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„Zack Snyder’s Justice League“ : Ist das Gerechtigkeit für Helden?

Nichts weniger als Weltretter: die Justice League Bild: obs

Verdoppelt und verbessert: „Zack Snyder’s Justice League“ rekonstruiert eine vier Jahre alte Spielfilmvision, um die sich der Regisseur betrogen glaubte.

          4 Min.

          Ostern ist nicht mehr weit hin, und wem als Filmfreund in diesem Jahr der Sinn nach etwas Zeitgemäßerem aus Hollywood steht als den unvermeidlichen Fernsehwiederholungen von „Die Zehn Gebote“ oder „Ben Hur“, der kommt zwar immer noch nicht ins Kino, aber bei Sky kann er sich ansehen, wie der neueste Stand cinematographischer Erlösungsphantasien aussieht. Wie es sich gehört, steht zu Beginn der Sturz des missionarischen Helden, und zwar buchstäblich. Im sieben Minuten währenden Vorspann sehen wir Superman fallen, und ganz wie in der christlichen Passionsgeschichte geht im Moment seines Todes ein Riss durch die Welt. Die folgenden 225 Minuten sehen wir dann zu, wie der wieder geschlossen wird, Auferstehung des Gestorbenen inklusive.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Macht zusammen fast vier Stunden. Nun haben wir uns längst an Serien gewöhnt und daran, dass man durch Zerstückelung dünne Stories auf erstaunliche Gesamtlängen ausdehnen kann. Kinodrehbuchschreiber wissen das, und wenn es dann noch um einen Stoff geht, der im Original schon auf Ausuferung angelegt war, kann man sich vorstellen, was passiert. Als Zack Snyder, der größte bekennende Superhelden-Fan unter den Hollywood-Machern, vor fünf Jahren daran- ging, Jack Kirbys 1970 begonnenen und über vier Jahre in unterschiedlichen Heftserien laufenden Comiczyklus „Fourth World“ auszuschlachten, durfte man also nicht nur der Thematik wegen Episches erwarten. Es geht darin um neue Götter und ewig lebende kosmische Helden, und das unbegrenzte Zeitbudget der Letzteren war offenbar Ansporn für „Zack Snyder’s Justice League“, der von heute an auf dem Streamingdienst von Sky zu erwerben ist.

          Ein Filmdebakel auf Wiedervorlage

          „Justice League“? Die hatten wir doch schon einmal, und so lange ist das gar nicht her. In Erinnerung geblieben ist ein formloses Debakel (F.A.Z. vom 15. November 2017), das sich erfolglos bemühte, das Erfolgsrezept der Marvel-Superheldenfilme auf die Comicwelt des Konkurrenzverlags DC zu übertragen. Hieß praktisch: Was bei Marvel das Team der Avengers ist, eine Truppe sonst einzeln agierender Helden, die vereint die Welt zu retten haben, das nennt sich bei DC eben Justice League, und es besteht aus noch viel größeren Individualisten. Die berühmtesten heißen Batman, Wonder Woman und Superman, ergänzt werden sie durch The Flash, Aquaman und Cyborg. Aber die Masche ging nicht auf, „Justice League“ floppte. Das soll nun anders werden.

          Wobei wir es nicht mit einer Neuverfilmung zu tun haben, sondern mit einer Art Upcycling: Aus Müll wird etwas nützlich Neues geformt. Wobei es auch ein Recycling ist, weil Zack Snyder nun das wieder herstellen will, was eigentlich schon 2017 herauskommen sollte. Damals musste der Regisseur, der 2006 mit „300“ die Bildsprache von Comicverfilmungen revolutioniert hatte, indem er aus japanischen Manga das Erzählprinzip ständig wechselnder Zeitdehnungen und -beschleunigungen übernahm – ein Kinokinderspiel mittels Zeitlupe und -raffer – und dann 2009 mit „Watchmen“ vorführte, dass er die Gruppendynamik von Superhelden auf die Leinwand zu bringen verstand, sich kurz vor Schluss der Dreharbeiten wegen eines Todesfalls in der Familie zurückziehen.

          Zwei Regisseure als Rivalen

          Für ihn übernahm kein Geringerer als Joss Whedon, zuvor mit zwei „Avengers“- Filmen zum neuen Stern in Hollywood aufgestiegen und somit dabei, Snyder den Ruf als Heldenspezialist abspenstig zu machen. Entsprechend glaubte er auch besser als sein Vorgänger zu wissen, was zu tun wäre, ließ etliche Szenen nachdrehen, setzte die Elemente von Snyders Drehbuch neu zusammen und schnitt das bereits fertige Material auf eine Gesamtlänge von nicht einmal zwei Stunden zusammen. Der machtlose Snyder sah’s mit Grausen, zumal weiterhin sein Name als Regisseur genannt und fortan mit dem Flop verbunden wurde.

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