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James Bond ist zurück : Schlag, Schnitt, Bruch und ein letzter Spruch

Bild: Universal Pictures

Der letzte James-Bond-Film mit Daniel Craig in der Hauptrolle ist nicht nur spektakulär, sondern weiß und erzählt auch Neues über die Seele des Superagenten.

          4 Min.

          Irgendwann zwischen April 2020 und September 2021 kam der Augenblick, an dem es völlig in Ordnung schien, wenn alles bliebe, wie es war. Zumindest was den neuen James-Bond-Film anging. Wochen vor jedem angesetzten Starttermin würde er fortan jedes Mal auf ein neues Datum verschoben, und niemand würde mehr darauf wetten, dass der Film jemals auf die Leinwand käme. Immer neue Trailer mit immer wieder aktualisierten Produktplatzierungen würden einander ablösen, die Zahlen würden weiter steigen, von dem ursprünglichen Budget von 150 Millionen Dollar auf 200 Millionen und so fort, jede Verschiebung eine Art Perform- ance, bis sich das Ganze zu einem Loop verselbständigen und schließlich, puff, in eine elegante Wolke auflösen würde. Längst hatten alle aufgehört zu fragen: Und der Film? Wie ist er denn? Was blieb, war: Kommt er noch?

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Es fehlte nicht viel zur Verloopung der Verschiebungen mit anschließendem Streaming. Doch stattdessen fanden am Dienstagabend in einer weltweiten Parallelaktion die Premiere (in London), die Welturaufführung (beim Filmfestival Zürich) und Pressevorstellungen in großen Kinos einiger internationaler Großstädte statt. Und? Es wurde laut. Selbst im Stillstand. Aber nicht nur. Wenn Bond die Zentrale von MI6 mit einem Besucherschild am Revers betritt und seinen Ex-Chef M am Ende eines verkrampften Treffens „darling“ nennt, zeigt sich, es war eine gute Idee von Daniel Craig, auf der Drehbuchmitarbeit von „Fleabag“-Schöpferin Phoebe Waller-Bridge zu bestehen.

          Geschüttelt oder gerührt? Egal!

          Ansonsten: Ein klassischer Bond-Film, nur deutlich länger (fast drei Stunden), und also mit mehr von allem. Mehr Autojagden. Mehr Anschlägen auf Bonds Leben. Mehr spektakulären tödlichen Spielzeugen aus der Werkstatt von Q, mehr Toten aus dem Lager des Gegenspielers auch. Der kugelsichere Aston Martin, die Martinis, die scharfgeschnittenen Abendanzüge, Moneypenny, das Weltenhopping von Kanada über Italien nach Jamaika, mit Zwischenstopp in London. Unter der Regie von Cary Joji Fukunaga läuft es wie am Schnürchen, ohne größere Durchhänger und in einem Rhythmus, der den Figuren gerade noch Zeit zum Atmen gibt.

          Doch wer hätte mit Ana de Armas als vermeintlich naive Schöne an der Seite Bonds gerechnet, die ein Fest in Havana aufmischt, zielsicher, akrobatisch, gnadenlos und voller Lust am Kämpfen? Und nach getaner Arbeit nicht mit ihm im Bett landet? Oder mit einem betörend pastoral wirkenden Giftgarten auf einer abgelegenen Insel, auf der sich auch Dr. No zu Hause gefühlt hätte, weil sie einmal ein Raketenstützpunkt war, damals, als James Bond geboren wurde, im Kalten Krieg? Dazu mit einem blauäugigen Kind und seinem gestrickten Langohrhasen? Oder mit Großaufnahmen des Gesichts von Daniel Craig? Das gab es, wenn die Erinnerung nicht täuscht, bisher nicht. Neben Versatzstücken gab es also eine Menge Überraschungen. Am größten vielleicht diese: dass von diesem Film neben der Erinnerung ans durch die rapide Abfolge der Aktionen hochgepumpte Adrenalin das Figurenporträt eines Mannes in Erinnerung bleiben wird, dem es letztlich völlig egal ist, ob sein Martini geschüttelt wird oder gerührt.

          Mit Segelboot und Angelrute in Jamaika

          Fünfzehn Jahre lang hat Daniel Craig den einzigen britischen Superhelden am Leben gehalten. Seit „Casino Royale“ wissen wir, er ist nicht unverletzlich, er kann lieben, er kann trauern, und wenn von seiner Seele die Rede ist, muss er nicht lange überlegen, um zu ahnen, was gemeint sein könnte. Dieser Bond war nie eine Neuauflage eines sich treu bleibenden Helden, sondern in gewisser Weise eine tatsächlich andere Figur. Ein Mann mit Geschichte (auch wenn sie haarsträubend war), keine Tötungsmaschine im Dienst der Königin, sich alles ironisch vom Leib haltend, was einer Reflexion über das eigene Tun nahekäme.

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