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„Get the Gringo“ von Adrian Grunberg : Genre, lakonisch

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Der Ex-Star und sein Regisseur stilisieren den Film zum ironisch gebrochenen Neo-Noir, der Mel Gibsons große Zeit als charismatischer Antiheld beschwört: „Get the Gringo“ von Adrian Grunberg.

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          Verfolgungsjagd, Feuergefecht, Gitarrensolo. Es ist, als wäre es noch einmal 1972, und Sam Peckinpah verfilmte ein Drehbuch von Walter Hill. Zwei Autos rasen entlang des texanisch-mexikanischen Grenzzauns, das Fluchtfahrzeug steht unter heftigstem Beschuss der Border Patrol, dazu spielen Alvin Lee und die Ten Years After den elektrischen Blues.

          Lees „50.000 Miles Beneath My Brain“, das könnte das Motto sein für diesen Film: Am Steuer des Fluchtwagens sitzt der „Driver“, er verliert Kompagnon und Beute, dann verfrachtet man ihn in ein mexikanisches Gefängnis, das alle Albträume übersteigt. Dort herrscht ein Foucaultscher Disziplinarapparat mit ganz eigenen Gesetzen, die neben den korrupten Beamten nicht zuletzt das inhaftierte Drogenkartell selbst schreibt. Der Driver aber wäre kaum der Driver, verstünde er nicht, die Situation ganz zu seinem Vorteil ausnutzen - und nebenbei noch eine bildhübsche Señorita samt ihrem bedrohten Sohn zu retten.

          Ein Engel, den man zu lieben hasst

          Der Driver wird gespielt von Mel Gibson, an dessen geistiger Zurechnungsfähigkeit diverse antisemitische, sexistische und homophobe Ausfälle der letzten Jahre nachhaltig zweifeln ließen. „Get the Gringo“ hingegen, von Gibson als Ko-Autor sich selbst auf den Leib geschrieben, stilisieren der Ex-Star und sein Regisseur Adrian Grunberg zum ironisch gebrochenen Neo-Noir, der Gibsons große Zeit als charismatischer Antiheld beschwört.

          Der Driver ist eiskalt, aber doch auch ein Engel, den man zu lieben hasst. Fotografiert von Benoît Debie, Kameravisionär bei Gaspar Noés „Irréversible“ (2002), „Enter the Void“ (2009) und zuletzt Harmony Korines „Spring Breakers“ (2013), entwickelt „Get the Gringo“ dabei großes physisches Gespür für den infernalischen Handlungsraum, dessen Realitätseffekte einen reizvollen Kontrast zur zynischen Kolportage der Geschichte bilden.

          Ein Kino, das beweisen will, dass es sich nichts beweisen muss

          „Get the Gringo“ lief in Deutschland noch im Kino, ging in den Vereinigten Staaten und Großbritannien aber bereits im Marktsegment der Direct-to-DVD-Produktion unter. Das mag zum einen an Gibsons Status als Persona non grata liegen, hat zum anderen aber sicher auch mit dem Anachronismus dieses lakonischen Noir-Westerns zu tun.

          Trotz teils hyperventilierender Montage bleibt „Get the Gringo“ einer Tradition des Genrekinos verpflichtet, die lediglich beweisen will, dass sie sich nichts beweisen muss. Der Film gedenkt einer Schule des Bewegungsbildes, die nur sich selbst erklärt, nur sich selbst bedeutet, nur auf sich selbst verweist. Melancholisch blickt der Film zurück in die eigene Genregeschichte und die filmische Wirklichkeit des Kinos.

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