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Pasolinis „Edipo Re“ : Seine Kräfte spielen in der Luft, die wir atmen

Bei Pasolini ist das Mythische keine Fantasy. Seine Trümmer sind in der Welt verstreut, und die Aufgabe des Regisseurs besteht darin, sie zusammenzusetzen.

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          Bei Pasolini ist das Mythische keine Fantasy. Seine Trümmer sind in der Welt verstreut, und die Aufgabe des Regisseurs besteht darin, sie zusammenzusetzen. In „Edipo Re“ liegen Theben und Korinth in Marokko, in den Wüstenstädten des Atlasgebirges. Jokaste (Silvana Mangano) wohnt in einem Palast aus Lehmziegeln, und die Sphinx ist eine krächzende Alte im Ziegenfell.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Nach einem Vorspiel in den zwanziger Jahren, in dem Pasolini sein eigenes Kindheitstrauma erzählt, springt der Film übergangslos in die Vorzeit, und ebenso rasch springt er am Ende zurück ins heutige Bologna, wo der blinde Odysseus (Franco Citti) mit den Straßenjungen Fußball spielt.

          Der Mythos reicht in die Gegenwart hinein, seine Kräfte spielen in der Luft, die wir atmen. Auch die Kreuzigung ist ja bei Pasolini ganz real, so wirklich wie der Statist Stracci, der in dem Kurzfilm „Der Weichkäse“ in einer Drehpause für einen Bibelfilm an einem hinuntergeschlungenen Klumpen Ricotta erstickt.

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