gerade feinsinnig, aber hier doch sehr menschlich und selten zynisch wirkt, kommt dem Film kaum je abhanden. Das verdankt er vor allem den vielen kleinen Kabbeleien zwischen dem König und seiner Schwester. Wright und Boseman spielen das auf eine sehr ansteckende Art. Und auch wenn der Film manche Szenen gerade in Verfolgungsjagden oft in geradezu cartoonesquer Bond-manier auflöst, nimmt er den Faden stets nonchalant wieder auf, so dass man kaum Zeit hat, das übertrieben zu finden. Nur die gepanzerten Nashörner sind schlimmer als jeder Olifant.

Alternative schwarze Geschichte

Dass fiktive schwarze Historie einmal so komplett anders erzählt wird, mit einem Cast, der ein Zeichen gegen all die weiße Überlegenheit setzt, die sich im Marvel Cinematic Universe nach der „Blade“-Trilogie mit Wesley Snipes durchgesetzt hat, macht „Black Panther“ zu einem besonderen Film. Gesellschafts- und Branchenkritik dann doch à la: Das wurde höchste Zeit.

Die stereotypischen Gegensätze von „wild“ und „zivilisiert“ löst „Black Panther“ auf. Die vermeintlich Wilden sind ebendas gerade nicht und überlassen die Barbarei jenen, die im Dschungel der Industrieländer aufgewachsen sind. Wakanda wird seine Überlegenheit nicht durch nationalistisch verseuchten Protektionismus zu schützen versuchen, sondern schlicht durch eine solidarische Handreichung unter Beweis stellen: Es bietet der Welt seine Hilfe an, statt sich zu verstecken.

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