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„Non-Stop“ und „Man of Tai Chi“ : Bewegung ist alles

Liam Neeson spielt in „Non Stop“ einen von Flugangst geplagten Air Marshall, der die Flugpassagiere vor einem Verrückten retten muss. Bild: Studiocanal/Myles Aronowitz

Action ist, wenn es auch ohne Geschichte geht: Die Filme „Non-Stop“ und „Man of Tai Chi“ treten den Beweis an. Lausige Schauspieler um löchrige Drehbücher - aber trotzdem hundert zufriedene Minuten.

          3 Min.

          Generische Plots, verziert mit glänzendem Design, schnellen Autos und beeindruckenden Skylines, sind im Genrekino eigentlich kein Problem. Manchmal reicht es für hundert zufriedene Minuten, wenn auf der Leinwand alles in Bewegung ist, die Menschen, die Lichter, die Kamera.

          Verena Lueken
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Kein Actionfilm brächte Geld, wäre das anders. Für die Actionfilme dieser Woche gilt das besonders. „Non-Stop“ des spanischen Routiniers Jaume Collet-Serra mit Liam Neeson (der schon in „Unknown Identity“ sein Star war) macht das bereits im Titel klar. „Man of Tai Chi“, das Regie-Debüt des „Matrix“-Stars Keanu Reeves, hingegen suggeriert friedliche Morgengymnastik im Park, eine Illusion, mit der in den ersten Filmminuten aufgeräumt wird. Auch Tai-Chi kann tödlich sein.

          Auf die Frage, worum geht’s, geben beide Filme keine Antwort. Aber dann explodiert die Leinwand im „Man of Tai Chi“ unter atemraubenden Martial-Arts- Manövern unterschiedlicher Stile, und für eine Weile ist alles gut. In „Non-Stop“ folgt die Aktion der beschleunigten Logik einer tickenden Bombe an Bord eines Überseefliegers.

          Sinnlose Geschichte, lebendiger Hauptdarsteller

          Alles steht und fällt mit den Hauptdarstellern. Bei Liam Neeson als Air Marshall mit einer traurigen Familiengeschichte muss man allerdings fragen: Warum tut er sich das an?

          Offenbar kann er seine Arbeit in der Luft ohne einen Becher Schnaps zum Frühstück, umgerührt mit der Zahnbürste, nicht antreten, wobei seine Flugangst ihm schon beim Start nach einem zweiten, gern auch dritten Whiskey gieren lässt. Liam Neeson spielt diesen verwitterten Kerl mit gebührender Anstrengung und gleichzeitig erfahrener Gelassenheit.

          Die um den Air Marshall herum erfundene Geschichte ergibt in keiner Hinsicht irgendeinen Sinn, aber Neeson haucht ihr etwas ein, ohne das Actionkino nicht funktioniert (ohne sinnhafte Geschichte funktioniert es unter Umständen prächtig): Leben.

          Gerettet wird, wer der Rettung wert war

          Wir sehen in seine ledrigen Züge, blicken in die tiefblauen Augen unter den geschwollenen Lidern, sehen den schweren Körper, der in Gefahr immer noch behende sich in Deckung bringen kann, und wir wollen, obwohl wir von Beginn an wissen, wie die Chose ausgeht, sehen, wie er das macht: eine Ladung Passagiere vor einem offenbar Verrückten retten, aus höchster Flughöhe über dem Atlantik.

          Oder ist er selbst der Verrückte, wie das löchrige Drehbuch es für einen Augenblick suggeriert? Doch „Non-Stop“ ist die Art von Film, bei denen es aufs Drehbuch eher zweitrangig ankommt. Dass neben Liam Neeson am Fenster Julianne Moore sitzt, schadet nicht, auch wenn sie deutlich weniger zu tun bekommt, als ein Film ohne Schwerpunkt auf dem Kampf zwischen Männern auf engstem Raum ihr zu tun geben würde.

          Drum herum spielt eine Riege sehenswerter Nebendarsteller (Scoot McNairy, Michelle Dockery, Lupita Nyong’o, Corey Stoll) und wenn gerettet ist, wer der Rettung wert war, und ein kurzer Satzwechsel gewechselt, hört der Film angenehm lakonisch einfach auf.

          Keanu Reeves spielt in „Man of Tai Chi“ einen geld- und blutgierigen Sicherheitstycoon, der einen Nachwuchskämpfer zum Killer ausbilden will.
          Keanu Reeves spielt in „Man of Tai Chi“ einen geld- und blutgierigen Sicherheitstycoon, der einen Nachwuchskämpfer zum Killer ausbilden will. : Bild: dpa

          Auch „Man of Tai Chi“ steht und fällt mit Tiger Hu Chen, dem Kämpfer im Mittelpunkt. Er ist ein begnadeter Martial Artist und Kampfszenen-Choreograph (etwa für die „Kill Bill“- und „Matrix“-Filme), wenn auch ein lausiger Schauspieler. Und diesen Film seines einstigen Schülers Keanu Reeves, der auch ein ziemlich lausiger Schauspieler ist, umso mehr, als seine begrenzten mimischen Ausdrucksmöglichkeiten durch offenbar verstärkte Maßnahmen gegen den Zahn der Zeit weiterhin minimiert wurden, gibt es augenscheinlich vor allem, um Tigers Kunst den gebührenden Auslauf zu geben.

          Reeves spielt einen geld- und blutgierigen Sicherheitstycoon, der Tiger in einem illegalen Kampfclub zum Killer ausbilden will, und er ist als Darsteller ehrerbietig genug, sich weitgehend rauszuhalten und die Leinwand Tiger Hu Chen, dessen Tai-Chi-Master Yu Hai und seinen verschiedenen hochtrainierten Kung-Fu-Gegnern zu überlassen. Bis zum Showdown, der einen berührungslosen Trick wieder hervorholt, der schon in Tarantinos „Kill Bill Vol. 2“ für Verblüffung sorgte.

          Der Film ist eine chinesisch-amerikanische Koproduktion, die zum großen Teil auf Chinesisch gedreht ist, in Chinas Kinos bisher aber enttäuschend abgeschnitten hat. Was uns wieder zu den generischen Plots und dem schicken Design bringt. Hongkong-Filme, und so will er aussehen, sind absurder, origineller, dreckiger. Hollywood-Filme aufwendiger.

          Wer also soll sich das ansehen? Alle, für die Kampfkunst ein Fest ist, selbst wenn drum herum an einer Geschichte herumgenestelt wird, die zum Brüllen ist. Tiger Hu Chen ist ein Meister. Unwahrscheinlich, dass wir ihn vor der Kamera noch einmal derart ausführlich zu sehen bekommen.

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